Skihochtouren aufs Aletschhorn

No Comments
 
 

Das Aletschhorn, mit seinen 4195 Metern der zweithöchste Gipfel der Berner Alpen, ist durch seine Lage ein besonderer Berg. Obwohl er seine Nachbarn alle urn mehrere hundert Meter überragt, ist er doch ein verborgener Berg. Erst aus größerer Entfernung gesehen wächst er zu seiner dominierenden Größe heran. Nur von Norden her, etwa mit Standort am Jungfraujoch, zeigt er auch aus der Nähe, was er ist: Seine eisige Nordflanke überragt den Konkordiaplatz in einem Schwung um 1200 Meter. Wie eine abgeschiedene und schwer zugängliche Insel ist er in gewaltige Eisströme eingebettet, die seinen Namen tragen: im Norden der große Aletschfirn, im Osten der Mittelaletschgletscher, im

alletschhorn 01Westen der Oberaletschgletscher, und das Ganze noch einmal umströmt vom größten (87 qkm) und längsten (24 km) Gletscher der Alpen, dem Großen Aletschgletscher.

Ein besonderer Berg ist das Aletschhorn aber auch noch aus einem ande­ren Grund. Obwohl alle Anstiege auf ihn sehr lang sind und keiner als ausge­sprochen leicht gelten kann, ist er doch ein für Skibergsteiger und Hochtouren­fahrer besonders interessanter Gipfel, da er nicht weniger als fünf für den hochalpinen Skifahrer praktikable An­stiege bietet. Nicht als ob man einfach mit angeschnallten Skiern zum Gipfel hinauf wandern könnte. Bei drei Anstie­gen bleiben die Ski jeweils auf etwa 3700 Meter zurück (nämlich bei Südost­grat, Westnordwestgrat, Südwestwand-rippe), bei einem Anstieg sogar schon bei 3000 Meter (Haslerrippe), bei dem Anstieg über Mittelaletsch, der durch das neue Mittelaletschbiwak entschei­dend erleichtert ist, gelangt man per Ski (mit ein bis zwei Unterbrechungen) je­doch bis auf etwa 4100 Meter Höhe. Dieser zuletzt genannte Anstieg ist be­sonders interessant. Deshalb wird er hier am ausführlichsten beschrieben.

Die Anstiege von der Oberaletsch­hütte

Die neu erbaute Oberaletschhütte (2640 m — die alte Hütte ist vor einigen Jah­ren abgebrannt) liegt auf einer Terrasse etwa 150 Meter über dem Zusammen­fluß des Beich- und Oberaletschglet­schers. Mit dem Neubau, der sehr ge­lungen ist und von der ganzen Anlage her eine angenehme und praktische Un­terkunft bietet — vor allem, wenn die Bewirtschafter auch gegenüber Deut­schen noch ein wenig freundlicher wer­den —, wurde zugleich auch der bisher manchmal problematische Anstieg auf den Hüttenfelsen sehr gut hergerichtet. Er führt jetzt von Norden her über eine gesicherte Anlage zur Hütte. Die Hütte ist auch im Winter bzw. Frühjahr in ihren wesentlichen Teilen offen.

OberaletschhuettenDer Zugang im Winter muß vom Großen Aletschgletscher her (d. h. Riederalp oder Jungfraujoch) erfolgen. Man steigt entweder über die Tällihütte und das Tälli oder noch weiter unten über Ob­flühgand zum Oberaletschgletscher hin­auf und erreicht über diesen die Hütte (von Riederalp 5 Std., vom Konkordia­platz 5 bis 7 Std.). Im späten Frühjahr, wenn die Schneegrenze bei etwa 2000 Meter liegt, wird auch der Sommerzu­gang von Belalp aus benutzbar (4 Std.). Dieser Weg ist im Winter überaus lawi­nengefährdet, und bis in das späte Früh­jahr hinein müssen steile Schneefelder und Couloirs gequert werden. (Sich in Blatten oder Betalp über die Begehbar­keit erkundigen!) Von der Oberaletsch­hütte ist das Aletschhorn für den Touren­fahrer auf drei Anstiegen erreichbar:

