Eine Ersteigung der Elmauer Halt – Wilde Kaiser

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(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Jene Bergsteiger, welche nur schwierige Gipfel, oder wenn sie einmal doch einen leicht zugänglichen Berg mit ihrem Besuche beehren, sicher einen schwierigen Anstieg aufsuchen, kommen mir immer wie Leute vor, die sich nur von Trüffeln oder Kaviar nähren wollen. Ich bekenne mich zwar gerne als begeisterten Anhänger jener Art der Touristik, welche den Einsatz der vollen geistigen und körperlichen Kraft fordert, und kenne für meine Person kein schöneres Vergnügen, als unbekümmert um alle abfälligen Urteile derer, die in der Ausführung schwieriger Bergfahrten nur wahnsinnigen Sport sehen, die damit verknüpfte Stählung der körperlichen und moralischen Widerstandskraft aber nie erkennen wollen, meine Erfahrung und mein Können an trotzigen Bergeshäuptern zu erproben; aber wenn ich einige Zeit der »schärferen Tonart« gehuldigt habe, so sehne ich mich stets wieder nach einer leichten Tal- oder Bergwanderung, auf der ich mich ohne Rücksicht auf Zeit, Verhältnisse, Wetter und Rückweg von ganzem Herzen in die unendlichen Schönheiten der Alpenwelt versenken und sie mit Ruhe genießen kann. Wenn man auf einmal von diesem oder jenem Touristen hört, dass er dem Alpinismus Valet gesagt hat, so darf man in vielen Fällen annehmen, dass es ihm ähnlich wie dem Manne mit den Trüffeln gegangen ist : durch die leidige Gewohnheit, nur das Schwere aufzusuchen und die naturgemäß eintretende Übersättigung hat er sich gründlich den Magen verdorben und für längere Zeit allen Geschmack an Bergsteigen verloren.
In dieser weisen Erkenntnis ließen wir auf den Kaviar des Schneeloches die einfachere und zuträglichere Hausmannskost der Elmauer Halt folgen. Nicht, dass wir am Morgen des 27. Juli gleich mit dieser Absicht ausgegangen wären; als unser Trio — Freund Zimmermann musste uns leider verlassen — von Hinterbärenbad auszog, wollten wir, inkonsequent und neuerungssüchtig wie der Mensch nun einmal von Natur aus ist, dem Kulminationspunkte des Kaisergebirges sogar eine neue Seite abgewinnen und erst im Verlaufe der Tour kamen unsere besseren Triebe zum Durchbruche. Durch schattigen Wald, bald dem murmelnden Bache entlang, bald vom Waldesschweigen umfangen, schritten wir dem Plattencoloss der Kleinen Halt entgegen, um an den Fuß des in zwei großen Terrassen abstürzenden Hochtales der Scharlinger Böden zu gelangen. Wann wird sich endlich eine mildtätige Sektion des jammervollen Weges durch diese Böden erbarmen, dessen ganze Schrecken besonders derjenige auskostet, der ihn im Dunkel der Nacht begehen muss?

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Der Sektion Kufstein, deren Geldmittel in letzter Zeit durch größere und wichtigere Aufgaben festgelegt waren, ist freilich kein Vorwurf zu machen; jedenfalls aber wäre der alpinen Sache mit einem Wegbau auf die Elmauer Halt, die doch einer der vornehmsten und besuchtesten Gipfel der nördlichen Kalkalpen ist, viel mehr gedient, als mit manch’ unnützem Hüttenbau der letzten Jahre. Unter solchen Erwägungen stolperten, wir den wüsten Pfad hinan und ließen uns endlich aufatmend in der ebenen Sohle des oberen Scharlinger Bodens zu einer langen Rast nieder.
(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Der obere Scharlinger Boden zählt zu den schönsten und großartigsten Partien des Wilden Kaisers ; ein Kranz von himmelansteigenden Wänden , gekrönt von bizarren Zacken und Zinnen , umgibt seinen weiten, schutt- und schneeerfüllten Kessel und lässt nur gegen Norden auf das Plateau des Zahmen Kaisers den Ausblick frei. Ein steiler Geröllstrom von unangenehmer Beschaffenheit und noch unangenehmerer Länge zieht von hier bis zur Rothen Rinnscharte empor; ihn zu verfolgen passte uns durchaus nicht. Zu seiner Linken lagen noch Schneereste, die mit einer dunkel gähnenden Randkluft an die senkrechten Wände ansetzten. Ich weiß nicht mehr, wem der schlaue Gedanke kam, im innersten Grunde der Randkluft hinaufzukrabbeln; jedenfalls waren wir in der rechten, übermütigen Stimmung, diesen Gedanken mit Jubel zu begrüßen und zur Ausführung zu bringen. Recht reinlich war unser »Weg« wegen des schwarzen Lawinenschlammes, der allenthalben lag, freilich nicht, und manche enge Passage, die unsere dünneren Körper noch durchließ, entlockte Reuss stöhnende Ausrufe; auch benötigten wir sicher die doppelte Zeit, die uns die sonnenbeschienene Schutthalde gekostet hätte; aber schattig und kühl war es in unserer düsteren Kluft, und, was die Hauptsache war, wir hatten unseren Spaß dabei. Mit wahrem Bedauern tauchten wir wieder ans Tageslicht empor, als wir in die Nähe der Scharte kamen.
Es war so warm und schön und friedlich still ringsum, dass es mir wie eine Entweihung erschienen wäre, heute aufregenden Kampf und trotzigen Streit in die hehre Bergeswelt zu tragen. Keiner dachte mehr an das »Problem«, das wir uns eigentlich gestellt hatten: die Durchkletterung der Südwand der Elmauer Halt. Wir ließen die Südwand unbehelligt rechts liegen und zogen friedlich das steile und brüchige Geschröf der allgemein begangenen Route hinan. Durch die bekannte Achselrinne, eine Felskluft, welche Bresche in dieses Bollwerk des Gipfelturmes legt, und auf einem sanft ansteigenden, scherzweise von den Münchener Alpinisten »Maximiliansstrasse« getauften Bande, waren wir bald bei dem kleinen Unterstandshüttchen, einige Meter unter dem Gipfel, angelangt, und sandten wenige Sekunden später, das hohe Kreuz umklammernd, von der scharfen Schneide des höchsten Kaisergipfels unsere jubelnden Grüsse in die weite Ferne.
Die Luft war nicht ganz so klar und durchsichtig, wie am Tage vorher, aber was in einen dunstigen Schleier gehüllt war, das zog. uns Freund Reuss’ Zeiss’sches Trieder-Binocle so herbei, dass alle Verhüllung nichts half und jedes Detail unseren indiskreten Blicken geoffenbart wurde ; dominierend wie immer wirkte in dem weiten Panorama die makellose Firnkette der Zentralalpen, auf deren Gletschern uns das Fernglas sogar jedes Spaltensystem zeigte.
Langsam, wie wir gekommen waren, stiegen wir dann mit Freunden, die wir auf der Spitze angetroffen hatten, auf demselben Wege — die Randkluft ließen wir diesmal wohlweislich unbenützt — nach Hinterbärenbad ab. Und wenn ich jetzt mein Tagebuch durchblättere und mein Auge über manch’ ruhmvollen Namen schweift, der stolze Erinnerung an kühnes Handeln in der Brust wachruft, so fällt mein Auge doch mit kaum geringerer Befriedigung auf ein Kapitel, das die schlichte Überschrift trägt: »Ein Bummel auf die Elmauer Halt«.

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