Die Hohe Route im Vorgebirg – Zwischen Lenggries und Spitzingsee – Skitour

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Zum Auftakt zwei Varianten

Als wir beide, Traudl und ich, im Zugabteil nach Lenggries saßen, erinnerte mich dies an jene Jahre, in denen ich ausschließlich mit der Eisenbahn oder mit dem Fahrrad in die Berge fuhr. Mittlerweile aber war es schon etwas Außergewöhnliches, wenn uns einmal nicht das Auto zum Ziel brachte. Wir genossen es, lümmelten uns auf die Sitze, streckten die Beine wohlig aus — schließlich waren wir fast allein im Waggon.

Am Lenggrieser Bahnhof klaubten wir Rucksäcke und Skier von den Gepäckablagen und sprangen auf den Bahnsteig, in den frischen, kalten, blendendweißen Neuschnee. Die Kälte war schneidend, aber beim schnellen Fußmarsch zur Hohenburg und dem Hirschbach entlang weiter bis zur Winterstube wurde uns warm. Dann klebten wir die Felle auf und stiegen neben dem Bachbett zum Hirschtalsattel empor. Ein etwas umständliches Wald­stück folgte, aber noch unter dem Fockenstein weitete sich der Blick: Kampen, Hirschberg, Wallberg, im Westen Brauneck, Benediktenwand und Zugspitze. Da gab es nur Bekanntes — da waren wir daheim.

Der Tegernsee war Ziel des ersten Tages

Gemütlich skiwandernd zogen wir über das Neuhütteneck zur bewirtschaf­teten Aueralm. Dort ließ es sich gut rasten — wir hatten ja Zeit, unser Tagesziel lag nicht mehr fern. Im warmen Nachmittagslicht schoben wir unsere Skier über das Waxelmooseck und fuhren endlich ab; langsam erst — es ging flach dahin —, später zügiger und dann rasant, denn unsere sanfte Gleit­spur mündete in den buckeligen und vereisten Sonnenbichlhang über Bad Wiessee. In einer heimeligen Gaststube warteten wir auf den Bus, der uns wenig später nach Rottach brachte. Über­raschend schnell fanden wir eine Bleibe — es war nicht Hauptsaison —, und nach einem guten Abendessen schliefen wir dem neuen Tag entgegen.

Der begann mit einer Kleinbusfahrt zur Talstation der Suttenbahn. Geduldig reihten wir uns unter die Wartenden, die etwas erstaunt unsere Rucksäcke musterten. Vom Stümpfling ging es dann erst einmal auf die Piste. Über die alte »Lyrawies’n« fuhren wir zum Spit­zingsee, den wir am späten Vormittag erreichten — gerade recht zur Einkehr.

Nach ausgiebigem Wohlsein bei Speise und Trank schulterten wir unsere Brettl und stiegen dem Fahrweg entlang höher, bis nach der Bergwachthütte der alte Rotwandweg abzweigt. Von hier ging es wieder mit den Fellen bergan. Wir wußten um die Einzelheiten des Weges, erahnten schon im voraus die Fernblicke und blieben doch wieder überrascht stehen: der Schinder zu­nächst, dann Plankenstein und Risser­kogel, und endlich das Hintere Sonn­wendjoch. Schritt für Schritt sahen wir mehr, Rofan, Karwendel, Wetterstein — und schließlich auch das Rotwandhaus, in dem wir übernachten wollten. Der schroffe Felsbau der Ruchenköpfe würde sich erst unmittelbar vor der Hüttentür’ zeigen, wir wußten es, und trotzdem eilten wir schon geraume Zeit vorher gespannt höher. Endlich, endlich der Blick, der vertraute — ja, da waren sie. Nach kurzer Rast stiegen wir noch zum Rotwandgipfel hinauf. Allein hier oben — welch seltenes Geschenk. Wir wußten es ebenso zu schätzen wie den phantasti­schen Pulverschnee am Rotwand-Süd­hang. An diesem Abend blieben wir die einzigen Gäste.

Der nächste Tag. Neuschnee, hef­tiger Wind, trübes Grau. So lange wie möglich zogen wir das Frühstück hinaus, aber was half es? Wir mußten ja weiter, über die Rotwandreib’n und hinunter nach Schliersee — jetzt ließen es die Verhältnisse noch zu. Sicherheitshalber fuhren wir gleich von der Kümpfel-

Hochalpin um die Rotwand

scharte nach Norden ab. Nebel, Schneefall und Sturmböen hielten uns zum Narren. Manchmal glaubten wir, immer noch zu fahren, während wir in Wirklichkeit bereits abgeschwungen hatten und zum Stillstand gekommen waren. Zum Miesebensattel zog ich eine neue Spur, es kam mir so sicherer vor, die Erfahrung von Dutzenden Rotwand­umrundungen ließ mich unbeirrt han­deln. Dann kämpften wir wieder gegen die Böen an. In der Einsattelung hatte der Sturm den Schnee weggefegt, Stein, und Gras lagen frei. Mit klammen Fingern zogen wir die Felle von den Laufflächen der Skier und hatten unsere liebe Not, die Bindungen für die Ab­fahrt herzurichten. Alles war vereist. Endlich fuhren wir zur Kleintiefentalaln hinunter. Es war mehr ein Dahinrut­schen und Suchen nach irgendwelchen Spuren. Da — die Alm, von hier hatten wir nicht mehr weit ins »Loch« unter dem Lempersbergrücken: nur noch eine Viertelstunde zur erneuten Geborgen­heit — im Taubensteinhaus.

Am dritten Tag fuhren wir über einsame Pisten

Jetzt war’s gewonnen. Nur noch wenige Minuten, und wir würden über die Piste zum Spitzingsee hinabschwin­gen. Der Schnee klebte zentimeterdick auf Rucksackdeckeln und Mützen, so konnten wir nicht in die Gaststube. Einigermaßen salonfähig betraten wir sie

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