Talbeschreibung und Pässe – Lienzer Dolomiten

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In den Lienzer Dolomiten kommen vorzugsweise, besonders auch vom Stand­punkte der Frequenz, diejenigen Pässe in Betracht, die den Übergang vom Drautale ins Gailtal (Lessachtal) vermitteln. Mit der Aufzählung dieser von Westen nach Osten beginnend, sei vorerst des Kartitschjoches, 1553 m,gedacht, welches die Verbindung des Drautales mit dem obersten Gailtale herstellt. Etwa drei Viertelstunden östlich von Sillian im Pustertale, zwischen Panzendorf und Strassen, öffnet sich nach Süden das Kartitschtal, an dessen Eingange westlich auf einer Stufe des Helmmassivs, der Wallfahrtsort Hollbruck, 1326 m, liegt, während sich östlich auf einer aussichts­reichen Bergterrasse das Dörfchen St. Oswald befindet. In circa zwei Stunden von Sillian, circa 1100 m, gelangt man über Tasenbach nach St. Leonhard oder Kar­titsch, 1360 m, den Hauptort des Tales. Durch Felder ansteigend, erreicht man von hier in einer Stunde das Kartitschjoch, 1553 m, auch »Auf den Tannen« ge­nannt, die Wasserscheide zwischen dem Drau- und Gailtale. Der oberste Teil des Gailtales heißt Tilliachertal und gehört noch zu Tirol. Vom Joch absteigend gelangt man über St. Peter in der Innerst, die Leiten und Rodarm, in 1 1/4 Stunden nach Ober-Tilliach, 1446 m.

Ein zweiter Übergang über diesen Teil der Lienzer Dolomiten führt über den Sturzelbachgraben. Von Haltestelle Tal im Drautale wandert man über die Drau­brücke und dann hinauf, bei einem Bauernhaus (Kohler) vorbei, durch den Wald zu einer Schuttalde. Neben dieser steigt man circa zehn Minuten hinan, überschreitet diese Sandte und wandert dann auf gutem Wege, rechts immer ansteigend, bis nach circa 25 Minuten ein von Mittewald heraufführender Weg einmündet. Im Walde fortschreitend traversiert man steile Hänge bis zu einer Scharte; nun hinab und rechts hinauf zu einer zweiten Scharte, von welcher man direkt in den Sturzelbachgraben hinabsteigt. Nun wandert man circa eine Stunde im Graben aufwärts, bis sich eine Ebene ausbreitet, welche Marwieseralpe (auch Malwitzeralpe) genannt wird. Von Assling-Tal benötigt man 2 3/4 Stunden hierher, auch von Mittewald kann ein Aufstieg zur Marwieseralpe, 1716 m, ausgeführt werden, indem man von der Riederbrücke bei der Mündung des Griesbaches im Walde entlang der Nordhänge des Kosterberges hinansteigt und in ca. vier Stunden die Marwieseralpe erreicht. Von hier gelangt man links in einer halben Stunde zur Tilliacheralpe und dann hinauf über schöne Almwiesen in einer halben Stunde auf die flache Einsenkung östlich des Golzentipp, kurzweg das »Joch« genannt, woselbst man einen schönen Blick auf die Ampezzaner Alpen und die Karnische Hauptkette genießt. Hier befindet sich ein kleiner See. Der Abstieg kann von der Jochhöhe in einer Stunde nach Ober-Tilliach, 1446 m, ausgeführt werden, von wo man dann in zwei Stunden über Unter-Tilliach nach Maria-Luggau gelangt.

Ein von Einheimischen öfters benützter Steig führt über den Kofel; dieser Über­gang kann von Lienz ausgeführt werden, doch kann auch die Bahnhaltestelle Thal als Ausgangspunkt dienen. Von Lienz aus wandert man auf der Pustertalerstrasse der Lienzer Klause zu und gelangt nach ca. 25 Minuten in die Nähe des seit dem Jahre 1853 bestehenden Eisen- und Mineralbades Leopoldsruhe, das auf einem niedrigen Vorberge des südöstlichen Abhanges des Lienzer Schlossberges gelegen ist. Die Straße erreicht nach einer Viertelstunde die Gemeinde Leisach, ein freundliches Dörfchen mit gutem Gasthause. Je mehr man sich den Bergen im Süden nähert, desto imposanter bauen sich die kolossalen Steilwände über den dunklen Wäldern auf, und besonders der Spitzkofel, 2718 m, überragt hier seine Nachbarn als gigantische Felspyramide. Kurz bevor die Eisenbahn und Poststrasse sich kreuzen, führt eine Brücke über die Drau, jenseits welcher man rechts zur Galizenklamm gelangen kann. Man bleibt jedoch am linken Ufer der Drau, folgt der Poststraße gegen Westen und sieht bald das einsame ,Gehöft des Galizenschmieds am jenseitigen Ufer beim Eingange der Klamm. Kurze Zeit darauf gelangt man zu den Ruinen der Lienzer Klause (1 1/4 Stunden von Lienz), die im Jahre 1809 eine bedeutende Rolle spielte. Bald darauf erreicht man das »Luggauer Brückele«, überschreitet die Drau und folgt dem hier abzweigenden Wall‑

