DER PUEZSTOCK

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Der den Namen Puez tragende Stock ist gleich der Stevia ein massiger Tafelberg, eine breit angelegte Terrasse, auf der ein zweites Stockwerk, die Puezspitzen, aufgebaut ist. Vom Siellesjoch zieht sich der Kamm der Puezspitzen hart am Rande der Terrasse, zunächst einige unbedeutende Erhebungen tragend, nach Norden, wendet sich dann im rechten Winkel nach Osten und verläuft in der Ebene des angrenzenden Gardenazzaplateaus. Die innere Seite des Puezkammes fällt dachartig ab und überschüttet die Alpe Puez weit hinaus mit Trümmern und Geröll; die Spitzen selbst sind schön pyramidenförmig aufgebaut und haben, besonders die östliche, eine massive, felsige Basis, wogegen die Außen-(Nord-)seite in schauerlich zerklüfteten Steilwänden, die den Nordabstürzen der Geisler auch an Höhe nur um weniges nachstehen, niederbricht. Es gibt vier Gipfel, die den Namen „Puezspitzen“ tragen, und zwar ihrer gegenseitigen Stellung nach eine Westliche, Mitt­lere, Östliche und Nördliche. Es ist sehr notwendig, dies endlich endgültig fest­zustellen, denn in allen Karten, Führern und früheren Berichten finden sich wesentliche Unrichtigkeiten betreffs der Nomenklatur der Puezspitzen und ich finde den desperaten, ins Fremdenbuch der Puezhütte eingetragenen Ausruf: „Jetzt sag’ mir einer, wo ich eigentlich oben gewesen bin!“ vollständig gerechtfertigt. Der arme Tourist wusste es wirklich nicht; einer sagte ihm, es sei der Puezkofel gewesen, ein anderer der Zwischenkofel, ein dritter die Östliche, ein vierter die Mittlere Puezspitze. Na, irgend so ein Puez wird es wohl gewesen sein und die Hauptsache bleibt ja doch immerhin, dass man so „oben“ war. Wolf v. Glanvell z. B. kennt drei Puezspitzen: eine Westliche – Pizza Doléda, eine Mitt­lere und eine „Südöstliche“ oder Puezkofel. Terschak führt eine „Westlichste“ an und versteht darunter, wie aus der dort beigegebenen Anstiegsskizze zu ersehen ist, die Westliche, während er den dieser gerechterweise zukommenden Namen der Mittleren beilegt; er nennt diese die Westliche oder Pizza Doléda, die Öst­liche ist ihm die Mittlere, und der Col di Montigella ist der „Östliche Puez“. Dies letztere ist ein alter, auch in neuere Karten vielfach übergegangener Fehler; der Punkt 2673 östlich des Puezjoches, dem der Name Col di Montigella ge­bührt, und der nichts anderes ist als eine bemerkenswerte Anschwellung des Gardenazzaplateaus, wurde ganz unlogischerweise „Östlicher Puez“ beschrieben. Meuser nennt die von ihm zuerst touristisch besuchte Östliche Puezspitze „Zwischen­kofel“, ebenfalls verleitet durch den ungenauen Druck der alten Spezialkarte, Unrichtigkeiten, die jedoch bereits Franz Moroder in St. Ulrich in seiner Ab­handlung „Zur Topographie und Nomenklatur der Geislerspitzen-Gruppe“ be­richtigte. Welche Unsicherheiten dies hinsichtlich der Topographie und Nomen­klatur nicht fixierte Gebiet selbst einem genauen Kenner bot, kann man den Worten Altons entnehmen (Zeitschrift 1890, S. 93): „Die Hochalpe Puz hat eine doppelte Fortsetzung; die eine nach Osten in den Gherdenaciastock, der sich bis Stern und Abtei hinzieht, die andere nach Norden in den Dolomiten von Kampill, welche im Grunde nur die äußeren Abstürze von Puz und Gher­denacia sind und in den westlicher gelegenen Geislerspitzen ihre unmittelbare Fortsetzung finden.“ Die einzige in jeder Beziehung richtige Übersicht über die Erhebungen des Puezkammes brachte die Neuauflage 1911 von Heß-Purtschellers „Hochtourist III“. Nur hätten die wegen ihrer wunderbaren Aussicht und leichten Erreichbarkeit geschätzten Gipfel der Östlichen Puezspitze und des Puezkofels mehr Würdigung verdient.

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