Burrone Klettersteig – Klettern durch die Klamm

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Der Burrone-Steig ist Geheimtip für Naturromantiker und ein empfehlenswerter Steig für heiße Sommertage.

Wir sitzen auf unseren Betten und beklagen unsere arg stra­pazierten Großstadtfüße. Dabei hatte der Urlaub so verheißungsvoll begonnen. Als Eingehtour war der Klet­tersteig auf den Col Rosà sehr reizvoll gewesen. Doch dann hatten uns drohen­de Gewitterwolken zu einem überhaste­ten Gewaltabstieg gezwungen. Das hat uns viel „Fußfell“ gekostet.

Was können wir nun morgen trotz unse­res Pflasterfußschmuckes unternehmen? Uns ist fast alles recht — wenn nur ja kein Abstieg mehr dabei ist! Schließlich ent­scheiden wir uns für den Burrone-Klet­tersteig südlich von Bozen. Wichtigster Grund für diese Entscheidung ist, daß wir bei diesem Steig statt des Abstieges sanft mit der Seilbahngondel zu Tal schweben können. — Noch vor ein paar Jahren wäre uns diese Möglichkeit aus rein alpinistischer Gesinnung undenk­bar erschienen.

burrone-klettersteigHerrlich scheint die Sonne, als wir unse­ren Wagen am Waldrand neben ausge­dehnten Weinfeldern parken. Geruhsam und ohne Hast folgen wir den Wegmar­kierungen „505 Burrone“ bis zum Ein­stieg.

An den ersten Felsen neben dem Bach führt eine schmale, ausgemauerte Was­serrinne in einen prächtigen Felskessel. Zwei Eisenleitern leiten hier empor, da­neben ergießt sich im Sonnenlicht ein Wasserfall in das Felsbecken. Wir legen unsere Klettersteigausrüstung an und steigen neben dem Wasserfall die Lei­tern hinauf. In vielen Kehren führt ein schmaler, steiler Bergpfad zu der Schlucht hoch über uns. Eindrucksvoll sind die Tiefblicke ins Tal mit dem Flüßchen Noce und dem Ort Mezzolom­bardo.

Während uns die Sonne so manchen Schweißtropfen abverlangt, genießen die kleinen, flink umherhuschenden Eidechsen, von denen es hier jede Men­ge gibt, sichtlich den warmen Fels. Der Eingang in die Klamm ist großartig. Zur Linken tost ein Wasserfall in die Tiefe, zur Rechten zwingt uns überhängender Fels im Kriechgang in die Zauberhöhle des Baches. Drahtseilgesichert steigen wir etwas ab und folgen einer kleinen Leiter in das Bachbett, das nur wenig Wasser führt. Hier ist es angenehm kühl, vor uns und hinter uns rauschen die Wasserfälle.

Die nächste Steilstufe umgehen wir über ein steil aufragendes Leitersystem. Wir genießen die einmalige Aussicht und die imponierenden Tiefblicke. Überhän­gend ragen die hohen Felswände rechts und links empor, Wasser fließt und tropft ringsherum in die Tiefe. Dort, wo die Sonne über uns in den dunklen Schlund eindringt, schauen intensiv grü­ne Sträucher und Gräser auf uns herab, ein erfrischender Kontrast für unsere Augen.

Gespannt folgen wir dem Bachbett weiter bergauf. Wir sind begierig zu erfahren, wie es hinter der nächsten Biegung weitergeht. Weit und breit kein Mensch, keinerlei Spuren menschlicher Existenz. Wir haben das Gefühl, allein in einer Urlandschaft zu wandern. Mit dieser Illusion und fasziniert von der Tier- und Pflanzenwelt, kommen wir nur langsam voran. Doch würden wir es als Absage an das Wunder Natur und fast als Schande empfinden, hier einfach nur hindurchzulaufen.

Auf den glitschigen Steinen komme ich einmal ins Rutschen, kann mich gerade noch halten. Fast wäre ich auf einen Sa­lamander gestürzt. Eine dicke Erdkröte verkriecht sich erschreckt unter einem Felsen. Prachtvolle Blumen leuchten in den vereinzelten Sonnenstrahlen auf. Die wunderschönen Blüten bieten einen herrlichen Kontrast zum düsteren Hin­tergrund der Schlucht — ein Paradies für Fotografen.

Am Ende der schmalen Klamm schließt sich ein kleines Tal an, an dessen Ende ein Staubbachfall mit feenhaften Regen­bogenfarben im Sonnenlicht schwebt. Sanfter Wind bewegt den duftigen Schleier hin und her. Wir machen eine längere Brotzeit und genießen in Ruhe das überwältigende Naturschauspiel. Das letzte Stück des Klettersteiges leitet uns über eine lange Eisenleiter zu einem Wanderweg. Dieser führt durch herrli­chen Mischwald leicht bergauf und bergab zu dem idyllischen, autofreien Monte. Wir befreien unsere mitgenom­menen Füße von den Bergschuhen. In Turnschuhen erreichen wir die Seilbahn­station und genießen das letzte Mal die wunderschöne Aussicht auf das Etschtal und auf Mezzocorona. Wir sind über­glücklich über die selten schöne Burro­ne-Klamm. Diese aus einer Verlegenheit heraus gewählte Tour war dann sogar der Höhepunkt dieses ganzen Bergur­laubes.

Das sollten Sie beachten!
Anfahrt: von Innsbruck über die Bren­ner-Autobahn oder die alte Brenner-Bundesstraße nach Süden bis zur Ab­fahrt Mezzocorona. Parkmöglichkeit im Ort oder beim Parkplatz.

Erforderliche Ausrüstung: Stein­schlagschutzhelm, Bergschuhe, Klet­tersteig-Set, 2 Schraubkarabiner.

Erforderliche Zeit: ca. 3 Stunden; nicht zu spät aufbrechen (Hitze!).

Die Markierungen führen vom Ort Mezzocorona mit „Burrone 505″ an der Seilbahn-Talstation und am Park­platz vorbei direkt zum Klettersteig.

In der Klamm sollte man auf nasse, glitschige Stellen achten!

Führerliteratur: Reinhold Messner: Klettersteige der Ostalpen, Seite 50 (Athesia-Verlag, Bozen, 1978)

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