Bewertung der Schwierigkeit eines Klettersteiges (nach Kurt Schall)

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Die Bewertung der Schwierigkeit eines Klettersteiges

nach Kurt Schall

 

Bisher gibt es noch keine einheitliche internationale bzw. europäische Schwierigkeitsbewertung für Klettersteige. Bei der Bewertung von Klettersteigen geht man von Normalverhältnissen aus. In Routenbeschreibungen werden die Klettersteig-Touren oft in Abschnitte gegliedert, die eine unterschiedliche Schwierigkeitsstufe aufweisen. Bei fraglichem Schwierigkeitsgrad sollte man mehrere Quellen zu Rate ziehen, da es gelegentlich Abweichungen bei der Beurteilung gibt. Neben der vom „Klettersteigpapst“ Eugen E. Hüsler aufgestellten „Hüsler-Skala” – „Deutsche Klettersteig-Skala“ mit verbalen Einstufungen („wenig schwierig” bis „extrem schwierig”) sowie weiteren, häufig regional verbreiteten Skalen haben sich die vom Führerautor Kurt Schall eingeführten Buchstaben durchgesetzt (A – E).

Die Buchstabenskala hat neben präziseren Bewertungsmöglichkeiten (zusätzliche Zwischenstufen wie A/B, B/C,…) auch den Vorteil, bei topografischen Anstiegsskizzen eine Stellen- bzw. Passagebewertung anwenden zu können. Dies mag dem professionellen Klettersteigfan vielleicht nicht ganz notwendig erscheinen, weniger routinierte und geübte Klettersteiggeher können aber dadurch einen wesentlich besseren Überblick über die zu erwartenden Anforderungen des Klettersteiges erhalten. Denn es ist schon ein großer Unterschied, ob z.B. nur eine kurze Passage in der Hauptschwierigkeit (z.B. D bzw. K5 bzw. KS5) zu bewältigen ist, oder gleich mehrere Stellen bzw. mehrere hundert Meter in diesem Schwierigkeitsbereich.

Vor allem bei den neuen „Sportklettersteigen“, die teilweise schon sehr an die körperlichen und psychischen Grenzen mancher Klettersteiggeher heran reichen, macht ein gutes Topo mit (Einzel-) Stellenbewertungen durchaus Sinn.

Dazu ist eine möglichst genaue Definition der jeweiligen Schwierigkeitsstufe notwendig, wobei versucht wird, die Schwierigkeitsangaben mit einem möglichst einheitlichen Bewertungssystem in Einklang zu bringen.

Zusätzlich sind aber noch viele andere subjektive und objektive Faktoren wie Länge des Klettersteiges bzw. des Zu- und Abstiegs, alpines Gelände und Gefahren, Exposition (Wandausrichtung, z.B. nord- oder südseitig), Wetterlage, Nässe, Vereisung, körperliche Verfassung (Kondition, Trainingszustand, Psyche, Mut, Armkraft), Bergerfahrung (z.B. im alpinen Gelände mit brüchigem Fels oder Schnee/Eis bzw. Trittsicherheit in ungesicherten Passagen), Höhenlage, Klettererfahrung (vor allem bei sehr schwierigen Steigen von Vorteil – Steigtechnik!), Ausrüstungszustand (zweckmäßige Bergschuhe und Kleidung, optimal abgestimmtes Klettersteigset inkl. Brust-/Sitzgurt, Helm und Klettersteighandschuhe) und nicht zuletzt auch eine gut eingeübte Sicherungstechnik (optimales Handling mit dem Klettersteigset) zu berücksichtigen.

Verschiedenste Schwierigkeitsbewertungsskalen von Klettersteigen sind in facheinschlägiger Literatur zu finden.

Hier nun eine Vergleichstabelle der verschiedenen europäischen Schwierigkeitsskalen und Bewertungen von Klettersteigen.

Vergleichstabelle der verschiedenen europäischen Schwierigkeitsskalen

und Bewertungen von Klettersteigen

Österreich   nach

Kurt   Schall

(Schall-Skala)

Deutschland   nach

Eugen Hüsler

(Hüsler-Skala)

Deutschland   nach

Paul Werner

(Rother-Verlag)

Deutschland  

Klettersteig.de   Skala

Italien Frankreich Farbskala   +

Verbale   Bezeichnung

A K1

leicht

K2

mittel

K3

ziemlich schwierig

K4

schwierig

K5

sehr schwierig

K6

extrem schwierig

KS1

 

KS2

 

KS3

 

KS4

 

KS5

 

KS6

1-1,5 F facile F facile leicht
A/B 2      
B 2,5 MD

media difficoltà

PD

peu difficile

mäßig

schwierig

B/C 3      
C 3,5 D difficile D difficile schwierig
C/D 4      
D 4,5 MD

molto difficile

TD

très difficile

sehr

schwierig

D/E 5      
E 5,5 ED

estrema difficoltà

ED

extrêment difficile

extrem

schwierig

E/F 6      
F Neuer Schwierigkeitsgrad, der bisher nur   einmal erreicht wird.

Entnommen aus: Klettersteig Atlas Österreich (2009). Alle lohnenden Klettersteige – von leicht bis extrem schwierig – sowie interessante gesicherte Steige. Kurt Schall. Schall Verlag.