Über die Südwestwandrippe

Dieser Anstieg gilt im Sommer als Nor­malanstieg von der Oberaletschhütte aus. Er wird auch mit Ski relativ oft be­gangen. Dabei folgt man im mittleren Teil nicht der Sommerroute, sondern bleibt, weit rechts ausholend, auf dem Gletscher, der am Geißhorn vorbei zur Mittelaletschlücke hinaufführt. Die Mit­telaletschlücke bleibt rechts liegen. Ski­depot auf etwa 3700 Meter am Einstieg zum Südwestgrat. Über diesen Grat (ge­mischtes Gelände) zum Gipfel (7 bis 8 Std.).

Über den Südostgrat

alletschhorn 00Dieser Grat beginnt eigentlich an der Mittelaletschlücke (3705 m), er wird je­doch erst von der Scharte nördlich des großen Gratturmes P. 3947 m aus be­gangen. Diese Scharte (3915 m) wird über ein steiles (45°) Schneecouloir er­reicht. Der Aufstieg über den Schnee-und Felsgrat zum Gipfel ist etwas schwieriger als der über den Südwest­grat. Skidepot auf etwa 3700 Meter (7 bis 8 Std.).

Es ist auch eine schöne Kombination, die relativ häufig gewählt wird, möglich, mit Aufstieg über den Südostgrat und Abstieg über den Südwestgrat. Ski­depot in diesem Fall in der Nähe von P. 3736 m am Südwestgrat.

Über den Westnordwestgrat

Diese empfehlenswerte, aber im oberen Teil nicht ganz leichte Route weicht von den beiden oben beschriebenen Anstie­gen schon vom Anfang an ab. Man bleibt auf dem Oberaletschgletscher, bis man auf etwa 2800 Meter Höhe hinter dem unteren Teil der Südwestwandrippe nach rechts den steilen Gletscher ge­winnen kann, der den Aufstieg zum Sat­tel zwischen Kleinem und Großem Aletschhorn erlaubt. Skidepot auf diesem Sattel (etwa 3700 m). Von hier in drei Stunden zum Gipfel (insgesamt 8 Std.).

Der Anstieg über die Haslerrippe

Dieser Anstieg wird zwar im Frühjahr von Skibergsteigern relativ häufig be­gangen, aber die Ski können nur bis zum Einstieg auf etwa 3000 Meter Höhe mitgenommen werden. Bei den Durch­querungen der Berner Alpen liegt die Haslerrippe, die zwischen Aletschhorn und Dreieckhorn nach Norden zum Kon­kordiaplatz herabführt, Dreieckhorn und Aletschhorn, 4195msozusagen direkt am Wege, weshalb sich viele Skifahrer auf sie einlassen. Sie ist nicht ausge­sprochen schwierig, aber sie wird sel­ten in erfreulichem Zustand angetroffen. Ihre durchschnittliche Neigung liegt bei 44, ihre Höhe beträgt rund 700 Meter.

Der Einstieg wird von der Hollandia­hütte mit Ski in einer halben Stunde, von der Konkordiahütte in eineinhalb Stunden erreicht. Vom Einstieg bis zum Gipfel etwa sechs bis sieben Stunden. Der Vorgipfel (4086 m) wird meistens besser auf der Südseite umgangen.

Der Weg über Mittelaletsch

Diese Route wurde bisher sehr selten begangen, da sie von keinem der in Frage kommenden Stützpunkte aus in einem Tag zu machen war. Sie ist aber vom Gelände her für den Skitouristen wie geschaffen. Man kann die Ski bis kurz unter den Gipfel benützen, ohne sich auf akrobatische Steilwandkunst­stücke einlassen zu müssen. Seit der Er­bauung einer hübschen Biwakschachtel auf 3013 Meter Höhe in den Felsen auf der Westseite des kleinen Dreieckhorns ist die Mittelaletschroute geradezu zu einer Idealtour geworden. Sie kann von der Schönheit der Landschaft, der Groß­artigkeit der Gesamttour und dem für eine grandiose Skitour ideal geeigne­ten Gelände her nur empfohlen werden. Sie hat den nötigen Pfeffer, ohne des­wegen zum skifahrerischen Krampf zu werden, und sie ist von seltener Ele­ganz, vor allem, wenn man an die jedes Normalmaß sprengenden, hübschen Zu­gänge allein schon zum Mittelaletsch­biwak denkt.

