Wandertour im süden der Schweiz – Tessin

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Wer mildes Klima, südländisch-heitere Lebensart und alle Kon­traste alpiner Landschaften in nur einer Woche kennenlernen möchte, ist mit dem Tessin gut beraten. Ganz gleich, ob Wanderer, Bergsteiger, Ski­tourengeher, Wildwasserfreak oder Sportkletterer — hier findet jeder auf seine Weise, was er sucht. Als Bergwan­derer kann man dabei am besten auch die anderen Facetten des Tessin genießen — die gischtende, glasgrüne Verzasca entlangwandern, die malerisch vom Wasser glattgeschliffenen Granitblöcke bewundern oder das tiefeingeschnittene düster-romantische Bavonatal mit den riesigen Findlingen und versteckten Steinhäusern durchstreifen, ebenso aber durch dichte Wälder mit seltenen Blu­men einsame Almwiesen und sonnige Höhen mit verträumten Seenaugen erreichen — oder von den Gipfeln die vergletscherten Berner Alpen betrach­ten tirol foto

Schon die Täler sind mit gutmarkierten Wanderwegen bestens ausgestattet; doch erfordern die Paßübergänge mit ei­ner Höhe von meist über 2000 Metern nicht nur Trittsicherheit und sehr gute Kondition, sondern an einigen Stellen auch Schwindelfreiheit.

Die Cristallinahuette auf 2568 m, mit 120 SchlafplaetzenWer Ausdauer und Höhenanpassung erst noch verbessern möchte, findet von Locarno aus viele Möglichkeiten, auf bequemen Wanderwegen Kondition zu tanken und dabei immer einen ein­drucksvollen Tiefblick auf den Lago Maggiore zu haben. Da ist mancher auch froh, bei den beträchtlichen Höhenun­terschieden (bis zu mehr als 1800 Höhen­metern) auf die Unterstützung einer Ka­binenseilbahn oder eines Sesselliftes zurückgreifen zu können. Der Lago Mag­giore mit seiner Höhenlage von rund 200 Metern wird überragt von Cimetta (1671 m, Sessellift), Cima della Trosa (1869 m) und Madone (2039 m), die über der Waldgrenze liegen und einen freien Rundblick hinunter zum blauen See und in die Täler der Verzasca und der Mag­gia bieten. Für Konditionsstarke ist auch ein Abstieg ins Verzascatal zum Vogor­no-Stausee oder ins Valle Maggia nach Villa möglich. Almen bieten unterwegs ein Glas Milch, köstlichen Tessiner Käse oder würzige Tessiner Wurst als Imbiß. Nach vollbrachter Leistung schmeckt dann am Abend der vollmundige, rote ,,Merlot“ um so besser. Wer nicht gleich so hoch hinaus möchte, findet auch im Wald- und Almbereich genug lohnende Ziele. Gaststätten zwischen 195 und 1671 Metern Höhe sorgen dafür, daß man keinen schweren Rucksack mit­schleppen muß. Wohl aber ist es ratsam, im Frühling sicherheitshalber einen Re­genschutz dabeizuhaben. Denn wenn auch das Tessin mit jährlich mehr als 2000 Sonnenstunden ein weit über­durchschnittliches Strahlungsklima auf­weist, so kann es doch von März bis Juni manchmal zu heftigen Regenschauern kommen, die in den Gipfelregionen zu merkbarer Abkühlung führen. Wer als Tagesausflug im Verzascatal wandern möchte, findet am Grund des rund 35 Kilometer langen Tales gut angelegte Wanderwege mit genauen Wegweisern und genügend Raststätten. Unterwegs sieht man geschichtsträchtige Sehens­würdigkeiten wie z. B. die Kirchen von Frasco und Sognogno, die römische stei­nerne Bogenbrücke in Lavertezzo oder kleine Kapellen, interessante Wandertour im sueden der Schweiz - Tessin - topoSteintrep­pen an den Häusern am Straßenrand und Läden mit Woll- und Strickwaren. Vom 900 Meter hoch gelegenen Dorf Sognogno am Talschluß kann man ent­weder nach einer Übernachtung den Paßübergang über die fast 2200 Meter hohe Redortascharte versuchen oder — wer den hochalpinen Tagesmarsch ver­meiden möchte — mit dem Postautobus zurück nach Locarno und am nächsten Tag mit dem Bus das Valle Maggia aufwärts fahren, bis man das Dörfchen Sornico Prato erreicht. Hierher kommt man auch zu Fuß, wenn man die hochal­pine Überschreitung von Sognogno aus durchführt. Die glänzendgrünen Blätter der mächtigen Edelkastanien sind eine Erfrischung für die Augen nach der kahlen Hochgebirgslandschaft zwischen den Gipfeln des über 2700 Meter hohen Monte Zucchero und der mehr als 2800 Meter messenden Corona di Redorta. Die engen, verwinkelten Gäßchen und malerischen Winkel von Sornico Prato dagegen erinnern an eine Operette und wirken auf den Wanderer bezaubernd. Das Val Lavizzara aufwärts kann man zu Fuß etwa zwei Kilometer bis Peccia oder ca. fünf Kilometer über Wege auf der östlichen Talflanke bis zu dem klei­nen Ort Mogno bewältigen. Mehrere Varianten stehen jetzt zur Wahl:

