WIR WAREN AUF DEM CERRO TORRE

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Der Cerro Torre könnte einen Bergstei­ger das Fürchten lehren. In den vergan­genen zehn Jahren hat dieser Berg die Träume von vielen zerbrochen. Heute erscheint mir alles unwirklich. Es muß wohl ein Traum sein, daß wir ihn bestie­gen haben.

Jim Bridwell traf ich am 24. Dezember 1978 im Fitz-Roy-National-Park in Argen­tinien. Seine Expedition war in der Auf­lösung begriffen. Die Ausrüstung im Wert von 2000,— US-Dollar lag in einer Schneehöhle am Fuß des Cerro Torre Gegraben. Ich war mit sehr wenig Ausrüstung und 50 Kilogramm an landesüblichen Lebensmitteln und nach einer erfolgreichen Bergsaison in Peru, einem Monat Krankenhaus-Aufenthalt mit Gelb­sucht in Bolivien und einem Flug nach Junta Arena in Patagonien, auf den ich ange gewartet hatte, per Anhalter in den Park gekommen.

Patagonien ist ein abweisendes Land mit unfruchtbaren Pampas, einigen we­nigen Städten und durchdringenden kalten Winden, die das ganze Jahr hin­durch wehen. John Bragg, der 1976 mit einer Expedition am Torre Egger war, beschreibt das Land auf folgende Weise: „Bilder von Patagonia … Meilen über Meilen hügeligerWüste … alles in Grau, die Landschaft monoton und unfrucht­bar. Der Wind schleudert Kieselsteine gegen die Fenster des Hotels. Draußen treibt sich ein Mongrel herum zwischen Felsen und Papierfetzen. Patagonia … ein asado (gebratenes Fleisch) in einer estancia (Bauernhaus). Die Gauchos zerlegen ein gebratenes Lamm, spritzen sich Wein in den Mund aus einem fetti­gen Lederbeutel und wischen sich das Kinn mit dem Handrücken ab.“

Im Regen stieg Jim Bridwell zum Parc Hauptquartier ab. Die Gruppe bestand aus drei Leuten, aber seine Freunde hatten sich abgesondert. Sie waren vor drei Wochen gekommen, um die unbe­zwungene Ostwand zu begehen. Eine Woche lang hatten sie damit zugebracht, Ausrüstung zum Fuß des Berges zu schleppen. Dann tauchten die ersten Probleme auf. Die Bedingungen waren grundverschieden von dem, was sie im Yosemite gewohnt waren. Sechzig Pfund schwere Rucksäcke zum Fuß des Ber­ges zu schleppen, war schwer zu recht­fertigen. Denn die Aussichten auf Erfolg waren gering. Viele Expeditionen hatten zwei und drei Monate hier zugebracht, ohne irgend etwas zu klettern. Jims Be­gleiter entschlossen sich, alles aufzu­geben und nach Hause zu fahren. Das war für Jim eine verzweifelte Situation. Er hatte Monate damit zugebracht, das nötige Geld aufzutreiben, die Ausrü­stung zu kaufen, die Mannschaft zu trainieren. Es war seine zweite Expedition nach Patagonien, und er war nicht be­reit, so schnell aufzugeben.

EINE ZUFALLSBEKANNTSCHAFT

Ich war zwar nach Patagonien in der Hoffnung gekommen, mich an eine Ex­pedition anschließen zu können, hatte aber sicher nicht erwartet, mich für eine Cerro-Torre-Besteigung zu verpflichten. Nach ein paar Sekunden Nachdenkens erklärte ich mich bereit, den Südostgrat auf den Cerro Torre zu versuchen. Das ist die umstrittene Route Cesare Mae­stris. Er hatte einen 300 Pfund schwe­ren Kompressor mit einem Benzinmotor benützt, um Löcher für seine Haken zu bohren. Ein Hubschrauber hatte die ganze Ausrüstung bis zum Gletscher gebracht. Über die Wand wurde alles mit einer Winde hochgezogen. — Zwei andere Cerro-Torre-Besteigungen er­folgten über die leichtere Westwand. Insgesamt war der Cerro Torre vierzehn Mal versucht worden. Unser Versuch würde der fünfzehnte sein.

Am 26. Dezember 1978 machten wir uns auf den Weg zum Basislager im Torre-Tal — ein Marsch von sechs Mei­len (9,6 km), der mit der Überquerung eines gefährlichen Flusses begann. Hier verlor ein Begleiter von Lionel Terray (Poincenot, Anmerkung des Überset- zers) sein Leben, bevor er den Berg zu sehen bekam. Wir sahen den Cerro Torre mehrmals in den nächsten Tagen, bevor dunkle und schwere Wolken in das Tal einfielen und alles verschluckten.

Am Tag unserer Ankunft blies der Sturm so heftig, daß er Zweige von den Bäu­men riß und eines von Jims Zelten, das nicht richtig verankert war, davontrug. Wir verbrachten die Wartetage mit Backen von Brot in einem Steinofen, mit Lesen, Rumtrinken am Feuer, mit dem Zubereiten von Stew. In Patagonien leben die Bergsteiger nach dem Baro­meter. Wenn es in die Höhe geht, tun alle ehrgeizigen Kletterer dasselbe.

DIE AUSRÜSTUNG IST VERSCHWUNDEN

Nach drei Tagen im Basislager stieg das Barometer, und das Wetter klarte auf. Als wir aufstanden, waren unsere Nachbarn im Basislager bereits unter­wegs zum Fitz Roy. Wir aßen schnell etwas und machten uns auf den Weg zum Gletscher mit leichten Rucksäcken und der Absicht, die Schneehöhle zu suchen, die Ausrüstung sicherzustellen und am folgenden Tag mit der Kletterei zu beginnen. Als wir den

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