ÖSTLICHE PUEZSPITZE 2910 m

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Stärker und wuchtiger entwickelt als ihre beiden Nachbarn im Westen hebt sich die Felspyramide der Östlichen Puezspitze aus dem Schuttmeere der Puezalpe empor. Die Spitze besteht aus zwei Gipfeln, die durch einen hohen Sattel voneinander getrennt und nach ihrer gegenseitigen Stellung als Südwest- und Nordostgipfel der Östlichen Puezspitze zu bezeichnen sind. Ersterer ist der höhere von den beiden. Über die erste touristische Ersteigung berichtet Herr H. W. Meuser‑München, „Mitteilungen“ 1886, S. 277, wie folgt: „Zwischenkofel, 2931 m . . . Gleichzeitig überzeugten wir uns schließlich (Meuser wurde von Joh. Bapt. Vinatzer, Gemsjäger aus Oberwinkel-St. Ulrich, begleitet; 4. September 1886) auch von der Unmöglichkeit, den Gipfel von hier (oberste Puezalpe) direkt zu gewinnen, und querten in beträchtlicher Höhe oberhalb der Puezalpe nach Osten weiter bis zu einer tief eingeschnittenen Rinne, die sich von einer breiten Senkung zwischen dem im Hintergrunde des Langen Tales und dem „Zwischenkofel“ kegelförmig auftürmenden Piz Puez (Puezkofel) herabzieht. Eine Menge frisches Quellwasser stürzt sich in dieser steilen Rinne über ausgewaschene Felsen herab, verliert sich aber vollständig wieder, sobald es den Grasboden der niedriger gelegenen Alpe erreicht. Hier stiegen wir über Geröll und terrassenförmig über­einander gelagerte, vom Wasser überrieselte Felsblöcke aufwärts zum Sattel und waren nun der Spitze des Piz Puez, 2668 m, ganz nahe, weshalb wir ihr einen Besuch abstatteten (10 Uhr). Nach halbstündiger Rast verließen wir diesen herr­lichen Aussichtspunkt, auf dem wir einen Steinmann mit verwetterter Holzlatte vorfanden, stiegen wieder hinab zum Sattel und begannen nun von der Ost­seite über stark geneigte Schutthalden einen beschwerlichen Aufstieg zu dem prächtigen Gipfelbau des „Zwischenkofels“ und gelangten da, wo sich ein fel­siger Seitenkamm (auf der Sp.-K. auch Zwischenkofel benannt) ins Kampillertal abzweigt, zu einer glatten Felswand, die uns eine interessante Kletterpartie bot. Bald nach deren Überwindung standen wir überrascht vor zwei durch einen Ein­schnitt getrennten Spitzen; die niedrigere, nächste (Nordostgipfel), betraten wir zuerst und fanden weder hier, noch auf der höchsten Spitze 2931 m (heutige Kote 2910 m) Spuren einer früheren Ersteigung, wohl aber arge Verheerungen durch den Blitz in den Felsen. Die Fernsicht, die sich von der höchsten Spitze bietet, ist nach allen Seiten eine herrliche und reihte sich der wenige Tage zu­vor vom Kesselkogel und von der Marmolata genossenen würdig an. Besonders hervorzuheben ist der Blick in die nächste Umgebung und in die Gruppe selbst: ungemein steile Felswände steigen von deren Innerm empor, auf dem sich rings­um ein begrastes Hochplateau, die Puezalpen, herumzieht, aus dem wieder der felsige Kamm, der die Umrahmung bildet, aufsteigt. Südlich dahinter türmt sich der mächtige Sellastock und der eisige Rücken der Marmolata auf. Langkofel, Rosengartengruppe, Geislerspitzen zeigen sich sehr schön, von letzteren namentlich die östlichen in den abenteuerlichsten Formen. Auch in das angrenzende Kam­pillertal und drüber hinweg in die Kreuzkofelgruppe ist ein hübscher Blick gestattet. Nördlich, unterhalb des Einschnittes zwischen den beiden Gipfeln und dem Haupt- (Puez-) und Seiten- (Zwischenkofel-) Kamm, zieht sich bis zu schauer­licher Tiefe hinab eine enge, zurzeit mit blankem Eis gefüllte Spalte, durch die man auf lachende Almweiden (Alpe Mesolpes) blickt. Nach Errichtung von Steinmanndln auf den beiden Gipfeln und Hinterlegung meiner Karte nahmen wir (12 Uhr 30 Min.) den Abstieg über ein breites, stark geneigtes Schuttband, das uns zum Aufstiege weniger geeignet schien (siehe Anmerkung früher), und standen bald auf dem Sattel zwischen den beiden Gipfeln (nämlich hier: Puez­kofel und Östliche Puezspitze). Da wir den Rückweg durch das Lange Tal nehmen wollten, stiegen wir geradewegs zur Puezalpe hinab, wo wir Spuren der tätigen Sektion Gröden trafen. Diese Tour, die ich allen denen, die ihrem Körper etwas Anstrengung zumuten dürfen, empfehlen kann, bietet eine Fülle des Erhabenen, Schönen und Großartigen, wie es nur an wenigen Orten der Alpen zu finden ist.“

