Eine Ersteigung des Cimon della Pala 3186 m über den Nordwestgrat

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Strömender Regen hat unsere Forschungsfahrten in den nördlichen Bergen der Palagruppe vereitelt und uns auch von dem liebgewonnenen Biwakplatz am Passo del Mulaz vertrieben. Jetzt sitzen wir wieder in San Martino. Selten nur lugt der Cimone aus den Wolken hervor, die allzu oft während des Tages die Erde mit ihrem Überfluss an Feuchtigkeit beschenken.

In den ersten Morgenstunden des 25. Juli 1901 ist am sternendurchfunkelten Firmament nirgends ein Wölkchen zu erspähen. »Heut geht’s über den Nordwest-grat auf den Cimone«, so haben wir’s rasch beschlossen, kriechen flugs in unsere alpine Rüstung, schultern den Rucksack und schon eilen wir die Treppe des Hotels, in dem Ziroccolech in tiefem Schlafe liegt, hinab.

Als wir auf dem Rosettawege im schönen Walde einsam emporwandern, bricht die Morgendämmerung langsam herein. Knapp vor der Malga Pala, bevor der Weg sich rechts zu wendet, streben wir nach links über die »Via Cacciatore«, die wir nur kurz bis zur Waldlichtung verfolgen. Auf den rasch zur Höhe leitenden Rasenhängen gelangen wir in die Nähe der Felsen, an welchen sich der be­grünte, nach Westen abbrechende, eben verlassene Almboden der Palaalpe ansetzt, und erreichen zuletzt, eine lange Strecke jener braunen, vom Rollepass gesehenen Schichten westlich querend, das charakteristische Band — in Wirklichkeit eine steile, teils schutterfüllte Plattenrinne —, welches zu jenem markanten Absatz im unteren Dritteil des Nordwestgrates emporfährt. Man muss sich in der Mitte der Schlucht ganz links gegen einen glatten Riss halten, da man sonst nur zu leicht in ernste Schwierigkeiten gerät. Wir durchsteigen die Rinne in einer Stunde und erreichen so den eigentlichen Einstieg in die Gratfelsen.

Man unterlasse nicht, die wenigen Schritte zu tun, welche zum Ende eines in die Travignoloseite hinausragenden Felsspornes führen, denn der Einblick in die wilden Szenerien unseres Berges auf dieser Seite und der benachbarten Vezzana ist von großer Schönheit. Insbesondere wirken die schnee- und eisdurchzogenen Wände, in denen das Aufschlagen fallender Steine vielfach widerhallt, im schroffen Gegensatze zu den sanften Formen der im Süden sich weitenden Gebirge. Überwältigend wirkt schon von hier der senkrecht abfallende Vorgipfel des nahezu noch
600 m über uns sich aufbauenden Cimone. In wechselvollen Farben leuchten in der Morgensonne die sagenumwobenen Gipfel des Rosengartens. Die Felsburg des Langkofels, die Geislerspitzen, Sella und Marmolata grüßen als alte Bekannte herüber. Drüben, knapp unter dem Passo di Mulaz erkennen wir wieder die Stelle, wo wir vorgestern nächtlicherweile unseren Lagerplatz aufgeschlagen hatten, und zur Linken erhebt sich, mit mächtigem Westabsturze zur Val Venegia, der Gipfel der Cima del Mulaz, von der mein Bruder und ich ein Jahr vordem so köstliche Rundschau genossen hatten. Wohin ich den Blick auch fliegen lasse, überall trifft er Bekanntes, das, in mir Erinnerung weckend, mich an manche Stunden ernster
Arbeit, aber auch an Zeiten hehren Genusses und scherzender Fröhlichkeit gemahnt. Wie schön wär’s wohl, hier auf dem sonnendurchwärmten Plätzchen lange zu verweilen; aber in dem Drange nach dem hohen Ziele treibt es uns gleich wieder von hinnen, denn talwärts blickend gewahren wir mit Bangen eben wieder die aus Südwesten durch das Cismonetal sich rasch bergwärts wälzenden Wolkenmassen. Gegen 8 Uhr beginnen wir daher in einer flachen Verschneidung rechts vorn Hauptgrate anzuklettern, wobei die Neigung der Felsen stets zunimmt. Einem scheinbar guten Bande, das von einer mit einem Steinmanne markierten Scharte nach rechts hinausführt, dürfen wir nicht folgen und so müssen wir durch einen Riss auf eine höhere Scharte knapp vor der hier nahezu senkrechten Wand empor. Die Nebel bestreichen schon die eben verlassenen Einstiegsfelsen. An eine Frühstücksrast, wie wir sie zu halten uns prächtig ausgemalt hatten, denkt jetzt keiner von uns mehr; selbst mein Freund, der sich sonst in dieser Hinsicht kaum durch irgend etwas beeinflussen lässt, zeigt für das Bevorstehende so großes Interesse, dass er kein Wort davon erwähnt. Da der Weiterweg anderswo ausgeschlossen erscheint, so müssen wir über die vor uns befindliche, fast vertikale Wand hinauf. Es geht besser als wir gedacht, denn zum Glück finden sich, wenn auch manchmal nur
winzig kleine, so doch allseits feste Griffe und Tritte. Nach 25 m nimmt die Neigung wieder etwas ab, wir erreichen den nun ebenen Grat und halten uns rechts längs desselben, bis wir genötigt sind, in die Scharte vor dem großen Gratturm abzusteigen. In Schartenhöhe queren wir, etwas an Höhe aufgebend, hinüber auf ein Schuttband der Südseite, dessen sich verschmälernde Fortsetzung nach abwärts führt.

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