Tiefschneehänge von Chamonix

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Helicopter skiing in Canada — das Tiefschneenonplusultra für jeden Ski­fahrer, 15 Flugstunden von der Alten Welt entfernt, wird immer wieder in den Wunschtraumbereich verbannt. Doch auch die Hänge heimischer Regionen können das totale Skivergnügen bieten. Unser Mitarbeiter Jean Afanassieff schwört auf die Tiefschneehänge von Chamonix, die ab Januar zu Traumab­fahrten einladen.

Das Tal von Chamonix hat alles, was sich Skifreaks nur wünschen können:  wilde Tiefschneefahrten, einsame Gletschertouren oder grandiose Steilschluchten. Ein wahres Skidorado. Durchaus vergleichbar mit den  canadischen Rockies.

Chamonix powderChamonix 1978—der Winter hat im Tal von Chamonix Einzug gehalten. Ich hatte diesen Winter keine festen Pläne, allein fitmachen wollte ich mich, denn für den folgenden Sommer war ich zur französi­schen Mount-Everest-Expedition eingela­den worden. Und dann bot sich die unerwartete Gelegenheit, einmal nachzu­prüfen, ob der Schnee andernorts die gleiche Farbe hat wie hier in Chamonix. Anstelle eines Freundes konnte ich mit einer Gruppe von Tiefschnee-Fans in die canadischen Rockies fahren. Mir blieb keine Zeit zum Überlegen — ich sagte zu.

Zehn Tage später, kurz vor Weihnachten, flog ich nach Calgary. Dort wartete auf uns der canadische Winter mit seinem welt­weiten Renommeé für tiefen Pulverschnee und seinen phantastischen Wellenbergen, die mit dem Helicopter problemlos zu erreichen sind. Solange das Tageslicht ausreicht, bringen sie die Tiefschnee-hungrigen hinauf zu den Gipfeln.

An manchen Tagen erlaubte uns der unvorstellbar tiefe Pulverschnee und herr­lichstes Wetter bis zu elf Abfahrten — elfmal hinauffliegen, elfmal wieder hinunterfahren — ein wirklich grenzenloses Skivergnügen. Elf Wochen lang waren wir in verschiede­nen Gebieten unterwegs, und allmählich wurde das Neue, Unbekannte zur Ge­wohnheit. Ich sehnte mich zurück nach Chamonix, wo mich die heimatlichen Berge mit vielen Skitourenmöglichkeiten erwarteten. In den ersten Chamonix powder 02Märztagen war ich dann wieder zuhause und fand 50 Zentimeter Neuschnee vor. Er war in der vergangenen Nacht gefallen. Zu meinem volkommenen Glück fehlte nun nur noch schönes Wetter, Kälte und Windstille — dies wäre ein königliches Geschenk.

Aber wo sollte ich beginnen? Unser Tal, das bei Les Houches beginnt und bei Tours ausläuft, bietet dem Skialpinisten all das, wovon er träumt, sechs große Seilbahnen, die teilweise wilde Abfahrten eröffnen, über Gletscher, durch Schluchten und schließ­lich durch steile Wälder hinab in den Talgrund. Ein wahres Skidorado mit Abfahrten bis 25 Kilometern Länge, schön und grandios, abwechslungsreich, schwie­rig, einsam, durchaus zu vergleichen mit den canadischen Rockies. Doch Vorsicht, ich spreche hier von Skiabfahrten abseits präparierter Pisten! Ein verantwortungs­bewußter Skifahrer, der vielleicht gar allein unterwegs ist, geht all die Risiken ein, die das Hochgebirge bereithält. Und er muß mit den Gefahren, die dort lauern, vertraut sein, mit Lawinen, Kälte, Wind, Spalten — und mit dem Tiefschnee.

Tiefschneeabfahrten um Chamonix

Chamonix powder 03Seilbahn »Grands Montets«

Hier bietet sich das größte und vielseitigste Gebiet für Tiefschneeabfahrten im Tal von Chamonix.

— Von der Mittelstation «Lognan« hinab nach Argentière, Abfahrt durch den Wald. Von der Bergstation «Aiguille des Grands Montets«:

— Abfahrt über den Argentièregletscher und den Glacier des Rognon mit verschie­denen Varianten.

— Abfahrt durch den Pas de Chèvre auf dem Mer de Glace, mit verschiedenen Varianten.

— Von der Bergstation zum Pendant und weiter hinab zum Dorf Lavancher.

Seilbahn zur Aiguille du Midi

Le Brevent ChamonixAn der Gipfelstation beginnt die klassische Abfahrt durch das Vallée Blanche, die keine allzugroßen Schwierigkeiten auf­weist, mit Ausnahme des Gipfelgrates der Aiguille du Midi, der zu Saisonbeginn manchmal nicht mit fixen Seilen versehen ist.

Trotzdem ist diese Abfahrt nicht gefahrlos, denn sie verläuft ausnahmslos über Gletscher. Es empfiehlt sich deshalb, immer als Seilschaft abzufahren und das für eine Spaltenbergung notwendige Material mitzuführen.

— Über den Glacier Envers du Plan bieten sich verschiedene Varianten zum Glacier du Géant und weiter zum Refuge de Requin an.

— Von der Mittelstation «Plan de l’Aiguille« Abfahrt durch Wald nach Pré du Rocher.

Seilbahn Flégère — L’Index

Von L’Index (Bergstation) benötigt man, mit Fellen aufsteigend, ein bis zwei Stunden, um drei verschiedene Pässe zu erreichen, von denen aus man drei hervorragende Abfahrten genießen kann. Sie führen alle durch das Tal von Bérard hinab zum Dorf Buet: Col de Bérard — Col du Belvédaire — Col di Beugeant.

Seilbahn zum Brévent

Abfahrt von L’Aiguilette des Houches zum Coupeau.

Seilbahn zum Col de Balme

Abfahrt Suisse hinab nach Jeurs.

Achtung! Wer im Montblanc-Gebiet ab­seits von präparierten Pisten Tiefschnee­abfahrten unternehmen will, ohne mit dem Gelände vertraut zu sein, darf dies niemals allein tun. Unter Umständen sollte man sogar einen Bergführer verpflichten. Tief­schneeabfahrten sind stark von den Schneeverhältnissen abhängig, dies ist vor allem bei Gletscherabfahrten von großer Bedeutung. Günstig ist es immer, sich über die jeweils herrschenden Bedingungen beim «Bureau des Guides« in Chamonix zu erkundigen.

  • kuchenspitze nordwand

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 

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