NUPTSE NORDWAND – IM ALPENSTIL AUF EINEN EVEREST TRABANTEN

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Mit seiner Gipfelhöhe von 7879 Metern liegt der Nuptse nur 121 Meter unter der exklusiven Achttausender-Marke. Seine Nachbarn, der Mount Everest und der Lhotse, erregen das Interesse von Expe­ditionen viel mehr. Trotzdem ist der Nuptse ein hoher, schwieriger und für den Alpinisten äußerst interessanter Berg. Der Hauptgipfel wurde bisher nur einmal betreten, und zwar von der briti­schen Nuptse-Expedition unter Leitung von Chris Bonington im Jahre 1961. Sie eröffneten damals eine Route von Sü­den her, die auch heute noch als äußerst schwierig gilt. Eine japanische Gruppe bezwang dann 1977 den langgezogenen, eleganten Nordwestgrat zum Nordwest­gipfel (7745 Meter).

Direkt gegenüber der gigantischen Eve­rest-Südwestwand ragt die Nordwand des Nuptse auf. Wir — Doug Scott, Brian Hall, Georges Bettembourg und ich — wollten bei unserer Besteigung keine Fixseile verwenden und unsere Ausrü­stung oberhalb des Basislagers auch selbst tragen. Damit reihten wir unser Ziel, den Nuptse, in die kleine, aber ständig wachsende Liste von hohen Gipfeln ein, die im Alpenstil zu bestei­gen sind. Bis jetzt umfaßt diese Liste folgende Berge über 7700 Meter: Hidden Peak, Broad Peak, Nanga Parbat, Nuptse und Jannu.

Brian und ich erreichten am 7. Oktober 1979 das Everest-Basislager, nachdem wir unseren Besteigungsversuch am Kang Taiga wegen schlechten Wetters abbrechen mußten. Bereits eine Woche vorher waren Georges und Doug hier angekommen, vorher waren sie am Kusum-Kanguru-Nordgipfel erfolgreich. Am darauffolgenden Tag trugen Brian und ich das erste Material hinauf zum traditionellen Platz für Lager Il (6500 Meter) unter der Everest-Südwestwand. Beide fühlten wir uns ziemlich schlecht, denn in zu kurzer Zeit hatten wir einen übergroßen Höhenunterschied bewältigt. Wir mußten gleich wieder absteigen, ließen aber, genau wie Doug und Ge­orges Anfang der Woche, ein Zelt und Nahrungsmittel droben zurück.

Ein großes Problem bei Gipfelbestei­gungen im Alpenstil stellt die ausrei­chende Akklimatisierung dar. Bei Groß­expeditionen gibt der ständige Trans­port von Ausrüstung und Nahrungsmit­teln ausreichend Zeit zu einer umfas­senden Akklimatisierung.

Als wir dann die Gegend des Khumbu-Eisfalls und des Western Cwm („Tal des Schweigens“) erreichten, trafen wir dort auf zwei Großexpeditionen, eine deut­sche am Everest und eine polnische am Lhotse. Sie hatten den Eisbruch größ­tenteils mit Seilen und Leitern versehen, die wir auch benützen konnten. Glück­licherweise war der Bruch Anfang Okto­ber verhältnismäßig stabil, so daß er kaum Probleme aufwarf. In den kom­menden zwei Wochen sollte sich dies jedoch drastisch ändern.

Einige Tage nach unserer Ankunft pack­ten die beiden Großexpeditionen und marschierten talwärts. Nun blieben wir allein im Basislager zurück, allein unter der erdrückenden Perspektive der Eve­rest-Südwestwand. Am 14. Oktober brachen wir in aller Frühe vom Basis­lager auf. Das obere Ende des Khumbu­Bruches begann abzubrechen, doch schnell brachten wir diese Stelle hinter uns und erreichten das „Tal des Schwei­gens“, das höchste Tal der Erde. Es be­gann der lange und quälendheiße Marsch hinauf durch das Cwm, in dessen obe­ren Teil wir unser Lager errichteten. Den ganzen Tag brannte die Sonne gnaden­los in den Talkessel, erst am späten Nachmittag verschwand sie hinter dem Nuptse und sofort fiel die Temperatur rapide ab. Innerhalb eines Tages treten im Hochgebirge immer drastische Tem­peraturunterschiede auf, hier ist es be­sonders extrem, bis zu vierzig Grad Un­terschied zwischen Tag und Nacht sind keine Seltenheit. Als die Sonne ver­schwunden war, fegte ein kalter Wind durch das Tal, wir fühlten uns klein und einsam, als wir an diesem Abend unser Zelt unter der Nuptse-Nordwand aufstell­ten.

Abgesehen von den stürmischen Wind­böen, die uns in unseren Zelten zurück­hielten, war am nächsten Tag herrliches Wetter. Doug erzählte uns, in welch eine Mausefalle das Cwm sich bei einem Schlechtwettereinbruch verwandeln kann. Er war bereits viermal hier oben unterwegs gewesen, er also mußte sich auskennen. Bevor wir aufbrachen, ban­den wir unsere Zelte mit Seilen fest, damit der Sturm sie nicht fortblasen konnte und sammelten die übriggeblie­benen Lebensmittel der deutschen und polnischen Expedition ein.

Um die Rippe, über die wir durch die Wand steigen wollten, zu erreichen, war es notwendig, einen gefährlichen Eis­bruch zu überwinden. Wir erkundeten den Bruch und fixierten an vier kurzen Steilstufen Seile, um unseren Aufstieg am kommenden Tag zu erleichtern. Am Abend kehrten wir zu unseren Zelten zurück und obwohl wir

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