im Fersental – eine herbstliche Wanderung

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Kaum zehn Kilometer östlich Trient — unweit des Caldonazzosees — hat bei dem Ort Pergine Valsugana (480 m) das Fersental seinen Auslauf. Es trägt seinen Namen nach dem Torrente Fersina, einem Wildbach, der vom Erd­emolo-See im obersten Südwest-Talab­schluß in zahlreichen Kaskaden das Tal durchfurcht und im südlichen Stadtteil von Trient in die Etsch mündet. Auf der Kompaß-Wanderkarte findet man auch die Aufschrift »Val dei Mocheni«. Mit Mocheni bezeichnet man die Talbewohner (aus dem deutschen »ma­chen« abzuleiten), die vom 14. bis 17. Jahrhundert in den Blei-, Kupfer- und Silberminen des Tals als Bergleute tätig waren. Durch einen Tunnel östlich von Pergine schlängelt sich die gut ausge­baute Straße am Südhang des Dorfes Canezza durch Obstgärten empor und eröffnet einen bezaubernden Blick auf den gegenüberliegenden Nordhang des Monte Fravort (2347 m), auf endlose Fichtenwälder und auf das Dorf Frassi­longo, dessen Fersental topoKirche im neugotischen Stil mit ihrem schlanken Turm beson­ders ins Auge fällt. Hinter der Ortschaft St. Orsola (925 m), die durch die Ther­malbäder mit ihrem stark arsenhaltigen Wasser bekannt ist, verengt sich bald die Straße, führt an isolierten Bauern­höfen vorbei und gibt schließlich den Blick ins obere Fersental frei.

Unwillkürlich haftet das Auge auf dem Talschluß mit dem Ruhjoch im Nordosten: Zum Greifen nahe der Monte Slimber, die höchsten Gipfel der Kette Cima di Sette Selle und Sasso Rotto (2396 m) und Sasso Rosso. Im Südosten beherrschen der Gronlait, Pizzo Alto und Monte del Lago das Landschaftsbild.

Den Ausgangspunkt unserer Wan­derung, der Ort Palù del Fersina (1350 m), 28 km von Trient, kann man gut mit seinen am Hang verstreuten Gehöf­ten erkennen. An der Talseite steht die Pfarrkirche St. Maddalena aus dem 16. Jahrhundert mit ihrem ungewöhnli­chen Zwiebelturm und dem Holzschin­deldach.

Wir kommen bald in Palù an, wo wir den Wagen am besten auf einem kleinen Parkplatz beim Dorfbrunnen parken. Hier ist auch die Endstation der Busverbindung mit Pergine.

Lago di ErdemoloWenn man die Dorfbewohner, ins­besondere die älteren, auf deutsch an­spricht, strahlen sie übers ganze Ge­sicht. Denn ihre Vorfahren stammen aus Bayern, Sachsen, Schwaben und Böhmen: Der Bischof von Trento rief sie damals als Gastarbeiter ins Land, weil er qualifizierte Bergleute für seine Erzmi­nen brauchte. Erst mit der Entdeckung Amerikas und seinen unerschöpflichen Kupfer- und Silbervorkommen erwies sich die Bergarbeit im Mocheni-Tal als zu mühsam und unwirtschaftlich, sodaß sie bald eingestellt wurde. Nach Schlie­ßung der Minen zogen die jüngeren Talbewohner mit Galanteriewaren aller Art zu Fuß durch Osterreich, Deutsch­land und Böhmen, wo sie mit der ländlichen Bevölkerung einen schwung­haften Handel trieben. Zurück blieben Frauen, Kinder und Alte. Noch heute werden an jedem Oktobersonntag Mün­zen vor der Rosenkranzmuttergottes aus­gestellt, die bis ins 17. Jahrhundert in den Kirchen geopfert wurden — verbun­den mit einem Gebet um eine glückliche Heimkehr der Ausgewanderten.

Vom Dorfbrunnen folgen wir noch einen Kilometer der Straße. Besonders charakteristisch sind die auf einfallsrei­che Weise mit den Wohnhäusern verbundenen Heustadel. Der Weg führt in einer scharfen Biegung nach rechts an einer kleinen Gaststätte — mit Telefon — vorbei. Nach der Wanderung empfiehlt es sich, hier abzusteigen. Eine schmale Holzstiege führt zu einer engen Stube hinauf — man glaubt, im Wilden Westen :u sein. Das einzige aus unserer Zeit sind der Fernseher und die freundliche Wirtin, die ihren köstlichen abgehange­nen Speck anbietet. Ein Grappa und ein Glas Bier runden dann den erlebnis­reichen Tag ab. Aber vorher unsere Wanderung!

Lago Erdemolo - im Hintergrund das RujochDurch steilen Fichtenwald führt der gut ausgebaute Weg bis zum Fersina­bach, der überschritten wird. Danach sind wir auf der ‚Märchenwiese‘ inmit­ten eines Lärchen-Fichten-Waldes, der im Herbst ein Leckerbissen für den Farb­fotografen ist. Der Weg wird wieder steiler, bis wir schließlich den aus der Eiszeit stammenden Erdemolo-See errei­chen; im November ist er manchmal schon zugefroren. Die Hütte in Seenähe ist zwar im Herbst geschlossen, doch die Bank davor mit Blick auf den See lädt zu kurzer Rast ein.

Südlich des Sees führt der Weg — jetzt schmaler und steiler — durch einen Geröllhang zur Scharte zwischen Pizzo Alto und Monte del Lago empor, und der Blick auf die Ortigara-Kette mit Monte Trentin (2310 m) und Cima Do­dici (2336 m) wird frei. Nach Südosten ein atemberaubender Blick ins 2000 Meter tiefer gelegene Val Sugana. Am Schrofengrat oder an dessen Ostseite folgen wir nun dem Pfad, der große Trittsicherheit

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