Rundtour im Säntis – Appenzeller Land

No Comments
 
 
und in den Fels gehauene Stufen zum Säntis hinaus. Genauer gesagt endet der Berg­weg vor einer unscheinbaren Tür, durch die man einen spärlich beleuchteten Tunnel betritt. Welch ein Schock ist das Auftauchen an der anderen Seite in die zubetonierte Welt der Gipfelstation. Kein Stückchen Fels schaut mehr aus dem gigantischen, mehrstöckigen Monsterbau hervor. Hunderte von Seilbahn­touristen flanieren in den verschiedenen Ebenen hinter Glas geschützt vor dem Wind auf und ab. Wer hier sein Nachtla­ger aufschlagen möchte, tut gut daran, erst gegen Abend einzutreffen, wenn der Rummel vorbei ist.

Knapp 100 Meter weiter ist der Spuk so rasch vorbei, wie er begann. Ein kühner Weg leitet aussichtsreich über den Lisen-grat hinab zum Rotsteinpaß, dessen her­ausragendes Merkmal das urige Berg- gasthaus ist. Wer hier Station macht, ist gut beraten. Frisch gestärkt und ausge­ruht nimmt man dann den Altmann in Angriff. Der Gipfelaufstieg am gesicher­ten Normalweg erfordert zwar Kletterei im Grad I, belohnt aber die Mühe durch ein fantastisches Panorama. Wie ein grü­nes Auge blinkt der 1000 Meter tiefer liegende Fälensee herauf, kaum erkenn­bar im Dunst ganz weit draußen im Nordosten markiert der Gipfel des Ho­hen Kastens das Ende des Alpsteins und auch das unserer Tour.

DCIM100GOPROBeim Rückweg über die Anstiegsroute sollte sich niemand verleiten lassen, die nach rechts abzweigende Abkürzung zum Gasthaus Bollenwies einzuschla­gen. Es ist sicher der nächste Weg zu ei­nem erfrischenden Schluck, bringt einen aber um das Erlebnis der Kreuzberge. Und die kann man als Wanderer fast besser erleben als die zahlreichen Klette­rer, die in teilweise schwierigsten Routen hier ihrer luftigen Leidenschaft nachge­hen. Alle paar Meter verändert diese wildgezackte Kalkbastion ihr Aussehen. Wirkt sie auf den ersten Blick vom Mutschensattel wie eine Kette freiste­hender Türme, so erscheint sie Minuten später wie eine kompakte Mauer mit einzelnen Gipfeln, um sich beim weiteren Abstieg wieder in lotrecht aufragende Türme zu verwandeln.

Steht man den Kreuzbergen anfangs scheinbar noch in Augenhöhe gegen­über, so schrumpft das Bewußtsein in der Saxerlücke an ihrem unteren Ende zu Zwergengröße zusammen. Daß durch diese unnahbar wirkenden Abstürze so­gar Routen im II. Grad führen, mag man aus dieser Sicht heraus beileibe nicht glauben. Und fast genauso unwahr­scheinlich erscheint es, daß es nur eine halbe Stunde bis zum noch weit entfernt scheinenden Gasthaus Bollenwies unten am Fälensee sein soll. Stimmen tut bei­des. Und wer einen besonders großen Durst hat, kann es sogar in 20 Minuten bis auf die Terrasse schaffen, von wo aus man den Sonnenuntergang hinter dem steilaufragenden Altmann betrachtet, dann den Kopf wendet und den rötlich aufleuchtenden Felsgrat Bollenwiesbewundert, über den unsere letzte Etappe führen wird. Wenn, ja wenn es nicht gerade ein Wochenende mit strahlendem Wetter ist oder wenn ein Feiertag einen Kurzur­laub gestattet. Dann ist auf diesem Ab­schnitt die Hölle los. Im Zehnminuten-Intervall spukt die Bahn auf den Hohen Kasten die Wanderscharen aus, die hier mit wenig Mühe eine herrliche Panora­matour vorfinden. Wer es mit diesem „Gegenverkehr“ aufnimmt, kommt aus dem „Grüezi mitenand“ und dem Aus­weichen nicht heraus.

Da empfiehlt es sich dann, in genau nördlicher Richtung über den Bogarten­sattel hinweg mit Blick auf Meglisalp und Seealpsee Wasserauen anzusteuern, wo unsere Wanderung begann.

Das schönste Stück der Rundtour bekommt man dann allerdings nicht zu Gesicht. Denn wer bei der Etappe von der Saxerlücke zum Hohen Kasten nicht ins Schwärmen gerät, muß blind sein. Über weite Abschnitte führt der Weg ex­akt auf dem Grat entlang. Ein luftiger, aber nie alpinistische Forderungen stel­lender Balanceakt zwischen dem Rhein­tal zur Rechten und den weiten Böden um den Sämtisersee zur Linken. Frei ist der Blick zurück in das gewaltige Huf­eisen, dessen wildgezackte Plattenfluch­ten sich als eindrucksvolle Kulisse gegen den klaren Himmel abheben. Noch ein­mal verfolgt das Auge den langgestreckten Bogen, dessen oberster Rand für mehrere Tage unser Ziel war. Und mit etwas Phantasie und zusammengekniffe­nen Lidern gelingt es einem sogar, den Sprung um viele Jahrtausende zurück zu schaffen und im Geiste das mächtige Massiv noch einmal aus den Eisströmen auftauchen zu lassen.

Ein schöneres Zimmer für den Erdkun­deunterricht wird man sicher vergeblich suchen.

Die Route im einzelnen:

1. Etappe: Weißbad — Ebenalp Höhenunterschied im Aufstieg ca. 800 Meter, Zeithedarf ca. 2 1/2 Std.

Wer nicht mit der Seilbahn von Wasserauen zur Ebenalp fährt, beginnt mit der Wande­rung in Weißbad. Vom Ortsrand in südwestli­cher Richtung durch Wald steil hinauf und dann

  • wanderkarte appenzell
  • bergfreunde bergsport
  • wanderkarte sellagruppe

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 

More from our blog

See all posts
 
 
No Comments