Kichatna Spire Nordwestwand

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EMBICK: Eine fixe Idee entbehrt meist aller Logik und Vernunft. Trotz dieses Wissens spukte seit über zwei Jahren ein eisverkrusteter, von Arktiswinden umstürmter Granitzahn Alaskas durch meinen Kopf. Viele andere Bergsteiger haben schon die Verlockung und gleichzeitig die Frustrationen dieses Berges empfunden, denn nur wenige Gipfel — ausgenommen vielleicht Moose’s Tooth und Cerro Torre — hat­ten schon so oft und so hartnäckig alle Besteigungsversuche scheitern lassen. Sieben fehlgeschlagene Versuche am Kichatna Spire lassen keinen Zweifel mehr an der Schwierigkeit dieses Gip­fels; seine Schönheit war der Köder. Der erste Versuch einer Besteigung war erfolgreich: bereits 1966 erreichten Art Davidson und Rick Millikan den Gipfel über ein verborgenes Couloir auf der Nordostseite, durch das sie mehr als die Hälfte der Wandhöhe überwinden konnten. Dieser Versuch war sehr spät in der Saison unternommen worden, so daß das Sechsmann-Team drei Wochen lang an der Route beschäftigt waren (A. A. J., 1967). Seitdem waren alle an­deren Versuche durch vereisten Fels, durch schlechte Wetterbedingungen ver­eitelt worden. Manche Gruppen konn­ten nicht einmal zum Ausgangspunkt einfliegen, andere beschlossen sofort nach ihrer Ankunft auf dem höchsten der Gletscher, die den Berg zungen­artig umgeben, „kleinere Brötchen“ zu backen. Alle aber, die den Berg nur ge­sehen, waren sich einig, eingeschüchtert zu sein von der Unermeßlichkeit der Wände, die schlagartig die Ausmaße eines absurden Witzes erreichen (A. A. J., 1966).

Die drei Erkundungsreisen, die ich bis­her zu diesem Gebiet unternommen hatte, konnten meine Ängste zwar et­was mindern, aber nicht aus dem Wege räumen. Am ehesten durchführbar er­schien mir die Nordwestwand, die halt­los knapp 1000 Meter in die Höhe schoß. Von seinem Versuch, die Ostwand im Jahre 1978 zu durchsteigen, hatte Al Long eine eindrückliche Beschreibung gegeben, während eines Hängematten­biwaks wären er und seine Freunde um ein Haar in einem Höhensturm erfroren. Eine Wiederholung dieser Horrorshow wollte ich unter allen Umständen ver­meiden, ebenso die Verwendung von fixen Seilen. Deshalb verbrachte ich den Frühling damit, ein Hängezelt zu kon­struieren. Dies allerdings würde nur zwei Mann aushalten, andererseits hat­ten alle früheren Versuche bewiesen, daß auch Viermann-Teams noch fast zu klein waren, um ausreichende Sicher­heit zu bieten. Nun, andererseits wollte ich auch nicht durch übergroßen Mate­rial- und Mannschaftseinsatz dem Berg die Chance nehmen. Als ich begann, an eine Solobegehung zu denken, quälten mich nächtens Alpträume von immer größer werdenden Spalten, von messer­scharfen Schuppen und von Eisbrüchen. Gott sei Dank, schließlich war John Bouchard bereit, mit mir zu kommen, und meine schrecklichen Visionen ver­schwanden.

Johns Nerven und seine Schnelligkeit sind sagenhaft, und trotz seiner konzen­trierten Art beim Klettern ist er doch ein liebenswerter Partner für ein sturm­umtobtes Biwakzelt. Im späten Juni ver­suchten wir unsere Nordwestwand zum ersten Mal. Wir glaubten fest daran, mit allen Mißlichkeiten fertig zu werden, mit den gefährlichen Eisbrüchen, mit den schweren Lasten, den stürmischen Tagen, mit gefährlichen Kletterstellen an schlechten Haken, an wackeligen Eisschuppen und losen, überhängenden Blöcken. Unser Hängezelt funktionierte; ein gelber Da-Vinci-Fallschirm, ein Zu­hause in der luftigen Wand. Unser klei­ner Bohrhakenvorrat ging bald zur Neige, und wir wollten es nicht riskie­ren, uns den Rückweg abzuschneiden. Außer den sichtbaren Gründen für un­seren Rückzug — für jeden Rückzug — gibt es noch andere, nämlich psychi­sche. Für uns waren das die nervenrau­bende Einsamkeit, das scheinbar viel zu langsame Vorwärtskommen und das Unbekannte der vor uns liegenden Route. Und danach, immer wieder Zwei­fel über die Notwendigkeit des Rück­zuges, über den vielleicht voreiligen Entschluß, über uns selbst. Hätten uns die Schwierigkeiten des Berges zum Rückzug gezwungen, so wäre unser Ego angeknackst gewesen, hätten wir die Probleme aufgebauscht, so hätte uns unsere Unentschiedenheit und un­sere Angst gelähmt, unser Selbstbe­wußtsein wäre zerstört. Die Unsicher­heit in sich selbst ist ein Grund, warum man auf einen Berg hinaufsteigt; und für mich war sie der Grund, nochmals den Kichatna Spire zu versuchen, das Zurückkommen kann vielleicht all das lösen, was hoch am Berg und was in meinem Geist an Zweifeln begraben liegt.

BRIDWELL: An einem kühlen Maiabend im Yosemite trat Andy mit einem Glas Wein vor der Mountain Room Bar zu mir und zeigte mir seine Fotos von den Spires — faszinierende Bilder von phan­tastischen Wänden und Pfeilern und einem atemberaubenden Fels- und Eis­turm, von dem er sagte, dies sei der Kichatna Spire.

EMBICK: Auf Jim als Partner zu kom­men, war einfach logisch; ich hatte ihn vor

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