Der Crozpfeiler der Grandes Jorasses – Die Wand des ewigen Schattens

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Plötzlich, nach einer der vielen Biegun­gen im Gletscherstrom, steht sie vor uns, die massive Mauer der Grandes Jorasses, zwölfhundert Meter hoch, un­mittelbar aus der grauen, mit Schutt und Steinen bedeckten Eismasse emporstei­gend in den tiefblauen Himmel. Obwohl ich dieses Bild bereits aus vielen Per­spektiven gesehen habe, durchfährt mich jetzt ein Schauer von Furcht. Die Eisfelder und Pfeiler, die Couloirs und Stufen scheinen ohne Ende zu folgen. Die größte Gefahr der Wand allerdings sind die ständig herabdonnernden Stein­lawinen. Nicht nur Gefahren sehen wir, steile, mit dünnem Wassereis bedeckte Felsspalten zeigen uns, wo die eigent­lichen Schwierigkeiten dieser Wand lie­gen. Gefahr und Schwierigkeit machen diese große Wand zu einem der drei „letzten großen Probleme der Alpen”.

Am Morgen hatten wir den Touristenort Chamonix verlassen, nun stehen wir unter den gewaltigen Wänden, die den Kessel des Leschaux-Gletschers um­schließen. Erleichtert hatten wir den Rummel der Bergstation von Monten-vers verlassen, wie besessen waren wir über das harte Eis des Gletschers ge­rannt, und nun stehen wir keuchend vor der Wand unserer Träume, Grandes Jorasses, düster und drohend — die Wand, die niemals von der Sonne be­schienen wird.

Auf einer kleinen Moräne, dort, wo zwei Gletscher zusammenfließen, richten wir uns auf das erste Biwak ein. Bald ist die Dunkelheit hereingefallen, der Wind hat sich gelegt und das unheimliche Poltern der Steinlawinen in unserer Wand ist verschwunden, es ist still ge­worden, totenstill. Zusammen mit den geheimnisvoll um die Gipfel tanzenden Nebelschwaden und dem Farbenspiel des letzten Tageslichtes hat die Stille eine andere Welt um uns geschaffen. Das schnurrende Geräusch unseres Ko­chers klingt einsam durch den uner­meßlichen Raum. Manchmal schlafen wir kurz ein, meist dämmern wir halb­schlafend dahin, wachgehalten durch die Nachtkälte und die Ungewißheit des kommenden Tages. Ein grellkaltes Mondlicht verwandelt unsere Umge­bung in eine unwirkliche Gespenster­landschaft, die mich erschreckt.

Ich muß geschlafen haben, denn als ich wieder einmal aufschrecke, sehe ich viele Paare von kleinen Lichtpunkten schnell über den Gletscher aufwärts kommen. Andere Seilschaften sind auf dem Weg zur Wand, wir haben ver­schlafen! Bald suchen auch wir unseren Weg durch den dunklen Gletscherbruch; schemenhafte Eistürme, tiefe dunkle Spalten zwingen uns eine Zick­zackspur auf. Dann — ganz unerwartet — stehen wir mit dem ersten Licht des Tages unter der Wand. Erst jetzt wer­den die Proportionen der Wand, die im purpurnen Morgenlicht Strukturen er­hält, deutlich, eine beinahe lotrechte Mauer aus rotbraunem Granit, oft mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, von furchterregenden Couloirs durchschnit­ten. Schon nach 50 Metern erkenne ich, wie gefährlich unsere Aufstiegsroute ist, von ganz oben fallen Steine, krei­schen, brummend, flötend, ein Konzert mit vielen Instrumenten. Das Sonnen­licht, das den Gipfelgrat bescheint, hat den Auftakt gegeben, es erwärmt die Felsen und schmilzt die festgefrorenen Brocken aus. In unserer kleinen, senk­rechten Welt klettern wir, wo es gerade möglich ist und versuchen, so gut es geht, die allgemeine Richtung einzuhal­ten, unsere Erfahrung und der alpine Instinkt helfen uns.

Meinem Kletterpartner Ton ist das Früh­stück schlecht bekommen, die aufge­staute Anspannung ist ihm zuviel, nun nimmt er jedes Argument wahr, das für einen Rückzug sprechen könnte. Es ist eine gesunde Angst, die ihn überfallen hat, ich versuche, ihm Mut zu machen, er andererseits überträgt seine Zweifel auf mich und läßt mich vorsichtiger werden. Genau dies macht eine gute Seilschaft aus, dieses Einander-Ergän­zen, zu einer Seilschaft, zu einer per­fekten Einheit.

Als wir den ersten Vorbau erreicht ha­ben, ändert die Wand ihren Charakter vollkommen, tristes Blau und Grau sind die beherrschenden Farben. Dunkelheit und Kälte dominieren, die Felsen sind von einer dünnen Eisglasur bedeckt, das Donnern der Steinlawinen ist ver­stummt, die Stille zittert vor Spannung — das Klimpern unserer Ausrüstung, unser Atem, kurze Sätze, die wir ein­ander zurufen, durchbrechen die Stille, in den Couloirs zum vielfachen Echo verstärkt.

Die Wand steilt sich auf und die Schwierigkeiten werden größer, kaum ein flaches Stück oder einfache Kletter­stellen. Die anhaltenden Schwierigkei­ten lassen uns körperlich und geistig abstumpfen, oft müssen wir gegen das Nachlassen der Konzentration ankämp­fen. Der Fels ist brüchig geworden, das Anbringen der Sicherungen schwierig und zeitraubend. Jedesmal, wenn ich an der Reihe bin, vorzusteigen, über­kommt mich ein ungutes Gefühl, wird der Freund einen

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