Über das Schuttgehänge, das Herr Meuser zum Abstieg benützte, hat nun der Bewirtschafter der Puezhütte, Herr E. Franzelin mit Hilfe eines Trägers aus Wolkenstein innerhalb der Sommermonate der Jahre 1910 und 1911 einen wunderbar angelegten Steig von der Hütte bis zum Hauptgipfel der Östliche Puezspitze errichtet. Als ich mit Robert Gnirs aus Graz im September 1911 die Puez besuchte, war eben der letzte Spatenstich getan worden; wir beide waren die ersten, die den neuen Steig in seiner ganzen Länge von der Hütte bis zum Gipfel begehen konnten. Ungeheuer viel Fleiß und Arbeit hat dieser neue Weg erfordert; von der Hütte steigt er erst in Windungen auf den Kamm zwischen Puezkofel und der südlich vorgelagerten Kuppe (Kote 2555 m), bleibt dann, die Richtung nach Norden ändernd, einige Zeit lang auf dem Kamme und biegt, knapp unter dem interessant geborstenen Felsgürtel des Puezkofels hinüber in die geräumige Mulde zwischen diesem und der Östlichen Puezspitze. Kurz bevor der Steig die Mulde erreicht, führt er an den von Meuser erwähnten schwarzen, ausgewaschenen Felsen vorbei (einige Meter tiefer unten), die wie eine Brücke den Abschluss einer zur Puezalpe hinabziehenden Rinne über­wölben und reichlich gutes Trinkwasser gebären. Aus der trümmerbedeckten Mulde, die im Norden durch einige Rückfallkuppen des Puezkofels und durch die breite Schulter der Östlichen Puezspitze begrenzt und gedämmt wird, schlängelt sich der neue Steig direkt in regelmäßigen, an den Wendepunkten durch rote Pfosten markierten Serpentinen zum Sattel zwischen den beiden Gipfeln empor und gewinnt den linken, Südwestgipfel, über steile Schuttschrofen und den Grat. (Ab Puezhütte leicht in 11/2 Stunden.) Die Östliche Puezspitze ist durch diesen neuen Steig in die Reihe jener Berge gerückt worden, die nun von jedermann besucht werden können; sie kann nicht nur hinsichtlich der herrlichen, wegen der zentralen Lage außerordentlich umfassenden Rundsicht, sondern auch hin­sichtlich der leichten Erreichbarkeit und des gefahrlosen Aufstieges mit den berühm­testen Hütten- und Aussichtsbergen wie Peitlerkofel, Boë, Rosetta, Schlern, Rodella oder Sas Rigais in ernste Konkurrenz treten. Hoffentlich wird die Arbeit dadurch belohnt, dass recht viele den neuen Steig benützen.

Über den Westgrat von der Scharte zwischen Mittlerer und Östlicher Puez-spitze aus ist die letztere durch R. Schietzold und Genossen am 1. August 1910 erklettert worden, die damit die erste Überschreitung aller drei Puezspitzen vollführten. Die Absicht, dies zu tun, hatte zuerst der unvergessliche Purt­scheller. Er wandte sich aber (am 28. Juli 1896, O. A.-Z. 1897, S. 42) an­gesichts des 30 m hohen, senkrechten Wandabbruches von der Scharte hinab gegen die Puezalpe und erreichte dann den Gipfel der Östlichen Puezspitze nach Umgehung ihres Südabsturzes auf dem Meuserschen Wege von der Ostseite.

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