Die Westwand des Totenkirchl – Wilde Kaiser

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Oft wird die These geäußert, der Wilde Kaiser sei ein großer Klettergarten. Dies trifft zweifelsfrei auf viele der bekannten Kaiserklettereien zu, doch die „Kirchl-West“ fällt nicht darunter. Durch ihre Wandhöhe von etwa 600 Metern, ihre Abgelegenheit und die stellenweise etwas komplizierte Routenführung, die gewisses Maß an Spürsinn fordert, hebt sich die Westwand des Totenkirchl deut­lich von den Kaiser-„spotlights“ in der Steinernen Rinne ab und verdient durch­aus das Prädikat „alpin“.

Bereits 1913 fand Hans Dülfer mit Willi von Redwitz den direkten Weg durch die Westwand; die Piazführe im linken Wandteil von 1908 stellte keine befrie­digende Lösung des Problems dar, denn sie erreicht den Ausstieg bereits auf der Zweiten Terrasse. Seiner Zeit weit vor­aus, hatte sich Dülfer vor der eigentli­chen Durchsteigung der Wand allein durch die unbekannte Wand abgeseilt, um die günstigste Routenführung aus­findig zu machen. Dülfer, der Fels­meister der Zeit vor dem Ersten Welt­krieg, fand seine Linie durch die West­wand. Die Schlüsselstellen des Nasen­quergangs, des Zick-Zack-Wandls und des Schluchtquerganges verlangten allen bisherigen Begehern Bewunderung für Dülfers Mut und Kletterkönnen ab.

Jahrzehntelang galt die „Kirchl-West“ als eines der schwierigsten und gefürch­testen Kaiserunternehmungen, ein Bi­wak war hin und wieder durchaus drin. Heute ist sie ein „classic“ — die Zeit ändert Aspekte und Stellenwerte — Frei­klettern und Rotpunkt sind groß in Mode, alles spricht vom VII. Grad. Mehr als die Hälfte der Klettereien drüben in der Steinernen Rinne sind bereits frei geklettert — die Westwand führte ihr Dornröschendasein, die meisten hatten sie vergessen, einige sagten „die Quer­gänge sind unmöglich“. Mit dem Wort „unmöglich“ sollte man vorsichtig sein, die Kirchl-West ist durchaus frei zu klet­tern — die beiden Schlüsselstellen sind der Nasen- und der Schluchtquergang, keine ominöse VII, eine Stelle VI+, der Rest meist IV und V, einige Stellen VI, mehr sagt das nebenstehende topo.

Es bleibt die mit Abstand großzügigste Freikletterei des Wilden Kaisers, ver­blüffend, vor allem die Tatsache, daß sich die glatte Platte des Nasenquer-gangs so elegant löst.

Die Bilder stammen von einer freien Be­gehung der Totenkirchl-Westwand im September ’79 durch Sepp Gschwendt­ner, Andreas Kubin und Herwig Sedl­meyer.

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