Fünf Tage Tour in Südtirol – Zillertaler Sonnenseite

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Eine Tour der Höhepunkte, fast immer über der 2000-Meter-Grenze verlaufend, ist die Wanderung vom Pfitschtal ins Ahrntal in den südlichen Zillertaler Alpen. In fünf Etappen führt unser Weg durch das Südtiroler Herzstück dieser Gebirgsgruppe.

Obwohl alles bekanntlich zwei Sei­ten hat, trifft man im Nordalpen­raum nur sehr selten auf Bergsteiger, denen die Südseite der Zillertaler Alpen einen Besuch wert ist. Mit man­gelnder Attraktivität läßt sich dieses Schattendasein allerdings nicht begrün­den. Im Gegenteil, obwohl die Land­schaft auch hier hochalpin ist, lassen sich die meisten Dreitausender des Hauptkamms von der Südseite aus viel leichter besteigen als von der gletscher­gepanzerten Nordseite. Auch die Tatsa­che, daß man auf der Sonnenseite der Zillertaler wandert, wo der Sommer im­mer ein paar Tage früher beginnt und auch später endet, ließe eigentlich einen großen Ansturm erwarten. Aber so ist es nicht, und der einzige Grund dafür kann nur sein, daß die Alpensüdseite für Berg­steiger aus Deutschland und Österreich etwas umständlich zu erreichen ist. Fährt man schon einmal auf die Südseite, so sind meist die Dolomiten das Ziel. Die südlichen Zillertaler bleiben links liegen. Sehr zu Unrecht, denn wer sich ent­schließt, diesem Teil der Alpen etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen, der wird seinen Entschluß sicher nicht be­reuen.

Wir haben uns gleich fünf Tage Zeit ge­nommen für eine Wanderung von We­sten nach Osten durch das Herzstück dieses Gebirges. Unser Ausgangspunkt ist das Pfitschtal im Nordwesten des Hauptkamms. Erst in Luttach im Südti­roler Ahrntal kommen wir wieder herab aus dem Hochgebirge. Unsere Wande­rung verläuft immer weit über der 2000­Meter-Grenze und ist in einigen Ab­schnitten sehr anspruchsvoll. Gleich am Anfang unserer Tour besteigen wir mit dem Hochfeiler den höchsten Gipfel der Zillertaler. Damit haben wir jedoch kei­neswegs den Höhepunkt vorweggenom­men ; dieser Weg besteht eigentlich nur aus Höhepunkten. Da ist der Anstieg über den Gliederferner zur Unteren Weißzintscharte, von der wir einen er­sten Blick nach Südtirol werfen können. Ein genußvoller und unschwieriger Ab­schnitt führt uns über den Neveser Hö­henweg zur Nevesjochhütte. Mit nur geringen Höhenunterschieden bummeln wir gemütlich durch die Hänge zwischen dem Nevesstausee und den Dreitausen­dern. Ein absoluter Höhepunkt ist auch der lange und anstrengende Tag, den wir auf dem Stabeler Weg verbringen. Die­ser wenig begangene Höhenweg führt durch den wildesten und einsamsten Teil der südlichen Zillertaler Alpen. Drei hohe Scharten mit anstrengenden Auf-und Abstiegen müssen wir bewältigen. Beim Abstieg durch das steile Trümmer­feld unter der 2724 Meter hohen Gelenk­scharte kommen wir ins Sinnieren über den seltsamen Namen dieser Scharte. Ob er wohl daher kommt, daß ihre Überschreitung ganz gewaltig in die Ge­lenke fährt? Die Scharte hat es auch sonst in sich. Kaum sind wir ins Mitterbachtal abgestiegen, poltert aus den Fel­sen rechts der Scharte ein gewaltiger Steinschlag unmittelbar am Weg vorbei durch das Kar. Jetzt erst verstehen wir, warum ein Drahtseil von der Scharte aus unmittelbar und auf direktem Weg ins Tal führt. Spannung kommt jedesmal auf, wenn wir von einer Scharte den nächsten Längskamm sehen. Wo wohl unser nächster Übergang durchführen wird? Zwischen den Scharten wandern wir durch einsame, urweltliche Hochka­re, in denen die Gletscher der Eiszeit ihr Werk hinterlassen haben. Unser Tages­ziel, die Schwarzensteinhütte, erreichen wir über einen luftigen, aber gut versi­cherten, kurzen Klettersteig. Die gewal­tige Aussicht von dieser fast 3000 Meter hoch gelegenen Hütte belohnt uns mehr als reichlich für die anstrengende Tages­etappe. Der letzte Tag unserer Durch­querung geht noch einmal kräftig in die Knochen. Fast 2000 Höhenmeter befin­det sich unser Adlernest über den grünen Wiesen des Ahrntals. In nicht enden wollenden Serpentinen schrauben wir uns langsam talwärts. Vorbei an den schäumenden Kaskaden des wilden Rot­bachs erreichen wir endlich die ersten urigen Bauernhöfe von Luttach. Vorbei an den stattlichen Holzhäusern steuern wir auf eines der vielen gemütlichen Wirtshäuser zu. Eine anstrengende und ebenso eindrucksvolle Woche im Gebir­ge gehört wieder einmal zu den Erlebnis­sen, von denen man an grauen Regenta­gen zu Hause noch lange zehren kann.

Die Etappen im einzelnen

1. Etappe: Pfitscher Tal (1700 m) — neue Wiener/Hochfeilerhütte (2700 m) Gehzeit 3 1/2 Stunden

Die neue Wiener oder Hochfeilerhütte wurde in den letzten beiden Jahren ganz in der Nähe der Ruine der zerstörten alten Wiener Hütte wieder

  • Stabelerweg

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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