7. Grad auf Ski

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Bereits 1945 kam Gérard Blachère  in Frankreich auf die Idee, Schwie­rigkeitsbewertungen für Skiberg­steiger einzuführen. Dabei handelte es sich um eine dreistufige Skala für Abfahrts­schwierigkeiten: Stufe 1 für mittelmäßige Skifahrer, Stufe 2 für gute Skifahrer und Stufe 3 für sehr gute Skifahrer. Zehn Jahre später erarbeitete Philippe_ Traynard (heute Präsident der Fédéra­tion Française de la Montagne) eine neue Skala. Analog der Bewertung von Felskletterschwierigkeiten teilte er Pas­sagen, die auf Ski gefahren wurden, in die Grade S 1 bis S 6 ein.

In der Folge haben verschiedene Autoren von Büchern und Zeitschriften­artikeln zum Thema Skialpinismus un­abhängig voneinander immer wieder versucht, die unterschiedlichen Anfor­derungen von Tourenabfahrten in Richtlinien zu definieren — dies unter Berücksichtigung der immer weiter fort­schreitenden Entwicklung des alpinen Skilaufs, bis zu den Steil(Eis)wandab­fahrten. 1975 kam beispielsweise von Hans Stutzig ein Vorschlag für eine siebenstufige Schwierigkeitsskala (I — VII), die in Anbetracht des damaligen Leistungsstandes durchaus zu akzeptieren gewesen wäre. Etwa zur gleichen Zeit brachten die Brüder Gernot und Gisbert Rabeder ihre Skiführer über Dachstein und Totes Gebirge heraus. Die Touren bewerten sie mit O bis V.

Der Skiführer Bayerisches Hoch­land und Nordtirol von Dieter Seibert (Erscheinungsjahr 1976) bringt, ähnlich den Kletterführem nach den Richtlinien der UIAA, zu jeder Beschreibung eine Übersicht, in der die Charakteristik einer jeweiligen Tour mit kurzen Sätzen umrissen wird. 1977 bemühte sich Horst Höfler, Skitourenbeschreibungen nach dem Muster der UIAA-Richtlinien für Beschreibungen von Klettertouren zu erarbeiten. Seine Vorschläge wurden vom Sicherheitskreis des Deutschen Alpenvereins begrüßt, es blieb aber hei einem gutgemeinten Versuch. Immerhin ziehen sich in Seibert’s Alpenvereins-Skiführerwerk (erster Band von 1979) die Übersichten wie ein roter Faden durch alle drei Bände.

7. Grad auf Ski

Auch zwei österreichische Bergstei­ger, die sich in jüngster Zeit mit einem Bewertungsschema für Skitouren befaß­ten, seien erwähnt: Walter Spitzen­stätter und Professor Rudolf Weiß.  Wäh­rend Spitzenstätter Kriterien wie Hang­neigung und Felsschwierigkeit innerhalb einer dreistufigen Skala »in einen Topf« wirft, plädiert Weiß für eine detaillierte Nennung aller möglichen Anforderun­gen wie Länge, ski-, fels- und eistech­nische Schwierigkeiten— ohne Berück­sichtigung der Lawinengefährlichkeit.

Francois Labande’s interes­santer Bewertungsvorschlag

Sehr ausführlich definiert ist ein Bewertungsvorschlag von François  Labande, einem profilierten französi­schen Skialpinisten, der seine Skalen in «Alpinisme et Randonné« sowie in seinem erst kürzlich erschienenen Buch «Ski sauvage dans la Haute-Savoie« veröffentlichte. Dabei ging es Labande darum, sowohl die althergebrachten französischen Bewertungsschemen mit einzubeziehen, als auch ein Parallel­system zur Schwierigkeitsdefinition beim Felsklettern auszutüfteln — ähnlich den genannten Vorschlägen von Stutzig und Rabeder, jedoch mit einigen weiter­führenden Gedanken. Wie sehen die Laband’schen Skalen aus?

Die Bewertung von Einzelstellen  erfolgt mit den Graden S 1 bis S 7:

S 1 =         Wege, Straßen, sehr flach;

S 2 =        mäßig geneigtes Gelände;

S 3 =          weite, offene Hänge bis 35 Grad, manchmal auch etwas steiler;

S 4 =         Steilheit bis zu 45 Grad, wenn die Ausgesetztheit nicht zu groß ist;

S 5 =     im allgemeinen 45 bis 55 Grad in Couloirs, aber auch in weniger steilen Hängen, wenn die Ausge­setztheit groß ist;

S 6 =       ab 50 Grad bei großer Ausgesetztheit, sonst mehr als 55 Grad;

S 7 =      Sprünge über Felsbänder und Eisabbrüche in sehr steilen Hängen.