Man kann bei Mogno das Maggia-Flüß­chen überqueren und dem Sentiero dei Vanisc folgen, der über einen 2311 Me­ter hohen Paß steil, aber aussichtsreich ins benachbarte Valle di Peccia führt — die alpinste Variante. Oder man mar­schiert oder fährt mit dem Postbus das Val Lavizzara weiter hinein, vorbei an dem malerisch am Gegenhang gelegenen Ort Fusio, dem Stausee Lago del Sambu­co und das liebliche Val Sambuco auf­wärts, soweit die Jahreszeit und die Schneelage das zulassen. Das ist die bequemste Variante. Im Hochsommer kann man so bis zum Lago del Naret in 2300 Meter Höhe kommen. Doch im Frühjahr ist sicher die Straße schon vorher durch Schnee blockiert, und man kann die herrlichen Hochtäler mit den schönen Zirbenbeständen weiterwan­dern, bis man die Baumgrenze unter sich zurückläßt und an mehreren Bergseen vorbei die Cristallinahütte erreicht. Hierher kommt man aber auch, wenn man schon ca. zwei Kilometer hinter Sornico Prato Robiei, Val Bavona, Capanna Basodino 1860 m.s.l.m.in Peccia das Haupttal nach links verläßt und über das Valle di Peccia und die Sasso-Nero-Hütte den Lago di Naret ansteuert. Eine Bestei­gung des Cristallinagipfels eröffnet bei Schönwetter herrliche Tiefblicke ins Ti­cinotal und eine Rundsicht bis zu den Viertausendern der Berner Alpen. Der Abstieg zur Cristallinahütte erfordert wegen der steilen Firnfelder Vorsicht, gute Profilsohlen und einen Eispickel. Je nach Verhältnissen kann auch ein Seil recht nützlich sein hanfsamen kaufen tirol.

Prachtvoll ist auch die Höhenwande­rung am nächsten Tag, wo man über den Cristallinapaß und vorbei am meist zu­gefrorenen, fast 2400 Meter hoch gelege­nen Sfundausee das Quartier am Robiei­Stausee erreicht. Wem diese Etappe zu wenig abfordert, der kann ja unterwegs noch den aussichtsreichen Gipfel des 2962 Meter hohen Marchhorn bezwin­gen. Für diejenigen, die am nächsten Tag den 3272 Meter hohen Basodino be­steigen wollen, bedeutet das etwa 1300 Höhenmeter Auf- und Abstieg, mit Seil und Pickel für den Gletscher. Doch auch kleinere Ausflüge zum Lago di Zött, Lago blanco oder Lago nero sind emp­fehlenswert.

Knapp unterhalb des Rundhauses am Robiei-See liegt übrigens das sehr idylli­sche Rifugio Basodino des Schweizer Alpenklubs. Der freundliche Hüttenwirt und die urig-gemütliche Hüttenatmo­sphäre lassen ganz vergessen, daß nur wenige hundert Meter oberhalb die Be­tonmauer des Basodino-Stausees steht. Hier kann man grottosnoch einen zünftigen Hüttenabend verbringen, bevor man wieder aus der Region von Fels und Firn hinunterwandert in die üppig wuchern­de Vegetation des Tales. Vorbei an dü­steren Felswänden und mächtigen alten Lawinenkegeln, einigen halb zerstörten Steinhäusern und über eine windschiefe Holzbrücke steigt man durch dichten Wald und kann hier seltene Blumen wie Akelei und Türkenbund, wilde Lilien und Frauenschuh sehen. Auf jeden Fall aber begleitet den Wanderer das tosende Rauschen der Wasserfälle bis zum Ort San Carlo am Talschluß, von wo einen der Postautobus wieder talauswärts nach Locarno zurückbringt. Vielleicht aber findet man es stimmungs­voller, in einem der hingeduckten Stein­gasthäuser noch die Woche abzuschlie­ßen. — Wenn man ohne Auto unterwegs ist, darf es vielleicht zum Käsefondue auch ohne Gewissensbisse ein funkeln­der Tessiner Rotwein sein. Das läßt den Abschied von diesem kargen, von düste­ren Granitwänden eingeengten Tal­schluß dann nicht ganz leicht fallen, ob­wohl er einen so schroffen Gegensatz zur Lieblichkeit des palmengesäumten Lago Maggiore darstellt. fliesen innsbruck

Denn erst wer zur offenen, fröhlichen Aufgeschlossenheit der Talbewohner die herbe, zurückhaltende Art der Bergbe­wohner kennengelernt hat, der weiß wirklich Bescheid über die vielfältigen Reize und Besonderheiten des Tessin.

  • Zwinglipass
  • Sognogno
  • römische bogenbrücke

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 

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