VON DER PISTE IN DEN TIEFSCHNEE

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Daß angehende Tourenskiläufer das Skifahren als solches erst einmal auf der Piste lernen müssen oder erlernt haben, ist kein Geheimnis. Ein solches scheint schon eher die Technik abseits der präparierten Schneeteppiche zu sein — wer den Bemühungen der Tiefschneeaspiranten zusieht, bekommt jedenfalls diesen Eindruck. Worauf es beim Abfahren im unverspurten, unpräparierten Schnee ankommt, erfahren Sie in den folgenden Lernschritten: Damit Sie auf Tour auch bei der Abfahrt Spaß haben.

1. Nur die Technik der  Hochentlastung  führt zum Erfolg.

Ohne Frage kann leicht zu befahrender Tief­schnee auch mit Rücklage und/oder Fersenschub beziehungsweise mit Ski-verdrehen aus seiner Mitte heraus gemeistert werden. Bei Naßschnee oder gar bei Bruchharsch scheitern diese kondi­tionszehrenden Techni­ken jedoch sehr rasch, es sei denn, durch schnelle­res Fahren würden neue Energien freigesetzt. Wenn Sie aber auch in flachem Gelände und bei geringem Tempo sauber Tiefschnee fahren möch­ten, bleibt als einziges die Hochentlastung, wie Sie sie von der Piste her kennen. Nur so verfügen Sie über die notwendi­gen Energien zum Über­winden der beim Fahren abseits der Piste (und später, beim Abfahren im Tourengelände) ver­stärkt auftretenden Drehwiderstände.

2. Das Fahren im Pul­verschnee, etwa 20 bis 30 Zentimeter tief, auf hartem Unter­grund.

Diese Bedingungen sind noch am einfachsten zu meistern. Allerdings werden Sie solche Ver­hältnisse auf Tour nicht allzu oft antreffen. Exakte (gegenüber dem Pisten­fahren verstärkte) Hoch-/ Tiefbewegung voraus­gesetzt, dringen die Ski bei jedem Schwung bis auf den harten Unter­grund durch. Ansonsten behalten Sie die Pisten­technik bei: Vorlage und Knievorlage. Erhöhte Drehwiderstände umge­hen Sie bei kräftiger Hochentlastung, wobei die Ski in der Luft oder fast in der Luft gedreht werden. Die verbleiben­den Drehwiderstände beim Wiedereintauchen in den Tiefschnee über­winden Sie mühelos durch das von der Hoch­entlastung her gewonne­ne Energiepotential.

3. Das Fahren im  schweren Tief­schnee ohne har­ten Untergrund.

Hier fehlt die verläßliche Basis für eine saubere Hochentlastung. Das heißt: Naßschnee oder auch windverblasener Schnee, wie Sie ihn auf Tour gar nicht so selten antreffen, ist sehr schwer zu durch­fahren, die Drehwider­stände haben sich verviel­facht. Damit sich dieSki nicht sofort tief eingraben, ist es notwendig, sie aus der aufrechten »Hochposi­tion« heraus ganz sachte auf die Schneeoberfläche zu setzen — und zwar unter Zurücknehmen des Kör­pergewichts durch Nach­geben der Knie nach vorne. Diese Belastungsver­zögerung in der entschei­denden Mittelphase des Schwungs kann auch durch »Absitzen« nach hinten er­reicht werden. (Dies führt zur häufig demonstrierten Rücklage-Tiefschneehaltung mit Bauchknick. Allerdings muß es aus dieser Position heraus immer wieder zur hochentlastenden Streckung kommen, damit kein kon­ventioneller Kraftschwung, wie unter Punkt I beschrie­ben, daraus wird.)

4. Das Fahren im  Bruchharsch.

Mit Bruchharsch hat jeder Tourengeher seine Erfahrungen gemacht. Und fast alle fürchten ihn, mit Recht, denn er ist die am schwierigsten und ge­fährlichsten zu befahrende Schneeart. Ein Patentrezept gibt es hier nicht. Die eleganteste Möglichkeit: sich so leicht machen, daß die Harschkruste nicht bricht. Das bedeutet: keine Hoch-/Tiefbewegung, kein Kanten, gleichmäßige Ge­wichtsverteilung auf beide Ski. Sollten Sie so schwer sein, daß die Kruste auf jeden Fall bricht, gibt es nur noch dies: Körper hoch­reissen und die Ski von oben, und möglichst senk­recht gegen die Kruste schlagen. Deren Wider­stand muß für die Einleitung einer neuerlichen Hochbe­wegung genügen.

5. Das Fahren im  bodenlosen Tief­schnee eines Steil­hanges.

Wer es erlebt hat, ver­gleicht es mit jenen »natura) highs«, wie sie vielleicht ein Wellenreiter auf den Acht­meterwellen bei Hawaii empfindet. Der Reiz einer »echten« Tiefschneeabfahrt (Schneehöhe 70 cm und mehr) wächst mit der Steil­heit des Hanges. Das ist ein wallendes Fallen in weiche Watte, fast lautlos und haltlos, nur die Skienden streichen noch durch Schnee, Schuhe und Spit­zen ragen vorne heraus. Technische Probleme gibt es nur wenige. Sie müssen nur den Fall bremsen und das Gleichgewicht halten, wozu es aber einer enor­men Körperbeherrschung bedarf. Manche Tiefschnee­freaks jagen sogar bei La­winengefahr ihrem Rausch nach. Als Tourengeher dürfte Ihnen klar sein, daß dies lebensgefährlich ist, und daß Sie über den Schnee und seine Beschaf­fenheit nie genug wissen können.

  • NANUK スノーシュー

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 

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