Gletschertouren (Teil III) – SO HELFEN SIE SICH IN JEDEM FALL

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Nicht immer läuft ein Spaltensturz so »lehr­buchmäßig« ab, wie im letzten Heft dargestellt. So kann es zum Beispiel vorkommen, daß der Gestürzte weit unten hängt, so daß die Seil­reserve für die »Lose Rolle« nicht ausreicht. Ein anderes Mal hat sich das Seil sehr tief in den Spaltenrand einge­schnitten; den Gestürz­ten können wir dann nicht bergen, ohne den überhängenden Schnee abzuschlagen. Entschei­dend ist, daß wir uns in jeder Situation zu hel­fen wissen.

1. Wie können wir einen Spaltensturz noch bes­ser halten?

Besonders während der Ab­fahrt ist es oft schwierig, einen Spaltensturz zu halten. Hin und wieder kommt es vor, daß eine ganze Seilschaft in der Spalte landet. Wir wissen, daß Seilreibung am Spaltenrand die Fallenergie verringert. Diese Reibung kann man noch ver­stärken, indem man zwischen den einzelnen Seilschaftsmit­gliedern je drei bis vier Sack­stichknoten in das Seil knüpft. Verschiedene Versuche des DAV-Sicherheitskreises zeig­ten, daß die Knoten bei Firn­schnee sogar von allein die Last des Gestürzten halten. Aller­dings können die Sackstiche bei den Bergeverfahren stören.

Gletschertouren2. Was können wir alles für die Verankerung verwenden?

Der T-Anker aus einem Paar Skier hält bei Schneearten, die beim Festtreten gut binden, am besten. Aber was tun, wenn die Skier sich vom Stiefel gelöst haben und nicht greifbar sind? In einem solchen Fall läßt sich der T-Anker auch mit Skistöcken (am besten mit zwei Paar) oder mit einem Eispickel herstellen. In Notfäl­len, wenn gar nichts anderes zur Verfügung steht, tut’s auch ein zusammengedrehter Pul­lover, ein Rucksack,  eine Wollmütze  oder ein Woll­handschuh.  Ein als T-Anker vergrabener Pullover kann bei gut bindendem Schnee immer­hin noch eine Zugfestigkeit von etwa 300 kp erreichen.

In sehr hartem Schnee gibt der leicht gegen die Zugrich­tung geneigte, eingerammte  Eispickel  eine sichere Veranke­rung. Aber Achtung: Der Pickel muß eingeschlagen werden! Läßt er sich noch mit dem Körpergewicht eindrücken, dann hält eine solche Veranke­rung nicht.

Bei nicht allzu hartem Schnee kann man zwei oder drei Paar Skier leicht schräg gegen die Zugrichtung einrammen und ein weiteres Paar Skier oder zwei Paar Stöcke als T-Anker dahinter legen.

Bei weichem, nicht bindefähi­gen Schneearten kann ein mit mehreren (mindestens drei) Paar Skiern sehr großflächig angelegter Anker noch aus­reichend fest sein. Wichtig ist, daß die Skier so weit wie möglich eingerammt werden. Bei nur geringer Schneedecke auf Blankeis hilft nur eine gut gesetzte Eisschraube von min­destens 21 cm Länge. Wichtig ist dabei, daß zuerst der Schnee entfernt und eventuell morsches Oberflächeneis vorher weggepickelt wird.

3. Wie können wir uns helfen, wenn die Seil­reserve nicht ausreicht? Die Bergemethode mit der »Losen Rolle« geht davon aus, daß die Seilreserve, doppelt genommen, zum Gestürzten hinuntergelassen wird. Hängt der in der Spalte Befindliche aber so tief, daß er mit dem Doppelseil nicht erreicht wer­den kann, müssen wir den Ein­fachen Flaschenzug  herstellen (siehe Abbildung).

4. Wie kann der Gestürzte mithelfen? Ein überraschender Spalten­sturz bringt für den Betroffe­nen häufig nicht zu unter­schätzende psychische und physische Belastungen. Nach dem ersten Schrecken spürt er, daß Schnee in die Kleidung eingedrungen und alles um ihn herum unfreundlich, naß, kalt und dunkel ist. Aber der Gestürzte muß etwas tun, muß Brust- und Sitzgurt entlasten,  also versuchen, so schnell wie möglich in seine Prusikschlinge zu kommen, Das wird mit angeschnallten Skiern nicht so einfach klappen, also — wenn möglich — ‚raus aus der Bin­dung und zugleich schauen, daß die Brett’l nicht in der Tiefe der Spalte verschwinden. Alles seichter gesagt als getan, zumal vielleicht oben gerade die Verankerung belastet wird und dadurch der Unglückliche nochmals eine — wenn auch kurze — Talfahrt antritt. Aber keine Panik! Wenn man weiß, was einen erwartet, kann man sch darauf einstellen.

Rufen  hat erst einen Sinn, Wenn einer der Helfer am Spaltenrand zu sehen ist. Hat der Gestürzte nun seine Uten­silien abgesichert, kann er, soweit dazu in der Lage, mit seinen Prusikschlingen am Seil aufsteigen oder sich zumindest auf die Bergung vorbereiten. Sobald es Schwierigkeiten beim Übersteigen des Spalten­randes gibt, soll der Gestürzte versuchen, sich durch Abstem­men von der Spaltenwand leichter herauszuarbeiten; sonst müssen die Helfer den überhängenden Schnee von oben her abschlagen.

5. Wie kann sich die Zweierseilschaft helfen?

Schon für einen routinierten Alpinisten wird es schwer sein, den Gestürzten allein zu halten, allein die Verankerung vorzu­bereiten, und ohne Hilfe den Gefährten zu fixieren. Wer trotzdem in Zweierseilschaft Gletscher betritt, sollte wenig­stens ein paar grundlegende Vorbereitungen treffen:

  • Beide Seilpartner legen ihre Prusikschlingen bereits beim Losgehen um den Schuh.
  • Für die Abfahrt wird der Seilabstand um einige Meter verlängert.
  • Mehrere Sackstichknoten im Seil erleichtern das Halten eines Spaltensturzes.

Meist funktionieren bei einer Zweierseilschaft nur zwei Ber­gemethoden:

  • Der Gestürzte steigt am fixierten Seil, mit Prusiktechnik auf.
  • Das Steigbügelverfahren (siehe Abbildung).

Last but not least: Die klarste theoretische Darstellung hilft im Ernstfall nichts. Jeder Ski­bergsteiger sollte eine Spalten­bergung mehrmals üben.

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