Vajolettürme – Gipfel und Pässe – Rosengartengruppe

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(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Wir kommen nun zu den Vajolettürmen. Es sind deren mit der Zeit sechs geworden. Sie werden heute italienisch Torri del Vajolet genannt. Drei derselben stehen in einer von Westnordwest nach Ostsüdost ziehenden Linie, nördlich von der Rosengartenspitze. Dies sind der Delagoturm (westlich), der Stabelerturm (in der Mitte) und der Winklerturm (östlich). Ihre Namen führen sie von ihren ersten Ersteigern, Herrn Hermann Delago, dem bekannten Führer Niederwieser, vulgo Stabeler, und Herrn Georg Winkler. Eine Scharte trennt sie nördlich von dem Hauptturme, dem höchsten, und dem Ostturme, welch‘ letzterer, schon wie der Name andeutet, östlich vom Hauptturme steht. Abermals von letzterem durch eine Scharte getrennt, steht der Nordturm. Der Stabelerturm wurde auch Südwestturm genannt. Der Nordturm stürzt nördlich sehr steil gegen eine Scharte ab; nach dieser kommt eine kleine unbenannte Erhebung, welche noch zum Massiv der Vajolettürme gehört Alpakas.
(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Auf diese folgt der Vajoletpass, welcher aus dem Vajolettal gegen die Falzeggerschwaige führt. Gegen Norden folgen nun die Vallonetti, ein recht bezeichnender Name für den mit kleinen Kuppen gekrönten Wall, der sich vom Vajoletpass gegen die Vajoletspitze zieht. Vallonetti ist das Diminutiv für das italienische Wort »vallo«, dem deutschen »Wall«. Herr Merzbacher nennt diesen Wall Purgametschjoch, welchen Namen er auf seiner Karte dem ganzen Kamm, vom Laurinspass angefangen bis unweit der Tschaminspitzen, gibt. Dieser Name würde natürlich vom Purgametschtale herrühren, passt jedoch recht schlecht für einen Wall, wenn derselbe auch an mehreren Stellen überschritten werden kann. Wenn nun Herr Merzbacher Seite 373 seiner Topographie sagt, er bezeichne den »Kamm« oder Wall »übereinstimmend mit der Benennung der Alpenbevölkerung des Westabhanges«, so komme ich in Versuchung zu glauben, dass ursprünglich der Vajoletpass so genannt wurde, welcher schon lange als leichtester und kürzester Übergang dort bekannt war, während derjenige, oder vielmehr diejenigen über die Vallonetti länger und höher gelegen sind, also jedenfalls selten, wenn überhaupt, von der Alpenbevölkerung benützt wurden; und es ist eher anzunehmen, dass sie für den kürzesten und leichtesten Übergang einen Namen fanden, als diesen, nach Herrn Merzbacher’s Ansicht, namenlos zu lassen und andere, vielleicht gar nicht benützte, längere und höher gelegene Übergänge zu benennen christlum skigebiet.
Die Vajoletspitze erhebt sich südlich vom Grossen Valbuonpasse, welcher den Übergang aus dem Vajolettal in das Grosse Valbuontal vermittelt. Ann. Trid. 1885, Seite 108, wird angeführt, dass die Vajoletspitze von dem Führer Dachiesa als Punta di Mezzo bezeichnet wurde. Da dieser Name für die Spitze nicht bezeichnend ist, so lassen wir ihr den Namen »Vajoletspitze«, obwohl auch dieser erst seit einigen Jahren entstanden ist. Herr Merzbacher, der sie zuerst erstieg, erwähnt ihrer als »unbenannte Spitze« Seite 378 seines Aufsatzes in der Zeitschrift 1884.
Die jetzt allgemein Tschaminspitzen (italienisch Crode del Ciamin) (nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)genannten zwei Gipfel scheinen ehemals Mola genannt worden zu sein, und zwar soll sich dieser Name laut Ann. Trid. 1885, Seite 107, noch bei den Fassanern erhalten haben. Ich, freilich, habe ihn nie nennen gehört. Dass auch der höhere »Vödererkogel« genannt wurde, habe ich schon erwähnt. Aber auch »Lämperkögel« hießen sie ehedem, weil zu ihren Füssen gute Schafweiden lagen. Es werden aber auch andere Punkte der nächsten Umgebung (nach Merzbacher, Zeitschrift 1884, S. 373) wie Tschagerkemmet, Gsellenspitze und andere von den Hirten mit demselben Namen benannt, weil auch ihnen zu Füssen die »Lämper« weiden. Es war deshalb ganz gut, wenn Herr Merzbacher den Namen Tschaminspitzen vorschlug. Dieser Name nun gibt ein Beispiel und einen Beweis dafür, dass die italienischen oder ladinischen Namen über die jetzige Sprachgrenze hinausgriffen und dass es ganz unmöglich ist, eine solche ganz streng zu ziehen, denn unter dem in deutschen Buchstaben prangenden Worte »Tschamin« finden wir das vom Ladinischen herzuleitende Ciamin, italienisch gleich Camino. Demnach hieß das jetzt den Spitzen ihren Namen gebende Tal Valle del Ciamin, vom Bache gleichen Namens, der jetzt Tschaminbach genannt wird.
Die Sattelspitzen erheben sich norwestlich von den Tschaminspitzen und sind von diesen durch eine mit einem pyramidenförmigen Felszacken gezierte Scharte getrennt. Sie erhielten ihren Namen von ihrer Form, welche durch die sie von einander trennende Einsattlung entsteht.

