Erstbegehung der Fitz-Roy Westwand

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Sieg oder Niederlage — das Glück entscheidet

Der Fitz Roy ist der höchste der Granitobe­lisken in Patagonien. Trotz vieler Ersteigungs­versuche blieb die Westwand bis zum Winter 1982/83 unbezwungen. Tschechen waren im vergangenen Winter erfolgreich; Michal Orolin berichtet über die erste Besteigung.

Januar 1982: Als die Dämmerung hereinbricht, nimmt der Sturm an Stär­ke zu. Es scheint das Ab­schiedskonzert zu sein, das uns der Fitz Roy gibt. Gegen Morgen hört der Sturm auf, doch der Regen vermischt sich allmählich mit Schnee. Todmüde schlafe ich ein. Eine Stimme weckt mich auf: »Aufwachen! Wir müs­sen absteigen!« Ununterbro­chen fällt Schnee, während wir abseilen. Wir sind uns einig: Das war unser letzter Versuch in der Westwand! Zwar könnten wir drunten im letzten Lager auf eine Wetter­besserung warten. Als wir unseren Lagerplatz erreichen, übertrifft der Anblick unsere ärgsten Vorstellungen: In Fetzen hängen die Zelte von den Gestängen. Zum nächst-tieferen Lager müssen wir nochmals tausend Meter ab­seilen. Spät in der Nacht er­reichen wir es.

Nun waren es fünf Anläufe, die wir in der Fitz-Roy-West­wand unternommen hatten. In unserem Basislager späte­stens wird uns klar, warum das Wort »Niederlage« in Patagonien viel häufiger ge­braucht wird als das Wort »Sieg«.

Aber wir sind glück­lich, dieses Abenteuer unbe­schadet überlebt zu haben. Das grüne Gras, sauberes Wasser, Sonne — das Leben geht weiter, und vielleicht werden wir im nächsten Jahr zurückkommen?

Dies ist die einzige Möglich­keit, unsere Niederlage auszu­radieren. Plötzlich bin ich wieder zufrieden und sage mir ständig: »Ich komme zurück!« Wer einmal in Patagonien war, in dieser wilden, steini­gen Schönheit, wer einmal den rauhen Granit in den Händen hielt, der nimmt alle Widernisse auf sich, um zu­rückzukommen. Als wir in der Westwand kletterten, war Luis Fraga aus Spanien dreimal in der »Supercanaleta«. zusammen mit dem Deut­schen Reinhard Karl. Wäh­rend des dritten Versuches verlor er fast das Leben; später warf er sämtliches Kletterma­terial fort und schwor, nie wiederzukommen. Doch dies waren nur Worte: Als wir neun Monate später wieder unter dem Fitz Roy standen, war auch Luis Fraga da.

Aus dem Tagebuch von Michal Orolin

4. 12. 1982: Die Westwand-Mannschaft — Vladimir Petrik, Michal Orolin, Zdenek Brabec, Robert Galfy und Milan Hoholik erreicht das Basislager «Pietra del Fraile«. Sie transportieren Material unter die Westwand und stellen zwei Zelte auf, die jedoch in der gleichen Nacht vom Sturm wieder zerstört werden: Abstieg zurück ins Basislager.

16. 12. 1982: Petrik, Brabec. Galfy und Hoholik bauen unter der »Supercanaleta« eine Eishöhle.

17. 12. 1982: Der erste Vorstoß in die Westwand wird durch Schlechtwetter vereitelt, Regen und Schnee­fälle zwingen alle Teilnehmer zurück ins Basislager.

20. 12. 1982: Trotz Schlecht­wetter steigen Orolin, Petrik, Galfy und Hoholik in die Wand ein. Sie versichern ei­nige Passagen mit Fixseilen und wechseln zerstörte Seile vom Vorjahresversuch aus. Nach 23 Stunden Rückkehr ins Basislager.

26. 12. 1982: Immer noch extrem schlechtes Wetter. Galfy und Brabec steigen zur Eishöhle auf.

28. 12. 1982: Erster Schön­wettertag: Galfy und Brabec steigen in die Westwand ein, und klettern zwei neue Seil­längen. Orolin und Petrik verlassen das Basislager und tref­fen im Biwak auf Galfy und Brabec.

29. 12. 1982: In der Nacht Wetterverschlechterung. Galfy und Orolin klettern eine weitere neue Seillänge, müssen aber umkehren, weil Galfy Erfrierungen an den Fingern hat. Er und Brabec steigen ins Basislager ah, Orolin und Petrik bleiben in der Eishöhle.

31. 12. 1982: Immer noch Schlechtwetter, Petrik und Orolin steigen ins Basislager ab.

1. 1983: Schlechtwetter, Petrik und Orolin steigen wieder zur Eishöhle auf.

1. 1983: Petrik und Galfy steigen in die Westwand ein, Rückzug in die Eishöhle we­gen Schlechtwetter. Nachmittags Wetterbesserung, Orolin und Brabec schließen in die Eishöhle auf. Erneuter Einstieg in die Wand und Biwak in einem Kamin.

1. 1983: Zweiter Schön­wettertag. Petrik und Galfy klettern hinauf bis zur »Ame­rikanerführe«. Orolin und Brabec übernehmen den Ma­terialtransport. Biwak auf ei­ner Plattform in der »Ameri­kanerführer«.

1. 1983: In der Nacht Wettersturz, trotzdem klettert das Team weiter. Brabec wird durch Steinschlag verletzt, die Bergsteiger seilen durch die ganze Wand zurück, Biwak in der Eishöhle.

1. 1983: Schlechtwetter, die Bergsteiger ziehen

  • +"Fitz roy" +casarotto
  • patagonien klettern

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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