aletschhorn tourenkarteDiese Zugänge haben es in sich. Sie sind von besonderer Art, weil sie durch die denkbar schönste hochalpine Land­schaft führen, erstreckungsmäßig sehr weit sind und dennoch mit bemerkenswerten Abfahrten beginnen, die, wenn man es richtig anstellt, den Aufstieg zum Biwak zum kurzweiligen Vergnügen werden lassen. Die Biwakschachtel selbst wurde übrigens mit mehr gutem Willen als von Erfahrung getragenem Sachverstand gebaut und eingerichtet. Schon nach einem Jahr liegt der Fußbo­den in Einzelstücken herum und die Ein­richtung ist nicht sehr praktisch. Aber sie bietet — ohne Kochgelegenheit, aber mit warmen Decken — 14 Schlafplätze. Sie ist leicht zu finden.

Vom Jungfraujoch zum Mittelaletschbiwak

Der „Aufstieg” beginnt in diesem Fall mit einer Abfahrt über 1400 Höhen­meter: Vom Jungfraujoch (3573 m) zum Konkordiaplatz und von da weiter, den langen Aletschgletscher hinab bis zum südlichen Ende des Olmenhorns, wo der Mittelaletschgletscher in den Großen Aletschgletscher einmündet (2197 m). Hier beginnt der Aufstieg (es hat keinen Sinn, bereits in den Hängen des Olmenhorns zum Mittelaletschgletscher hinüberqueren zu wollen!), der über den zunächst flachen, später steil und spal­tenreich werdenden Mittelaletschglet­scher in zweieinhalb Stunden zum Biwak hinaufführt, das rechts auf einer Fels­kanzel liegt (vom Jungfraujoch 6 bis 8 Std.).

Klein Aletschhorn 3755mVom Rhonetal zum Mittelaletschbiwak

Es gibt hier verschiedene Möglichkei­ten, entsprechend den verschiedenen Seilbahnen, die vom Rhonetal auf die Sonnenterrasse Riederalp, Bettmeralp, Kühboden hinaufführen. Am empfeh­lenswertesten, rassigsten und elegante­sten ist meines Erachtens folgende Route: Auffahrt mit der Kabinenbahn von Fiesch (1050 m) über Kühboden zum Eggishorn (2926 m). Von hier, bei guten Verhältnissen mit Ski (steil), sonst ein kleines Stück zu Fuß, zum Sattel P. 2610 m östlich des Eggishorns, nun prachtvolle Abfahrt in nordöstlicher Richtung zu den Hütten von Märjelen (2337 m), dann links zum Märjelensee hinab und hinaus zum Großen Aletsch­gletscher, den man auf 2300 Meter Höhe erreicht. Im Märjelental bleibt man am besten von Anfang bis Ende im Tal­boden. Vom Gipfel des Eggishorns bis zu P. 2300 m am Großen Aletschglet­scher benötigt man etwa eine Stunde. Der Große Äletschgletscher wird nun zum Mittelaletsch hinüber gequert, und zwar in einem weiten Bogen rechts aus­holend, um das Spaltengebiet in der Mitte des Großen Aletschgletschers nördlich zu umgehen. Man trifft am Ein­gang zum Mittelaletsch auf die oben be­schriebene Route (vom Jungfraujoch). Für die Querung des Großen Aletsch­gletschers muß man zwei Stunden rech­nen (Eggishorn — Mittelaletschbiwak al­so bequem in 5’/2 Std.). Alle anderen Zugänge sind weiter und unbequemer. Aletschhorn 00Man lasse sich vor allem nicht verleiten, vom Kühboden „außenherum” über das (abgebrannte) Hotel Jungfrau nach Märjelen zu gehen! Man läuft sich dabei — mit Ski und Rucksack auf dem Rücken — die Schuhsohlen ab.