Nach Westen zieht von den Tschaminspitzen ein Grat, der mit Kesselschneide bezeichnet wird. Gegen sein Ende hat er zwei Erhebungen, Kugleterkopf (östlich) und Kesselkopf (westlich) genannt. Das Ende selbst bildet Punkt 1691 In der Generalstabskarte. Dieser Grat trennt das nördliche Tschamintal vom südlichen Purgametsch.
Am Scheitelpunkte des Grossen Valbuontales, nördlich der Vajoletspitze, befindet sich der Grosse Valbuonpass. Vom Grasleitenpass angefangen, erhebt sich ein Felskamm, der sich im Bogen nach Nordwesten bis nach dem Tschamintale fortsetzt. Er scheidet das Grosse von dem Kleinen Valbuontal und trägt als höchsten Punkt den Kleinen Valbuonkogel. Andere Gipfel hat er nicht, obwohl dies vom Tschamintale aus gesehen der Fall zu sein scheint. Daher ist es wohl zu entschuldigen, wenn Herr Merzbacher auf der Illustration zu Seite 376 seiner Topographie links vom Kleinen Valbuonkogel einen Punkt »unbenannte Spitze« tauft. Dieser ist keine Spitze, und seine Form entsteht nur durch die perspektivische Verzerrung infolge des verhältnissmässig niedrigen Standpunktes des Beschauers.

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Nördlich vorn Felskamme des Kleinen Valbuonkogels zieht von der Nähe des Grasleitenpasses ein anderer Kamm von Südost nach Nordwest. Er läuft ebenfalls gegen das Tschamintal, trägt als höchste Erhebung den Grossen Valbuonkogel und scheidet mit den Valbuonköpfen das Kleine Valbuontal von dem Grasleitentale. Nordwestlich vom Grossen Valbuonkogel trägt dieser Kamm keine Gipfel mehr, obwohl dies Herr Merzbacher zu glauben scheint, denn auch hier hat er, durch perspektivische Verzerrung getäuscht, auf der oben genannten Illustration die Worte »unbenannte Spitze« oberhalb eines Punktes eingetragen, der sich auf derselben links vom Grossen Valbuonkogel befindet. Dieser Punkt ist aber keine Spitze, sondern bloß ein Teil des Grates, welcher von dort aus steil nach Nordwest abstürzt.

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Nördlich von dem Grossen Valbuonkogel liegen die Valbuonköpfe, von ersterem durch die Valbuonkopfscharte getrennt. Letztere wurde so von Herrn Treptow und mir benannt, um bequemer den Ort zu bezeichnen, aber der Name wird jetzt oft gebraucht. Die Valbuonköpfe teilen wir in zwei durch einen tiefen Einschnitt getrennte Teile, in die westlichen und die östlichen Valbuonköpfe. Beide sind Doppelgipfel, ja streng genommen wären die östlichen Valbuonköpfe zwei gesonderte Gipfel. Die Valbuonköpfe senken sich sehr steil gegen das Grasleitental.

