Die Grinbergspitze – Zillertal – Skitour

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Jeden Morgen beim Aufstehen stand sie nun vor mir, die Grin­bergspitze. Und jeden Morgen machte sie mich neugieriger, damals vor drei Jahren, als wir im November in unser neues Haus in Finkenberg im Zillertal eingezogen waren — mit Blick auf diesen Berg und seine vielversprechenden Hänge. Sie waren einfach zu einladend. Aber ich mußte mich noch eine Weile gedul­den.

Denn im Frühwinter ist dieser Berg zu lawinengefährlich: mit seinen steilen Flanken nach Nord bis Nordost, die zudem noch bretteben sind, bietet er um diese Jahreszeit eine ideale Rutschbahn für den Schnee.

GrinbergspitzeDann — einige Wochen später — hatten sich die Schneeverhältnisse stabilisiert: Der letzte Schneefall lag eine Woche zurück und war — bei Fön und schon recht milden Temperaturen — durch wiederholtes Tauen und Gefrieren ge­festigt und teilweise verfirnt. Es war so weit — wir konnte die geplante Tour starten.

Wir waren zu viert. Regina, meine Frau, kam mit, außerdem meine Freun­de Hans Hotter und Egelbert Schösser — beides erfahrene Berg- und Skiführer.

Was uns nicht hinderte, gleich zu Anfang einen Fehler zu begehen, für den wir mit einem unnötig mühevollen Aufstieg gestraft wurden.

In Brunnhaus, einem kleinen Weiler oberhalb von Finkenberg, parkten wir unser Auto, querten mit unseren Skiern einige Hänge, um durch einen verfilzten Waldgürtel in die große Rinne zu ge­langen, die den Weiteraufstieg ver­mittelt. Der von vielen Berggehern ge­hegte Wunsch, mit dem Auto so weit wie möglich hinaufzufahren, rächte sich. Wir waren im dichten, fast unwegsamen Unterholz gezwungen, unsere Skier zu schultern und uns mühsam Schritt für Schritt hinaufzuarbeiten.

Innerhalb kürzester Zeit sahen wir aus wie Wichtelmännchen, über und über mit Moos und Zweigen behangen. Die Blicke meiner Frau verhießen nichts Gutes. Hatte sie doch annehmen müs­sen, unter der sicheren Obhut von drei Bergführern nicht in die Irre geleitet zu werden. Sie begann an meinen Führer­qualitäten zu zweifeln. Nach einer knappen Stunde erreichten wir die große Rinne. Der Spuk war vorbei. Wir gelangten zu einer Aufstiegsspur, die wir eine Zeitlang benützten, bis sie zu steil wurde. Häufig, so scheint mir, wird von vielen Tourengehern die Spur zu wenig dem Gelände angepaßt. Selbst steiles Gelände wird »flacher« — und weniger anstrengend, wenn die Spur richtig angelegt ist. Ich versuchte nun wieder gutzumachen, was ich durch meinen Fehler im Wald vermurkst hatte. Zügig kamen wir nun voran. Engelbert, der mir bei einer kurzen Rast anvertraute, er hätte nur sehr wenig Stunden Schlaf gehabt — es hätte etwas zu feiern gegeben — übernahm nun die Führung.

Grinbergspitze Topo skitourDurch einen schütteren Wald, die Gamshütte links liegen lassend, erreich­ten wir das Grinbergkar, durch das wir nun in weitausladenden Kehren anstie­gen. Schneller als erwartet gelangten wir, nachdem der letzte steile Auf­schwung überwunden war, in die Schar­te zwischen Vorderer und Mittlerer Grinbergspitze. Der Aufstieg hatte sich wahrhaftig gelohnt. Das Panorama, das ich mir vorgestellt hatte, wurde bei wei­tem übertroffen.

Vor uns liegen 1700 Meter Ab­fahrt. Bei dem mittlerweile aufgefirnten Schnee würde es ein Leckerbissen be­sonderer Art werden. Die Stimmung er­reichte den Höhepunkt. Kurz rasteten wir und fuhren dann ab, unserer Auf­stiegsspur entlang.

Diese Abfahrt wird mir unvergeß­lich bleiben. Durch unverspurte Hänge zogen wir unsere Schwünge und gelang­ten wohlbehalten um die späte Mittags­zeit wieder zu unserem Auto. Erfreulicher als er angefangen hatte, endete dieser Tag. Im Wirtshaus Brunnhaus ließen wir es uns dann bei einer Speck­platte und Bier vom Faß gutgehen.

Anfahrt: Sie fahren mit dem Auto von Finkenberg Richtung Hintertux und können am Gasthaus »Krapfen« parken, 500 Meter weiter und unmittelbar hinter der Brücke über die Tuxer Klamm.

Aufstieg: An der Brücke sehen Sie schon die große Rinne, in der Sie auf­steigen. An der östlichen Begrenzung ist auf ca. 1700 Meter ein schütterer Wald; von dort steigen Sie in das Grin­berg-Kar; die Gamshütte (1966 Meter) bleibt links liegen. Sie umgehen steilere Stufen und kommen zur Einsattelung zwischen vorderer und mittlerer Grin­bergspitze. In der Scharte ist Ihr Ski­depot.

Zeitplan: Die beste Zeit zur Abfahrt ist der späte Vormittag, spätestens der Mittag. Am Nachmittag ist der Schnee häufig zu verharscht. Rechnen Sie für Ihren Aufstieg vier bis viereinhalb Stunden, dazu eine nicht allzu lange Gipfelrast. Die Abfahrt bietet Ihnen, mit Pausen, etwa eine Stunde Spaß.

Sicherheit: Über Wetterverhältnisse und Lawinengefahr informiert man sich hei der Penken-Seilbahn; Auskünfte auch bei der Alpinschule Zillertal.

Karte: Alpenvereinskarte Zillertaler Al­pen, westliches Blatt.

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