Die Boé- und Vallongruppe

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Wie in den »Mitteilungen berichtet, hat Dr. K. Frhr. von Hayn mit den Führern Jos. Kosther (Corvara) und Dapunt (St. Ulrich) von der B o e aus den ersten Abstieg in das Vallon am 10. August 1900 ausgeführt. Einer freundlichen Privat­mitteilung zufolge stieg die Partie von der Boéspitze östlich gegen die Vallonspitze ab und traversierte die Ostwand derselben bis zur nördlichsten, gut sicht­baren Einsattelung der Vallonwand, von wo aus zwei Kamine in das Vallon hinab­führen. In dem linksseitigen ging es ca. 25 m steil abwärts, dann über eine 3 in breite, vereiste Stelle in einen ca. 10 m tiefen senkrechten Kamin, der auf einem ziemlich breiten Schuttband endigt. Nun über sehr exponierte, brüchige Wand­stufen leicht hinab in das anstoßende, nach links in das Vallon hinabziehende Couloir. Dieses Couloir liegt, von dem am Abschlusse des Vallons sichtbaren Wasserfalle aus betrachtet, zur Rechten und dem den Aufstieg zum Zehner ver­mittelnden Geröllfelde — vom Wasserfalle aus dein zweiten rechts — fast gerade gegenüber. V. Havn hebt mit Recht hervor, dass auf diesem Wege der Zehner und die leider sehr vernachlässigte Vallongruppe von der Bambergerhütte aus in wenigen Stunden zu erreichen ist. Es darf wohl hinzugefügt werden, dass der geübte Tourist nach einer Nächtigung in der Pisciaduseehütte bei guten Witterungsbedingungen am ersten Tag den Pisciadu, Mittagszahn und die Bambergerspitze traver­sieren, am zweiten Tag von der Bambergerhütte aus über die C re sta S t r e nta, E i sseespitze, Vallonspitze und die Vallonwand den Zehner erreichen und am gleichen Tage nach Corvara absteigen kann.

Eisseespitze

Die genannte Partie erreichte über die Moserscharte auf bekanntem Wege den Gipfel des Zehners und fand die Gipfelkarten ihrer beiden Vorgängerinnen aus den Jahren 1894 und 1898 unversehrt vor. Es ist erfreulich, berichten zu können, dass seitdem weitere drei Partien den schwierigen Gipfel erreicht haben, und zwar E. Tatzel (Troppau) am 3o. Aug. 1900, Hofbauer (Wien) am 24. Sept. 1900 und Wollring (Hof) am 20. Aug. 1903 — sämtliche mit Führer J. Kostner (Corvara). Da die schräge, den ersten Einstieg von der Moserscharte aus vermittelnde Treppe jetzt zum Teil abgefallen ist, wird der bisherige Aufstieg überhaupt bald mit noch größeren Schwierigkeiten verknüpft sein. Als hochinteressantes Problem dürfte deshalb der direkte Aufstieg aus dem Vallon oder aus dem Mittagstale zum Zehner in den Vordergrund gerückt werden. Möge an dieser Stelle wiederholt auf die Schönheiten der Touren in der Ampezzaner Dolomiten zugewendeten Ostseite der Sellagruppe aufmerksam Sellagruppe gemacht werden. Abgesehen von dem Zehner, einem erstklassigen Kletterberge,verlangen alle anderen Touren — vom Pizkofel bis zur B o e — nur einen mittelmäßigen Touristen und bieten ihm dafür des Interessanten in Hülle und Fülle.

Schon der Anstieg von Corvara aus zum idyllischen, einsamen, sagenreichen Boésee und hinauf in das von furchtbar steilen Wänden und Türmen flankierte Vallon mit seinen mächtigen Schuttkaren und eisausgepolsterten Scharten und Kaminen und seinem offenen Rundblick über die herrlichen Matten der Incisa hinweg setzen den Beschauer in Bewunderung. Auch die blinkenden Eisberge der Tauern und der Zillertaler Alpen lugen in ihrem weißen Schimmer zwischen den uns umstehenden Felskolossen gespensterhaft herein, und deren rauhe Wirk­lichkeit tritt uns bald entgegen. Denn Schnee und Eis knirscht bald unter unseren Füßen, wenn wir vom Vallon aus einem Gipfel näher treten. Wenn die Sektion Bamberg auch hier eine kleine Unterkunftshütte erbaut haben wird, dann wird sicherlich auch der Besuch dieses gewaltigen Felszirkus, der sich um dieses romantische Tal aufbaut, gehoben und der Tourist wird weitere Schönheiten der Sella bewundern.

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