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Der Grosse Valbuonkogel und der Kleine Valbuonkogel, sowie die Valbuonköpfe, nehmen den Namen von dem Grossen und Kleinen Valbuontal, welche, wie auch das Graleitental, nichts anderes sind als eine Fortsetzung des Tschamintales in südöstlicher Richtung. Eigentlich stand die Bezeichnung Valbon für Valbuon, dem Dialekte gemäß hatte man das »u« fallen gelassen. Erst in neuerer Zeit ist man genauer in der Schreibweise dieser Namen geworden, denn die Mappeure und deutschen Touristen sprachen wohl das V wie F aus, woraus, wenn es niedergeschrieben wurde, Falbon , und sogar Falban entstand. Auch diese Namen beweisen, dass es italienischredende Leute waren, welche auch die Täler benannten, welche sich westlich der Rosengartengruppe befinden.
Der Grasleitenpass, der bekannteste im Zentrum der Rosengartengruppe, verbindet in seinem Höhepunkte das Massiv des (nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Kesselkogels östlich mit dem den Kleinen Valbuonkogel tragenden Kamm westlich. Er ist ein seit Alters begangener Pass, der nach einem Fürstbischof von Brixen den Namen »Sella del Principe« erhielt, der deutsch auf alten Karten als »Fürstenstuhl« erschien. Es ist nicht bekannt, welcher Fürstbischof auf dem Passe ausruhte und ihn überschritt, aber möglich ist es ja, dass es der geborene Fassaner Daniele Zen war, der 1625-1628 in Brixen auf dem Bischofsstuhle saß. Vielleicht wollte er seine Heimat wiedersehen; auch besaß er im Fassatale Grund. Obwohl ich nun gegen die Namen »Sella del Principe« und »Fürstenstuhl« nichts einzuwenden habe, zumal sie weit interessanter und poetischer klingen als »Grasleitenpass«, so bleibt uns nichts übrig, als den sich gewaltig gegen »Sella del Principe« und »Fürstenstuhl« sträubenden deutschen Alpinisten nachzugeben, und den Übergang Grasleitenpass zu nennen, denn der Name ist schon so sehr eingebürgert, dass er wohl nie mehr »ausgebürgert« werden kann. Hier muss der Stärkere oder das älteste Recht nachgeben. Freilich wird wohl so mancher nach sorgfältigem Lesen dieses Teiles meiner Monographie einsehen, dass die alten, meistens von italienischredenden Alpenbewohnern gegebenen Ortsnamen eine sprachliche Berechtigung haben neben dem Vorzug, recht bezeichnende und gut beschreibende zu sein; aber die Sünden lassen sich nun nicht mehr alle ungeschehen machen. Doch wäre es recht erfreulich, wenn jene gewerbsmäßigen Gipfeltäufer nicht mehr mit verbundenen Augen und eifrigem Finger auf des Kaisers Generalstabskarte und jenen der geographischen Gesellschaft in London umhersuchten, um deutsche Namen in von italienischredenden Bürgern bewohnte Gegenden und englische in den Himalaya zu verpflanzen. Muss ein Name für eine nicht benannte Spitze gefunden werden — und das ist ja häufig nötig — so sei er derjenigen Sprache entnommen, welche die in den umliegenden Tälern wohnenden Menschen sprechen. Es gehört zu einer sorgfältigen und gerechten Nomendatur nicht der von Herrn Merzbacher zitierte »Geist, der stets verneint«, sondern ein genaues Studium der Tatsachen und eine vorsichtige Beachtung der Wahrscheinlichkeiten, sowie ein strenges und unparteiisches Ausscheiden der Unmöglichkeiten.