Dies alles bezieht sich jedoch nur auf gute Schneeverhältnisse. So ist es zum Beispiel möglich, bei idealen Bedingungen über einen 45 Grad steilen Hang mit Fellen aufzusteigen, wogegen der gleiche Hang in vereistem Zustand für eine Abfahrt unmöglich sein kann.

Die Bewertungsskala für Einzel­stellen wird ergänzt mit einer Buch­stabenskala für die Gesamtschwierig­keiten einer Skitour:

L =        leicht

WS =      wenig schwierig

ZS =       ziemlich schwierig

S =       schwierig

SS =      sehr schwierig

AS =   äußerst schwierig

EX =       extrem schwierig

Dabei wird zusätzlich noch unter­schieden in eine »obere« ( +) und «untere« (—) Grenze.

Die Gesamtbewertung berücksich­tigt die Schwierigkeiten der einzelnen Passagen, aber auch die Länge der steil­sten Abschnitte, deren Ausgesetztheit und Höhenmeter sowie diejenigen Stel­len, die zu Fuß oder gar mit Abseilen überwunden werden müssen. Ebenso spielt auch die Weite oder Enge einer Passage eine Rolle. Was jedoch nicht für die Schwierigkeitsbewertung zählt, ist die jeweilige Höhe über dem Meer. Das heißt, ein 40 Grad steiler Hang, mit der gleichen Ausgesetztheit und mit den genau gleichen (günstigen) Schnee­verhältnissen, bleibt S 4 auf 2000 wie auf 4000 Metern.

Die Gesamtbewertung ist von vielen Kriterien abhängig

Interessant ist auch, wie François Labande die Ausgesetztheit  sieht. Sie ist seiner Meinung nach dann groß, wenn ein Sturz gefährlich (bis tödlich) wäre. Sie ist aber klein, wenn ein zwar steiler, aber nicht allzu hoher Hang unten sanft ausläuft. Auch Labande berücksichtigt bei seinen Bewertungen die Lawinenge­fahr nicht (im Gegensatz zu Stutzig, der hierfür eine zusätzliche Skala von A bis F vorgeschlagen hatte).

Beispiele für die Gesamtbewertungsskala mit Touren, die auch deutschen und österreichischen Ski­bergsteigen zum großen Teil mindestens namentlich bekannt sein dürften:

L =          Aletschgletscher (Berner Alpen);

WS =    Piz Palü (Bernina), Normalweg bis zur Schulter auf dem Ostgrat;

WS+ = Nordend (Monte Rosa, Walliser Alpen), Normalweg bis etwas oberhalb Silber­sattel;

ZS — = Mont Vélan (Westliche Walliser Alpen), direkte Abfahrt über die Nordflanke;

ZS =   Allalinhom (Walliser Alpen), direkte Abfahrt vom Gipfel zum Feejoch;

ZS+ = Dom (Mischabel, Walliser Alpen), vollständige Abfahrt vom Gipfel bis zur Hütte;

S — =  Wildstrubel (Westliche Berner Alpen), Nordostcouloir;

S =         Montblanc, Nordseite, Start auf dem Gipfel mit Ski;

S + =    Strahlhom (Walliser Alpen), direkte Nordnordostwand; SS— = Haute Cime (Dents du Midi), Doigts-Couloir;

SS =          Aiguille de Bionnassay (Montblancmassiv), Nord-Westwand;

SS+ = Liskamm (Walliser Alpen), Nordostwand des Ostgipfels;

AS— = Aiguille Verte (Montblanc­massiv), Couloir Couturier;

AS =       Courtes (Montblancmassiv),  Nordwand (Österreicherweg), mit einzelnen Stellen S 7, 65 Grad steil.

Wie stehen die alpinen Vereini­gungen zur Einführung von Richtlinien für Skitourenbeschreibungen und einer Schwierigkeitsskala? Beim Schweizer  Alpenclub  wurde noch keine Diskussion darüber geführt. Es wäre offenbar kein großes Bedürfnis vorhanden gewesen.

Auch beim Österreichischen Alpen­verein sind bisher noch keine Aktivitäten hinsichtlich einheitl. Bewertungssche­en zu verzeichnen. Lediglich der Sicherheitskreis im Deutschen Alpen­verein arbeitet derzeit an Richtlinien zur Beschreibung von Skitouren.

Versuchsweise haben wir die Skitourenanstiegsblätter in diesem Heft mit Laband’schen Bewertungssymbolen ergänzt.

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