Suldenspitze 3375 m

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Der östlichste Gipfel des Kamms ist die Suldenspitze, 3375 m, die ihren Namen mit Recht führt, insofern sie genau in der Verlängerung der Tal Achse steht und so mit ihrem westlichen Nachbarn, dem Schrötterhorn, den südlichen Tal­hintergrund von Sulden bildet. Sie ist deshalb ein ausgezeichneter Orientierungs­punkt für das Gebiet des Suldenferners und wurde zu diesem Zwecke von Payer zuerst besucht. Am bequemsten zugänglich ist die Spitze über den sanften Firn-rücken vom Langenfernerjoch; ziemlich steil und ohne längeres Stufenhauen nicht zu überwinden ist der Nordgrat des Bergs, der sich zum Eisseepaß senkt. Bequem ist dagegen wieder der Zugang über den Westgrat von der Janniger Scharte aus. Man erreicht diesen wenig markanten Kammeinschnitt, der als Übergang kaum be­nutzt wird, am leichtesten vom Cedehgletscher (Ghiacciaio di Cedèc) aus; der nördliche Anstieg vom Suldengletscher ist steil und ohne längere Eisarbeit kaum auszuführen. Von der Scharte, die nach Janniger, einem Führer Mojsisovics, benannt worden ist, führt ein leichter Grat östlich zum Schrötterhorn, 3380 m. Ebenso leicht lässt sich dieser Gipfel über seinen Ostgrat vom Fornopaß aus erreichen; etwas schwieriger, aber weit schöner und lohnender ist der Anstieg über den Nordgrat, der sich in schöner S förmig geschwungener Linie zum Suldengletscher hinabsenkt und zuerst 1882 von O. Baumann mit Jos. Reinstadler benutzt wurde. Er diente auch mir als An­stieg bei einer Tour, die ich im Jahre 1893 halb wider Willen unternahm. In Ge­sellschaft meines Freundes Dr. Lausberg und eines Frankfurter Herrn hatte ich die Nacht auf den 28. August in der Bäckmannhütte zugebracht, um der Thurwieser­spitze einen Besuch abzustatten. Da aber das Wetter am Morgen zweifelhaft war, erklärten unsere Führer A. Pinggera und Jos. Reinstadler die Besteigung für un­tunlich. Dr. Kierberger und Lausberg planten dann den Aufstieg zum Ortler über den Hinteren Grat; Reinstadler war dazu geneigt, nahm aber auf einen Wink Ping­geras seine Zustimmung zurück. Schließlich einigten wir uns auf Schrötterhorn und Suldenspitze, nachdem Pinggera meinen Vorschlag, wenigstens die Kreilspitze in die Wanderung einzubeziehen, verworfen hatte. 5 Uhr 10 Minuten verließen wir die Hütte, überstiegen die Moräne des Suldenferners und querten diesen in süd­licher Richtung. Ein gutes Stück war unsere Route identisch mit dem Weg zum Königsjoch, auf dem wir frische Fußspuren entdeckten; dann bogen wir östlich ab zum Fuß des Nordgrats des Schrötterhorns. Der erste Anstieg zum Grat ist sehr steil, besonders an der Randkluft, und es bedurfte zahlreicher Stufen für Fuß und Hand, die Pinggera mit bemerkenswerter Geschicklichkeit und Schnelligkeit her­stellte. So wurde der Grat erreicht, auf dem sich der weitere Anstieg vollzieht. Er ist nicht sonderlich steil, aber schmal und fällt nach beiden Seiten jäh ab, so dass seine Begehung immerhin Schwindelfreiheit und sicheren Tritt verlangt. Oben erforderten große, nach Norden überhängende Wächten Vorsicht. Die aus Felstrüm­mern bestehende, wenig Raum bietende Spitze verließen wir bereits nach einer Minute, 7 Uhr 50, weil es schneite und empfindlich kalt war. Wir betraten nun­mehr den Grat zur Suldenspitze. Einige vereiste Hänge, die gequert werden mussten, nötigten zu kurzem Stufenschlagen; sonst ist die Wanderung bequem. 35 Minuten nach dem Verlassen des Schrötterhorns standen wir auf der Suldenspitze. Auch hier gestattete die Witterung keinen Aufenthalt. Alois Pinggera, der bemerkte, dass uns die Tour nicht sonderlich behagte und uns versöhnlich zu stimmen suchte, schlug nun vor, den Nordgrat zu begehen, der nach seiner Behauptung im Abstieg noch nicht begangen worden war. Das war ein Irrtum, denn Dr. Christomannos hatte, wie wir später erfuhren, diesen Abstieg bereits ausgeführt; aber er war darum nicht weniger interessant und söhnte uns in der Tat einigermaßen mit der Aufgabe unseres ur­sprünglichen Plans aus. Die seitlichen Hänge sind nicht besonders steil, aber er senkt sich in seinem oberen Teil rapid und erfordert hier unausgesetztes Stufenschlagen. Nach einer halben Stunde war die Steilpartie überwunden, und nun ging es in flottem Tempo hinab zum Eisseepaß. Auf einem Gratfelsen oberhalb des Jochs rasteten wir und bemühten uns dreiviertelstundenlang, mit unseren für eine viel längere Tour berechneten Vorräten fertig zu werden. Um 9 Uhr 50 Min. stan­den wir von diesem aussichtslosen Beginnen ab, und übermütig geworden durch reichliche Nahrung und reichlichen Trunk, liefen wir in flottem Tempo über die Hänge des Suldenferners, seine zahlreichen Spalten in weiten Sätzen überspringend, in 50 Minuten zur Schaubachhütte und weiter nach Sulden hinunter.

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