High Yosemite – Tuolumne Meadows – Genusskletterei

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Wir kamen aus der Wüste — kehrten ein ins gelobte Land. Genau dies Gefühl hatten wir. Tagelang mörderische Hitze, Trockenheit, glühende Steine, rote Erde und Felsen, flirrende Luft, aber kein Schweiß, alles verdunstete sofort: Ari­zona, Monument Valley, Indian Reser­vation — lebensfeindlich, damals ge­rade gut genug, die Bodenschätze waren noch nicht bekannt —, Grand Canyon, Lake Mead — der totale Kon­trast: ein Yachthafen in der Wüste —, und das Death Valley: aus der Distanz absolut tot, im Detail erstaunlich le­bendig.

Dann wieder erstes Grün, die Riesen der Sierra Nevada, Mount Whitney, bald der Mono Lake und die Auffahrt ins lang erträumte Märchen-Kletter-Land: Im High Yosemite die Tuolumne Mea­dows.

Wir sind keine Superkletterer, wir ha­ben Freude an eleganten, genußvollen Wegen, die zügig durchstiegen werden können. Arbeitssiege sind erst im Nach­hinein schön. Wir wollen aber Freude während des Steigens haben. Daß das High Yosemite in dieser Richtung ein überreiches Angebot bereithält, sollten die nächsten Tage zur Genüge zeigen. Am Tioga Paß ein kostenloser, gut ein­gerichteter, herrlich am See gelegener Campingplatz in 3000 Meter Höhe. Bis 18 Uhr warm und angenehm, dann ein urplötzlicher Temperatursturz, wenn die Sonne hinter dem Bergkamm ver­schwindet.

Am nächsten Tag erste Kontaktaufnah­me mit dem Fels: Parken zwischen Ein­stieg und Tenaya Lake, sanft aufstei­lende Platten führen zum Anseilpunkt für das „Great Book” (V) am Stately Pleasure Dome, der Standardanfang dort oben. Die Geschlossenheit des Felsens macht erst unsicher, begeistert dann aber immer mehr, die letzten Plat­ten laufen Liesel und ich lachend Hand in Hand hinauf zum Gipfelbuckel. Wir bestaunen einen etwas klein geratenen Mammutbaum mit einem Spitzkegel als Stamm: urig, strotzig, lebensstark sieht er aus. Und das auf erdelosen Granit-platten und 3000 Meter über dem Mee­resspiegel.

Schräg gegenüber, am Pywiack Dome, fällt uns in der scheinbar ungangbaren Plattenwand eine Quarzader auf, die eine natürliche Anstiegslinie vorzeich­net. Der Blick ins „Mountain” verrät: „The Dike”, „nur” VI, kaum zu glauben. Helmut und ich wollen es versuchen. Wieder ein sanfter Anfang zum Hoch­laufen. Ich hole die Zweite der Seil­schaft vor uns ein. Ihr Partner kämpft über uns mit dem Fels, der Reibung, seinem Stolz und seiner Verzagtheit. Er gewinnt, wie sich zeigen soll, und seilt ab. Die Stelle seiner Schwierigkeiten gelingt uns gut und wir lassen seinen Abseilkarabiner hinunter. Die Quarz­ader bietet nur eine Richtschnur, jeder geht seinen eigenen Weg mehr oder weniger weit von der Ader entfernt auf kleinen, kleinsten Knubbeln und Wärz­chen. Aber er geht.

Dann die vierte Seillänge: Eine Aufstei­lung, die Ader bietet nichts, Haken sind überhaupt nicht mehr auszumachen. Helmut macht sich an die Arbeit. Bald meint er, nicht mehr weiter zu können. Aber mit jedem „ich fliege” bewegt er sich doch wieder ein Stück nach oben. 20 Meter weiter ist der nächste Zwi­schenhaken erreicht. Großes Aufatmen.

Eine solche Reibung sind wir vorher noch nicht gegangen. Der Rest ist bald erledigt.

Nur gut, daß die Seilschaft vor uns um­gekehrt ist.

Wir staunen doch etwas über den Ab­stand der Sicherungspunkte: Zwar alles sehr solide Bohrhaken, aber eben weit auseinander. Vielleicht ist das Abglei­ten an den geneigten Platten relativ harmlos. Wir haben es lieber nicht aus­probiert.

Nach ausgiebigem Kaffeetrinken im Zelt-Café der Tuolumne Meadows (be­liebig viel Kaffee für einen lächerlichen Einheitspreis) geht es am Lembert Dome vorbei zurück zum Tioga Paß. Wir haben den Eindruck, daß die ganze Gegend aus einem einzigen, riesigen buckligen Klotz Granit besteht. Die Senken haben sich im Laufe der Zeit mit Erdreich und Vegetation gefüllt. Darum auch der jeweils sanfte Auf­schwung zu den Kletterwänden und die Tatsache, daß die Wiesen unvermittelt, ohne Schutt, in die Granitwände über­gehen.

Erstaunlich ist, daß dieses phantasti­sche Klettergebiet erst relativ spät ent­deckt wurde: Erste Touren in den fünf­ziger Jahren, aber immer noch ein Dornröschenschlaf, Anfang der sechzi­ger Jahre das Erwachen und dann die stürmische Entwicklung bis heute. Wem es im Valley zu heiß ist, der fährt hier hinauf: baden, am Strand liegen, sonnen, wandern, klettern, alles ist in be­geisternder Landschaft möglich. Noch kann man dem Trubel direkt an und neben der Straße durch wenige Schritte entfliehen. Die Zeltplätze im Yosemite-Park sind sehr häufig voll, aber direkt außerhalb der Parkgrenzen, im an­schließenden National Forest, gibt es kostenlose Campingplätze oder man darf an beliebiger Stelle Zelten. Die Fahrt zu den Tuolumne-Wänden dauert dann etwa eine Viertelstunde; ins Yose­mite Valley jedoch etwa zwei Stunden. Kurzum, das High Yosemite stellt ein

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