Der Kesselkogel ist wohl schon seit langem im Besitze seines Namens gewesen, aber dennoch behauptet Don Luigi Baroldi in seiner obenerwähnten Arbeit, Seite 254, dass ihn die Deutschen »Kesselkugel« nennen. Mit dem Deutschen scheint der Verfasser also doch ein wenig Bekanntschaft gemacht zu haben, denn er hält Kogel für unrichtig und ändert es zu Kugel. Er ist ein warnendes Beispiel zu dem Sprichworte, welches sagt, ein wenig Kenntnis sei ein gefährlich Ding. Demselben Herrn zufolge nennen die Fassaner den Kesselkogel »Lastei di Campitello«. Da aber die Fassaner unter Lastei (wie auch Dr. Gambia() und Mitarbeiter, Ann. Trid. 1885, S. 102, erwähnen) »geneigte Flächen« verstehen, so wäre der Name »Lastei di Campitello« ein vom Standpunkte des Fassaners unbegreiflicher, denn besonders von der Campitelloseite her zeigt der Kesselkogel ganz steile Wände und keine »geneigte Fläche«. Die Fassaner hätten ihn allenfalls »Dir u p i di Campitello« nennen können, aber da sie dieses nicht getan, und ich keine Spuren davon gefunden habe, dass ihn die Fassaner »Lastei di Campitello« nennen, so können wir den Namen ganz fallen lassen, umsomehr als die Fassaner mit diesem Namen den Punkt 267o m östlich von der Fallwand bezeichnen wollen. Seite 109 ihres Aufsatzes behaupten Dr. Gambillo und Genossen, auf den »Grenzprotokollen« den deutschen Namen »Grossleiten« für den Kesselkogel gefunden zu haben und den italienischen »Cima della Valle del Lago«. Dass ehedem der Kesselkogel als »Grossleiten« dahinlebte, möchte ich bezweifeln, vielmehr dürfte sich der Name Grossleiten (oder Grasleiten) auf das Grasleitental beziehen, das sich südöstlich bis an den Fuß des Kesselkogels hinanzieht, und der Name, wie das ja oft geschieht, ungeschickt auf der Karte angebracht worden sein. Möglich ist es dagegen, dass sich die Bezeichnung » Cima della Valle del Lago « wirklich auf den Kesselkogel bezieht, denn erstens wäre wohl die höchste Erhebung der Gruppe auf den »Grenzprotocollen« nicht unerwähnt geblieben, und zweitens wäre der Kesselkogel auch als Cima della Valle del Lago — also Seetalkogel oder Seekogel — gut bezeichnet. Wie nun dem immer sein mag — ich habe die sogenannten Grenzprotocolle nicht gesehen —, wir tun gut daran, den Kesselkogel Kesselkogel sein zu lassen und wissen, dass wir auch in Fassa keinen halbwegs intelligenten Menschen finden, der den Namen nicht kennt.
Das Kesselkogeljoch liegt zwischen dem Kesselkogel und dem Seekogel. Ich weiß nicht, wer ihm diesen Namen gegeben hat, doch ist er so bezeichnend, dass er keiner Entschuldigung bedarf. Dieses Joch benennt Dr. Gambillo auf seiner Kartenskizze »Passo di Grasleiten«.

Zwischen Antermojakogel und Kesselkogel steht der Seekogel. Derselbe scheint bis zu Dr. Ludwig Darmstädter’s Besteigung (wahrscheinlich die dritte) am 26. Juni 1889 sich keines Namens erfreut zu haben. Wer ihn vom Grasleitentale aus gesehen, wird ihm das Recht auf seinen Namen nicht abstreiten, denn gar kühn und steil sind seine Abstürze gegen Westen.
Das Seekogeljoch ist die Einsenkung zwischen dem Seekogel und dem Antermojakogel. Der Name erklärt sich selbst, ist aber ein ganz neuer. Ein älterer scheint nicht zu existieren. Dies ist nicht merkwürdig, denn keine der Scharten zwischen Kesselkogel und mittlerem Molignon wurde ehedem als Passübergang benützt.
Der Antermojakogel erhebt sich zwischen Seekogel und mittlerem Molignon. Obwohl diese Benennung eine ziemlich neue, ist sie jetzt allgemein gebräuchlich und ganz bezeichnend. Der Name »Croda dei Cirmei«, den die Tridentiner Herren aufgestöbert haben, wird heutzutage niemals gehört, und wenn dieselben Herren auf den »Grenzprotocollen« den deutschen Namen »Ober der Grossleiten« fanden, so bezieht er sich schwerlich, wie sie glauben, auf den Antermojakogel. Das Wort »cirmei« kommt vom lateinischen cirrus (ladinisch cir, fassanisch zirm, deutsch Zirmeiche). Über die Bedeutung des Wortes »Antermoja« spreche ich weiter unten.

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