Rundtour im Säntis – Appenzeller Land

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Fast 2000 Meter ragt das mächtige Kalkriff des Alpsteins aus dem lieblichen Appenzeller Land empor. Auf einem gut ausgebauten Wegnetz läßt sich das gewaltige Hufeisen auf luftigen Graten umrunden. Eine überwältigende Aussicht kann ebenso garantiert Gerden wie ein fesselnder Blick in ein Kapitel Erdgeschichte.

m Grunde spielt es keine Rolle, von welcher Seite man daherkommt. Sei es nun vom südlichen Ufer des Bodensees aus oder eher von Osten her aus dem Rheintal, jeder, der erstmals das Alpsteinmassiv sieht, wird erstaunt inne­halten. Doch nicht irgendeine spektaku­läre Wand oder ein grandioser Wasser­fall ist der Grund, sondern ganz einfach die Tatsache, daß niemand so ein mäch­tiges Kalkriff hier vermutet hätte. Im Vordergrund sanft gewellte Kuppen und freie Wiesen, das Gebimmel grasender Kuhherden, stattliche, schindelgedeckte Häuser und rauschende Bäche, im Hin­tergrund an klaren Tagen fast zum Grei­fen nah der schneeumsäumte Gipfel des Säntis. Runde 1700 Meter Höhenunter­schied liegen zwischen diesen beiden gegensätzlichen Welten. Zwei Welten allerdings, die ebenso untrennbar mit dem typischen Bild des Appenzeller Landes verknüpft sind wie der gleichna­mige Käse. Schuld an dieser kontrastrei­chen Landschaft ist der Gletscher. Flä­chendeckend schob er sich in der letzten Eiszeit durch das kilometerbreite Rhein­tal im Osten und wälzte sich über die Mittelgebirgszüge im Westen, jede Schroffheit mit sich nehmend. Nur das ungestüm gefaltete Kalkriff des Alp­steins hielt dem urzeitlichen Ansturm stand.

Rundtour im Saentis topoDie nach Süden hin geschlossene Form hat zusätzlich dafür gesorgt, daß die zerklüftete Wildheit der Täler im Inne­ren des riesigen Hufeisens vor dem ho­belnden Zugriff des Eisstroms teilweise geschützt wurde. Das Ergebnis ist ein Gebirgsstock, der schon allein dank sei­ner geologischen Besonderheiten Selten­heitswert hat.

Einige Kapitel der Erdgeschichte liegen hier so klar ausgebreitet vor den Augen des Interessierten, daß ein Arbeitskreis den ersten geologischen Wanderweg eingerichtet hat. Aber keine Angst, mit Schulunterricht im Zeichen eines erho­benen Zeigefingers hat das alles nichts zu tun. Im Gegenteil. Die insgesamt 14 Tafeln stehen auf dem letzten Abschnitt unserer mehrtägigen Wanderung, auf der wir dieses eigenwillige Gebirge ent­decken werden. Sie sind quasi als eine Erklärung und Zusammenfassung all dessen zu verstehen, was man zwar mit staunenden Augen wahrgenommen, aber nicht ganz verstanden hat. Drei Seilbahnen erleichtern den Zustieg, bringen einen aber andererseits um das Erlebnis, langsam aus den tieferen Re­gionen emporzusteigen und bei jeder Rückschau den Horizont ein Stückchen wachsen zu sehen.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAUnd wer in acht Minuten die knapp 800 Meter zur Ebenalp emporschwebt, sieht das romantische, in den Fels geduckte Wildkirchli nur im Vorbeihuschen. Aus Zeitersparnis braucht niemand die Me­chanik in Anspruch zu nehmen. Es sei denn, er möchte das ganze Massiv an einem einzigen Tag umrunden. Theore­tisch ist das sicher möglich. Eine gute Kondition vorausgesetzt natürlich. Allzu groß sind die Höhenunterschiede, die es zu bewältigen gibt, wahrlich nicht, wenn man erst einmal den Gratrücken erobert hat. Wem aber der Sinn in erster Linie nach einem Kampf gegen die Uhr steht, für den gibt es weiß Gott bessere Strecken. Denn all die Erschließung und Markierung dürfen nicht darüber hin­wegtäuschen, daß unsere Tour eine hochalpine Unternehmung darstellt.

Das wird einem spätestens dann bewußt, wenn man den ersten Höhepunkt er­reicht hat. Fast direkt auf dem Gipfel des Schäfers thront das stattliche Wirtshaus. So sanft, wie der Weg von der Ebenalp heraufführt, so schroff und wild ist seine Fortsetzung. Vor allem, wenn man den Fehler begeht, bei einer ausgedehnten Rast im Antlitz des Säntis den Durst mit einem Bier zu stillen. Der Abstieg zum weiterführenden Höhenweg ist zwar kurz, dafür aber um so steiler. Die Drahtseilversicherungen sind keines­wegs nur für Überängstliche installiert worden. Bei Nässe verwandelt sich der abgespeckte Fels in heimtückische Rutschbahnen, und auch im Frühjahr, wenn in den schattigen Stellen noch Schneereste liegen, ist jeder über den so­liden Halt froh. Diese etwas heikle und zugleich auch schwierigste Passage im gesamten Wegverlauf kann aber auf ei­nem tiefer verlaufenden Weg umgangen werden. Auf gar keinen Fall darf man vom Weg abgehen und die steilen Gras­hänge betreten. Der kleinste Ausrutscher führt unweigerlich zum Absturz. Raffi­niert schlängelt sich der Weiterweg durch die von der Ferne unpassierbar erscheinenden Felsabstürze, bis er uns am Lötzlisalpsattel in ein breites Schutt­kar entläßt. Schweißtreibend führt dann der Schlußanstieg über ein Firnfeld

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