Cerro Torre – Rückzug und Erfolg am schwierigsten Berg der Welt

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Seit der „Frühgeschichte“ des Cerro Torre in Patagonien 1973, wird dieser ungewöhnlich kühn geformte Granitturm in jeder Saison — Dezember bis Februar — von mehreren Seilschaften oder Expeditionen zu besteigen versucht vor allem versucht. Denn die Granitberge Patagoniens sind ausgesprochene Schlechtwetterberge. fast täglich von Stürmen umtobt. In der letzten Cerro-Torre-Saison 1979 waren der Münchner Hans-Martin Götz und der Heidelberger Reinhard Karl am Werk. Reinhard beschreibt ihre Erlebnisse. Ihren dramatischen Versuch, und legt die mit einigen Fragezeichen behaftete Cerro-Torre-Geschichte nieder. Den Amerikanern Jim Bridwell und Steve Brewer glückte der Cerro Torre im Januar 1979 in einem wahren Husarenstreich in nur eineinhalb Tagen. S. Brewers Artikel zeigt. daß man am Cerro Torre auch Glück haben kann, vor allem Wetterglück

Bergsteigen ist Jet-Set-Sport. Es gibt ein paar Plätze auf der Erde, da trifft man fast alle Bergsteiger: Chamonix, Kathmandu, Skardu, Yosemite, Patago­nien. Einige davon sind billige Climber-Hang-outs, zu anderen schafft es nur die alpine Edel-Jet-Set: die Glücklichen, die neben Zeit auch noch über genü­gend Geld verfügen.

Patagonien ist so ein Zielpunkt der klet­ternden Oberschicht. Bei der Planung unseres Cerro-Torre-Trips wußten wir — Hans-Martin Götz aus München und ich — nur die bekannten Weisheiten aus Bergbüchern und alpinistischen Zeit­schriften: schlechtes Wetter, starke Stürme, schöne Berge. Und der Name Patagonien, der so schön nach Freiheit und Abenteuer klingt, weit weg, ganz unten am Globus. Reisen — auch zu den entferntesten Flecken der Erde — ist heute so deprimierend einfach: Ticket im Reisebüro kaufen und drei Tage später sind wir im Nationalpark „Los Glacia­res“ am Lago Viedma.

Die Autogeländefahrt über die fast men­schenleere Pampa ist vorüber, der Fitz Roy ist zu sehen, irgendwo in den Wol­ken müßte auch der Cerro Torre sein. Alles ist grün, schließlich ist ja auch Hochsommer — Mitte Januar 1980. Das kalte, graue Deutschland liegt weit weg. Optimistische Dialoge: „Das mit dem schlechten Wetter scheint auch nur so ein Gerücht zu sein.“ „Um so besser, dann geben wir hier ein Kurzgastspiel, und dann ab nach Rio zum Fasching und Baden …“ Übermut!

Im einzigen Haus treffen wir auf Pata­gonia-„Bergindianer“: drei Franzosen — Jean Afanassieff, Jean Fabre und Mi­chel Afanassieff aus Chamonix. Sie wol­len den Cerro Torre über die Maestri-Südostpfeiler-Bohrhakenvergewaltigungsroute besteigen. Wir auch. Das Gleiche versucht auch Bill Denz aus Neu­seeland — allein. Bruno de Dona und Guliano Giongo aus Italien versuchen sich am Torre Egger. Die Amerikaner Don Peterson und Tom belagern die Originalroute am Cerro Torre von Toni Egger und Cesare Maestri (1959). Alle sind tief deprimiert, hoffnungslos und seit November 1979 hier. Die Amerika­ner konnten in zwei Monaten glücklich sechs Seillängen zum Col della Conqui­sta mit fixen Seilen absichern. Noch schlechter war es den Italienern gegan­gen.

EINE TASSE KAFFEE FÜR VIER MARK

Warum den Cerro Torre bisher nur zehn Bergsteiger geschafft haben, ist uns nach wenigen Tagen Patagonien klar geworden. In einem der teuersten Län­der der Welt ist für arme Kletterfreaks, die sich den Winter im südamerikani­schen Süden vertreiben wollen, kaum eine Möglichkeit, zu überleben: eine Tasse Kaffee vier Mark, ein Bier auch, ein Kilogramm Haferflocken, unsere Standardnahrung, zehn Mark. Dazu 3000,— Mark für den Flug nach Buenos Aires.

Damit wir nicht bei jeder Tasse Kaffee den finanziellen Horror bekommen, ge­wöhnen wir uns gleich das Rechnen ab und zimmern uns eine Naturalien-Philo­sophie zurecht, die etwa so aussieht: Wir wechseln unsere DM-Scheinchen in einen Berg Pesos um. Der Geldberg ist unser Spieleinsatz. So lange etwas von unserem Monopoly-Spielgeld da ist, wol­len wir unser Glück hier versuchen: wir geben dem Berg einige Wochen unse­res kostbaren Lebens und die Scheine, und wir wollen dafür vom Berg eine schöne Zeit, das Bergglück oder so. Wir wollen den „schwierigsten Berg der Erde“, wie der Cerro Torre auch ge­nannt wird, besteigen. Er sieht ja auch so aus — steil, hoch, unnahbar. Aber: finden wir das Glück an dieser senk­rechten Spielfläche? Macht Rucksack­tragen im Regen Spaß? Warum gehen wir dann nicht gleich nach Rio? „So wie die Neckermänner, nein, danke“. „Wir sind doch Individualisten, das persön-

liche Abenteuer mit etwas Übermensch, das ist es doch, was wir am Cerro Torre suchen.“ Oder sind wir nur

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