 

Beispiele für die jeweilige Schwierigkeitsstufe:

KS-Grad

Italien-Nord

Österreich

Deutschland

A Hinteres Schöneck Wagnersteig Julius-Mayr-Weg
A/B Lagazuoi-Tunnel Eggersteig Heilbronner Weg
B Via ferrata Tofana di Dentro Preinerwand-Steig Mittenwalder Höhenweg
B/C Alta via Bepi Zac Gamsängersteig Mittelrhein Klettersteig Boppard
C Alpinisteig (Sextener) Drachenwand Klettersteig Todtnauer Klettersteig
C/D Via ferrata Bolver-Lugli Innsbrucker Klettersteig Bercht. Hochthronsteig
D Pössnecker Klettersteig Haid-Klettersteig Pidinger Klettersteig
D/E Kaiserjägersteig Fallbach-Klettersteig Höhenglücksteig
E Tabaretta-Klettersteig Fernau-Express DAV-Klettersteig „Yeti´s Weg“
E/F   Alpin live-Klettersteig  

 

Schwierigkeitsbewertung von Klettersteigen:

A leicht (K1 bzw. KS1) Einfache, gesicherte Steige. Angelehnte (längere) oder senkrechte (kurze) Leitern, Geländer und Eisenklammern meist in nicht sehr steilem Gelände. Einzelne Stellen können bereits ausgesetzt sein, sind aber einfach zu begehen (z.B. Felsbänder). Das Gelände ist auch ohne Sicherungen leicht zu begehen (Ausnahme: Leitern über kleine Wandstufen) und weist gute Tritte und Griffe auf. Im Allgemeinen für trittsichere, schwindelfreie Bergwanderer noch keine Klettersteig-Selbstsicherung erforderlich. Für Kinder/Jugendliche bzw. Anfänger meist sehr gut geeignet.

B mäßig schwierig (K2 bzw. KS2) Bereits etwas steileres Felsgelände mit teilweise kleintrittigen, ausgesetzten Passagen. Senkrechte, längere Leitern, eisenklammern, Trittstifte oder Ketten. Manche Passagen können bereits anstrengend und etwas kraftraubend sein. Auch routinierte Berggeher verwenden hier bereits eine Selbstsicherung. Für Anfänger und Kinder/Jugendliche unbedingt ein Klettersteigset und auf längeren Steigen zusätzlich ein kurzes Sicherungsseil.

C schwierig (K3-K4 bzw. KS3-KS4) Steiles bis sehr steiles Felsgelände. Großteils kleintrittige Passagen, die fast immer ausgesetzt sind. Senkrechte bis leicht überhängende Leitern, Eisenklammern und Trittstifte, die auch manchmal weiter auseinander liegen können (ev. Für kleinere Leute und Kinder problematisch). Oft senkrechte nur mit einem Stahlseil gesicherte Abschnitte, Einseil- oder Zweiseilbrücken, Hängebrücken. Teilweise bereits sehr Kraft raubend. Längere Anstiege in diesem Schwierigkeitsgrad zählen bereits zu den großen Klettersteig-Unternehmen. Anfängern und Jugendlichen nur mehr mit zusätzlicher Seilsicherung durch einen erfahrenen Vorsteiger zu empfehlen. Klettersteigset ist selbstverständlich.

D sehr schwierig (K4-K5 bzw. KS4-KS5) Senkrechtes, oft auch überhängendes Felsgelände. Eisenklammern und Trittstifte liegen oft weit auseinander. Meist sehr ausgesetzter und steiler Fels, der oft nur mit einem Stahlseil gesichert ist. Bereits hohe Anforderungen an die Steigtechnik (kleine Tritte, Reibungsplatten) und Psyche („Mutproben“). Längere senkrechte bis überhängende Passagen, wobei bereits ein gehöriges Maß an Armkraft sowie ein guter gesamtkörperlicher Trainingszustand erforderlich sind. Klettererfahrung von Vorteil (Steigtechnik, natürliche Griffe und Tritte zur Fortbewegung, ökonomischer Bewegungsablauf, usw.). Auch für sehr erfahrene Klettersteiggeher ist ein Klettersteigset obligat (ev. Sogar zusätzlich Kletterschuhe mit profilloser Sohle). Für Anfänger, Kinder und Ungeübte nicht mehr geeignet.

E extrem schwierig (K6 bzw. KS6) Meist überhängendes Felsgelände. Extreme Anforderungen an Armkraft (Kraftausdauer und Maximalkraft), Steigtechnik, Geschicklichkeit, Mur und Moral! Nur für erfahrene Klettersteig-Profis! Bei längeren Steigen dieser Schwierigkeit ist ein optimaler Trainingszustand erforderlich! Zusätzlich zum Klettersteigset eine kurze Bandschlinge mit Karabiner (zur Armentlastung und Fixierung bzw. zum Umhängen der Sicherung) sehr zu empfehlen. Sonst alle Angaben im erhöhten Maß wie unter „D“ beschrieben.

F Bisher vermutlich weltweit erst einmal erreichter Schwierigkeitsgrad, welcher zusätzlich wie bei „E“ beschrieben Sportkletterkenntnisse (ab FT7) voraussetzt!

© grisu

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