Rekordzeiten in der Eigerwand

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Die Eiger-Nordwand, 1938 erstbegangen, ist eine der ernsten, großen Westalpen-routen. Zwei Superzeiten von Alleingängern im Sommer erregten Aufsehen.

Innerhalb einer Woche, Ende Juli 1983, durchstie­gen zwei Alleingänger die Eiger-Nordwand in der sen­sationellen Zeit von weniger als fünf Stunden. Am 27. Juli um 4.20 Uhr stieg der 21jäh­rige österreichische Profiberg­steiger Thomas Bubendorfer mit der nötigsten Kletteraus­rüstung (zwei Pickel, Steigeisen, Sitzgurt, im Rucksack Elektrolyt-Flüssigkeit und eine Tafel Schokolade) in die Wand ein. Um 9.10 Uhr war er am Gipfel. Neue Rekord­zeit: vier Stunden und fünfzig Minuten.

Rekordzeiten in der eigerwand 1Am 31. Juli wagte der Süd­tiroler Baggerführer Reinhard Patscheider, 26, einen Al­leingang. Bereits um 12.30 Uhr war er zurück auf der Kleinen Scheidegg. Obwohl er ein 50-Meter-Seil, Eis­schrauben und Felshaken und Verpflegung mitschleppte, schaffte auch er die Eiger-Nordwand in knappen fünf Stunden.

Thomas Bubendorfer ist seit einigen Jahren durch schnelle Solo-Begehungen aufgefallen (»Philipp-Flamm« an der Punta Tissi in der Civetta in vier Stunden; Walkerpfeiler an der Grandes Jorasses in sie­ben Stunden; Matterhorn-Nordwand in drei Stunden und 50 Minuten.) Der intel­lektuelle Rekordjäger gilt in Österreich als eine der ganz großen jungen Hoffnungen des Alpinismus, und er drängt sich förmlich in den alpinen Markt. Er will vom Bergstei­gen leben.

Reinhard Patscheider aus Langtaufers im Vintschgau (Südtirol) war bis vor weni­gen Wochen noch völlig unbekannt. Er ist auch kein Spezialist und schon gar kein Kletterstar. Sicher ist auch er ehrgeizig, vor allem aber un­gemein konditionsstark. Dies beweist vor allem die Kombi­nation von Order-, Zebru-und König-Nordwand in zehneinhalb Stunden im Au­gust 1981. Patscheider ist Ski­lehrer und möchte nun die Ausbildung zum Bergführer absolvieren.

»13 Tage lang hielt die Mordwand zwei junge All­gäuer gefangen«, die Anfang August 1983 bis unters »To­desbiwak« geklettert waren und den Abstieg bis zum Wandfuß nicht mehr aus eigener Kraft schafften. Sie wurden im letzten Augen­blick von der Schweizer Ret­tungsflugwacht geborgen. Daß die Eiger-Nordwand im­mer noch eine ernste Wand ist, darf trotzdem nicht über­sehen werden. Da die beiden Rekordzeiten in der Bericht­erstattung der Massenmedien untergingen im »Bergdrama« der beiden Allgäuer, ist nicht zu »befürchten«, daß der Nimbus der Eigerwand zu­rechtgerückt wird.

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