Freiklettereien in der Rotwand – Heinz Mariacher erzählt…

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Heinz Mariacher erzählt, was er bei seinen Freiklettereien in der Rotwand erlebte

Mein Wille war am Ende

Wer auf seiner Dolomiten-Wanderung vom Karerpaß zur Kölner Hütte gehen will, kommt — im Westteil der Rosengarten-Gruppe — an einer 400 Meter hohen, überhängen­den, gelblich-roten Felsmauer vorbei: an der Rotwand, einem abweisenden, eher furchteinflößenden Stück Fels. Nie käme der Wanderer auf den Gedanken, daß hier jemand hinaufklettern könnte.

Doch im Jahr 1958 wurde diese Wand mit fast 200 Haken von D. Hasse und L. Brandler erstmals erklettert. Seitdem gilt sie als Inbegriff der künstlichen Kletterei, wobei Haken und Trittschlingen zur Fortbewegung genutzt werden. Seit wenigen Jahren versuchen nun junge Kletterer, solche Routen ohne jedes künstliche Hilfsmittel zu schaffen. Heinz Mariacher gehört zu ihnen und be­richtet über seine Erfolge in der Rotwand.

1972 — Rotwand klassisch

Große, vollgepackte Rucksäcke ad den Knien, schaukelten wir mit dem Sessellift der Rotwand entgegen. Noch nie hatte ich eine derartig steile und ungegliederte Wand gesehen.

Die »Buhl-Gedächtnisroute« sollte meine erste extreme Dolomitenroute werden. Ich war sechzehn, und es gab in meinem Leben keinen größeren Wunsch, als ein guter Kletterer zu werden.

Früh am nächsten Tag stiegen wir ein. Gegen Mittag waren wir in der dritten oder vierten Seillänge, und mit Anbruch der Dunkelheit erreichten wir gerade noch die kleine Nische in Wandmitte — Biwak!

Nach sechzehnstündigem Kampf (Biwak und Jausenzeit abgezogen!) krochen wir endlich unter der schweren Last unserer Ausrüstung aufs Gipfel­plateau, zerschunden und zerkratzt von der Quälerei mit Stickleitern, Ruck­säcken und den schweren Westalpen­schuhen.

Doch all die Mühsal war schließ­lich vergessen, als wir unten beim Auto hochbefriedigt im Pause-Buch nachlesen konnten, wie gut wir gewesen waren.

1979 — Die »Buhl« ist frei!

Sportkletterer nennt sich eine neue Ge­neration durchtrainierter Kletterartisten. die die rein sportliche Schwierigkeit im Fels sucht. Anfänglich begnügten sie sich mit den kurzen Wänden der Mittel­gebirge, und in den Dolomiten blieb alles beim Alten. Bis Pete Livesey, einer der besten englischen Kletterer, uns »selbstzufriedene Alpinisten« aus dem gemütlichen Dolomitenschlaf weckte: die »Buhl« an der Rotwand war ihm bis auf etwa 6 Haken frei gelungen — der VII. und VIII. Grad! Wir orientierten uns weiter am klassischen Klettern und glaubten, eine Steigerung der Schwie­rigkeiten nur im absoluten Neuland zu finden. Freibegehungen hakentechni­scher Routen? Wo blieb da das Risiko? Warum das Abenteuer Klettern zum Sport reduzieren? Kurt Albert und Wolf­gang Güllich konnten auf einige Jahre harten Trainings zurückblicken, als ihnen im Sommer 1981 die »Buhl« voll­ständig frei gelang, allerdings mit zwei­maligem Ausruhen an Haken. Es war nicht mehr zu übersehen: Der Weg in neue Grenzbereiche führte über das Sportklettem, über eine Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Training!

1982 — dreimal Rotwand

Die »rotpunkt«-Begehung, also ganz ohne Ausruhen, der »Buhl« steht immer noch aus. Ich mache Stand unter der Schlüsselpassage:

Magnesiaspuren und zahlreiche Striche von schwarzen Gummisohlen — unmiß­verständliche Zeichen des VIII. Grades. Vor fünf Tagen hatte ich bei einem Frei­kletterversuch an einem Haken rasten müssen. Der Gedanke, jetzt wieder zu scheitern und noch einmal den gleichen Weg heraufwandern zu müssen, sorgt schließlich für den entscheidenden Kampfgeist. Zehn Meter überhängender, kleingriffiger Fels löscht für einige Augenblicke alles andere aus — bis ich oben an den großen Griffen verschnaufe und die müden Arme schüttele. Die folgenden Seillängen im grellen Nach­mittagslicht dringen kaum noch ins Bewußtsein, denn meine Gedanken sind schon drüben in der »Via del Concilio« — vom Einstieg bis zum Gipfel über­hängend, gelb und strukturlos, 400 Haken auf 450 Meter Höhe, VI, A3 — der Inbegriff einer Hakenkletterei.

Der Gedanke, auch in dieses kom­promißlose, gelbe Gemäuer eine freie Linie zu zeichnen, ist faszinierend und erschreckend zugleich.

Ein erster Versuch am 18. August übertrifft alle

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