Die Lienzer Dolomiten

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Von

Philipp Wilhelm Rosenthal.

Einleitung.

Im Süden der Eiswelt des Glockner- und Venedigermassives, im Nordosten der Dolomiten, dem Dorado aller Bergsteiger, erheben sich die Lienzer Dolomiten, die, erdrückt von diesen alpinen Titanen, durch Jahrzehnte eine bescheidene Rolle zu spielen gezwungen waren.

Noch vor zwölf Jahren war diese Gebirgsgruppe für den größten Teil der Bergsteigerwelt eine Terra incognita und es vermochte auch die Errichtung mehrerer Schutzhütten seitens der alpinen Vereine nur eine schwache Anziehungskraft auszu­üben, trotzdem jeder Besucher dieser Berge entzückt war von der Pracht der sich darbietenden Bilder. Nachdem in den allerletzten Jahren sich einiges Interesse der Bergsteiger auch dieser Gebirgsgruppe zugewendet hat, so hat vielleicht auch die Stunde für die vollständige Erschließung der Lienzer Dolomiten geschlagen.

Mit der nachstehenden Monographie sei nun der Versuch gemacht, das Augen­merk neuerlich auf diese herrliche Berggruppe zu lenken, auf das auch sie jene Würdigung finde, die sie in vollem Maße verdient.

I. Allgemeines.

Benennung und Gruppierung. Einer der ersten, die sich mit dieser Gebirgs- gruppe beschäftigten, war Leopold von Buch. In Leonhard’s »Taschenbuch für Minera­logie vom Jahre 1824«, S. 418, berichtet L. v. Buch über die Resultate seiner neuesten geognostischen Forschungen. In diesem Berichte bezeichnet er das zwischen der Gail und Drau eingebettete Gebirge als »Die Kette des Bleiberges«. Insbesondere hebt er die Schönheit des »Rauhkofels« hervor, mit welcher Bezeichnung vermutlich die ganze zentrale Gruppe der Lienzer Dolomiten gemeint ist. Spätere Mitteilungen über dieses Gebiet gaben Alexander Petzholdt2 und Credner, denen sich Dr. Her­mann Emmerich anschloss. Letzterer besuchte im Jahre 1854 die Lienzer Dolomiten, er bezeichnet diese Gebirgskette im Jahrbuch der Geologischen Reichsanstalt, 6. Jahrgang, 1855, S. 444, als die: »Dolomitkofel von Lienz«. Ein Jahr später veröffentlichte Dionys Stur im Jahrbuche der Geologischen Reichsanstalt, 7. Jahrgang 1856, III. Vierteljahr, S. 405 u. ff., ebenfalls eine größere Arbeit über das »Lienzer Ge­birge«. Diesen Benennungen. stellt sich der berühmte Geoplast Franz Keil entgegen, der die Lienzer Dolomiten wie bekannt: »Kreuzkofel-Gruppe« benannte. Hingegen blieben spätere Geologen bei der Stur’schen Bezeichnung: »Lienzer Gebirge«, so Dr. Edmund v. Mojsisovics (Verhandlungen der Geologischen Reichsanstalt, Jahrgang 1873, S. 235) und F. Teller (Verhandlungen der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Jahrgang 1883, S. 193).

Unter Zugrundelegung dieser Benennungen machte die Sektion Lienz des D. u. Ö. A. V. im Jahre 1885 den Vorschlag, diese Gebirgsgruppe Lienzer Dolomiten zu be­nennen, welcher Antrag im Deutschen und Österr. Alpenvereine Beifall erregte; in der Tat fand auch dieser Name sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Berg­steigern allgemein Eingang.

Trotzdem hat Dr. August v. Böhm später in seiner

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