Vallée Blanche Variationen – Die Skitraverse Chamonix – Courmayeur und zurück an einem Tag

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Das Montblanc-Massiv bietet dem Ski­fahrer zahlreiche Ziele. Zwei davon ra­gen besonders hervor. Das eine ist der Gipfel des Montblanc selbst, der mit seinen 4807 Metern ein Traumziel für jeden Tourengeher ist. Obwohl der Nor­malweg auf dem Montblanc für den ge­übten Skibergsteiger keine besonderen technischen Probleme bietet, können Schneebeschaffenheit, Höhe und Wetter harte Nüsse zu knacken geben. Der Gipfel und der Weg dorthin sind aber so außerordentlich großzügig und schön, dass sich der Einsatz und die Mühe auf jeden Fall lohnen.

Das andere Skiziel im Montblanc-Ge­biet ist von völlig anderer Art. Zwar war­tet auch dieses mit einmaligen Super­lativen auf. Aber die Superlative liegen hier nicht im Kampf mit Spalten, Brücken, Eisbrüchen, Lawinenzonen und langen Aufstiegszeiten, sondern Grand Capucinin überdimensionalen Abfahrtshöhen in ei­ner hochalpinen Landschaft ohneglei­chen und in einem Maximum an extrem schönen und mühelosen hochalpinen Freuden. Es ist der „Weg“ von Chamo­nix (1055 m) über die Aiguille du Midi (3842 m) nach Courmayeur (1220m) und zurück an einem Tag, mit insgesamt et­wa 5200 Höhenmeter Abfahrt über etwa 35 Kilometer Länge bei insgesamt nicht mehr als 45 Minuten Aufstieg. Eindrucks­voller geht es nicht mehr. Ein Teil des Ganzen ist bekannt als Abfahrt von der Aiguille du Midi durch das Vallée Blan­che und das Mer de Glace nach Cha­monix. Auch diese Abfahrt ist schon von gewaltigen Ausmaßen, führt sie doch vom Gipfel der Aiguille du Midi über mehr als 19 Kilometer bei 2700 Meter Höhendifferenz bis herab nach Chamonix, durch eine Landschaft, für die es in den Alpen nichts Vergleichba­res gibt. Diese Abfahrt gilt gemeinhin als Salonabfahrt des hochalpinen Sno­bismus, und sie ist es auch in mancher Hinsicht, was das Renommierbedürfnis der 5000 bis 10000 Skifahrer angeht, die an schönen Tagen über sie hinabquir­len. Es ist aber vorneweg zu bemerken, dass auch diese Abfahrt ihre Haken und Ösen hat oder haben kann. Sie führt durch Spaltengebiete und Eisbrüche, die nicht immer harmlos sind, obwohl sie an schönen Tagen rasch pistenähn­lich ausgefahren ist. Aber die „Piste“ führt dann doch mitunter überraschend an manchem gähnenden Loch vorbei. Kein Geringerer als der Erstbesteiger der Annapurna, Louis Lachenal, hat hier bei der Abfahrt in einer Spalte sein Leben verloren, obwohl er das Gebiet be­stens kannte. Nachfolgend soll nun aber die große Skitraverse Chamonix—Cour­mayeur und zurück, leicht auszuführen an einem Tag, beschrieben und empfoh­len werden. Sie gliedert sich in ver­schiedene Etappen, denen wir der Rei­he nach folgen.

Von Chamonix zum Gipfel der Aiguille du Midi

Aiguille de Midi, ChamonixTalort und Ausgangspunkt ist Chamo­nix. Das Hauptproblem besteht darin, eine Fahrkarte für eine der ersten Bah­nen der Kabinenbahn Chamonix—Aigu­ille du Midi zu ergattern. Das ist wegen des großen Andrangs während der Hauptsaison bei gutem Wetter oft ziem­lich schwierig, und es gibt lange Warte­zeiten. Will man nur die normale Vallée-Blanche-Abfahrt machen, genügt es auch, erst um die Mittagszeit hinaufzu­fahren. Man hat dann eine schöne Firnabfahrt und holt die Sonnenanbeter, die das Vallée Blanche bevölkern, und die Nachzügler, die sich bei Montenvers drängen, noch lange ein. Für die große Traverse nach Courmayeur und zurück aber muß man früh dran sein. Als Faust­regel gilt, dass der Col de Toule (3411 m), an dem die Steilabfahrt nach Cour­mayeur beginnt, um 10 Uhr morgens er­reicht sein muß. Andernfalls werden die Osthänge, die nach Courmayeur hinab­führen, zu weich.

Die Auffahrt zur Aiguille du Midi glie­dert sich in zwei Teile: Teil I zur Zwi­schenstation am Plan de l’Aiguille (2310 m), hier umsteigen; Teil Il Auf­fahrt zur Aiguille du Midi. Diese Auffahrt ist atemberaubend steil und kühn. Die Kabine jagt in geringster Distanz zu den Eis- und Felsgebilden der Midi-Nordwestwand in einem Zug hinauf zum Gipfel, immer dem Frendo-Pfeiler folgend, den man von Plan de l’Aiguille in 6 bis 8 Stunden besteigen könnte. Mit der Kabinenbahn überwindet man die Höhendifferenz in wenigen Minuten. Wenn man Glück hat, sieht man auf der feinen Schneeschneide des Pfeilers die Aufstiegsspur einer früheren Seilschaft, von der Kabine aus besonders spekta­kulär anzuschauen.

Von der Gipfelstation zuerst Abstieg zu Fuß über den Ostnordostgrat, bis man die Skier anschnallen kann (etwa 10 Minuten). Dieser Abstieg in Skistiefeln über den exponierten und nur notdürf­tig gesicherten Schnee- bzw. Eisgrat ist manchmal delikat und immer beeindruckend: gewaltige Tiefblicke, vor allem aber, nach dem Gang durch die Tunnels der Gipfelstation, ein ungeheurer Blick auf den nahen Gipfel des Montblanc und all seine Trabanten und Nachbarn — bis hin zu den Walliser und Berner Alpen in der Ferne.

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