Vom Mittelaletschbiwak zum Aletschhorn

Frühzeitiger Aufbruch ist nötig (heißes, nach Südosten exponiertes Gletscher­becken!). Der Versuchung, angesichts der nun bevorstehenden Steilflanken, die in späterer Jahreszeit am frühen Morgen hartgefroren sind, die Ski beim Biwak zurückzulassen, sollte man wider­stehen. Es kommen oben riesige, zum Skifahren bestens geeignete Hänge und Mulden. Am besten jedoch im allgemei­nen, d. h. bei hartgefrorenen Hängen, Aufstieg vom Aletschhorn 03Biwak bis zu der tiefen Einsattelung im Grat Aletschhorn-Drei­eckhorn (200 m westlich von P. 3659 m, früher „Aletschjoch” genannt) gleich vorn Biwak weg mit Steigeisen, die Ski am Rucksack (11/2 Std.). Das nun folgen­de, fast waagrechte, leicht ansteigende Gratstück ist schmal, exponiert und manchmal stark verwächtet. Bei P. 3718 m stößt man auf den Äusstieg der Has­lerrippe. Noch ein Stück weiter, dann können die Ski wieder angeschnallt wer­den. Es lohnt sich, diese von hier Aletschhorn 01bis zu den Felsen des Gipfelgrates in eine Höhe von 4100 Meter zu benützen. Der Vorgipfel (P. 4086) wird mit Vorteil links umgangen (mit sehr steiler Passage am Anfang). Das letzte Stück des Gipfelgra­tes kann bei viel Schnee enorm ausge­setzt sein. Vom Biwak zum Gipfel vier­einhalb Stunden.

Der Rückweg

Zunächst Abfahrt auf dem Anstiegsweg über nahezu 2000 Höhenmeter bis zum Großen Aletschgletscher. Nun am be­sten zuerst vier Kilometer genau südlich über den Großen Aletschgletscher zum Fuß des Bettmerhorns und dann in süd­westlicher Richtung am Gletscherrand entlang in den märchenhaften Aletsch­wald und zur Riederfurka (2064 m). Hier erreicht man zivilisiertes Land mit Bah­nen und Liften. Man kann entweder mit der Seilbahn direkt ins Rhonetal abfah­ren (nach Mörel); oder wer es geschickt anfängt, kommt aber auch durch eine Kombination von Liften zum Kühboden (= Mittelstation der Eggishornbahn) hinüber und von dort mit der Bahn direkt hinab nach Fiesch im Rhonetal zum Auto bzw. zur Eisenbahn, mit der man gegebenenfalls über die berühmte „Südrampe” und durch den Lötschberg nach Interlaken zurückgelangen kann, falls man von Norden her über das Jung­fraujoch die Tour begonnen hat. Falls von Kühboden nach Fiesch noch Schi liegt, kann man auf einer rassigen und steilen Waldpiste nach Fiesch hinabfah­ren, was zu guter Letzt noch einmal Aletschhorn 021200 Höhenmeter Abfahrt ausmachen würde.

Das Wichtigste nut einen Blick

Beste Zeit für die fünf Aletschtouren: April, Mai, Juni.

Ausrüstung: Neben Skiausrüstung (mit Harscheisen), Seil, Steigeisen, Pickel, Biwaksack.

Karte: Schweizer Landeskarte, Blatt Jungfrau (Nr. 264), mit (zum Teil) einge­tragenen Skirouten.

 

  • skiausrüstung früher
  • aletschhorn normalweg
  • aletschhorn haslerrippe
  • rucksack gulmen 19 vaude
  • vaude gulmen rucksack inhalt
  • aletschhorn routen ski
  • gulmen 19 vaude
  • haslerrippe aletschhorn
  • vaude rucksack gulmen 19 l
  • Aletschhorn über Haslerrippe

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 

More from our blog

See all posts
 
 
No Comments