Die Umrahmung des Griesener Kar bzw. des Goinger Kaiser – Kaisergebirge

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(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Als Schlussglied des Wilden Kaisers erhebt sich jenseits des Elmauer Tores der gewaltige Felscircus des Goinger Kaisers. Wie der Elmauer Kaiser, zerfällt auch er in drei Querkämme, welche aber im Gegensatz zu jenem durch eine durchgehende Längskette, den Ackerlspitzzug, unter sich verbunden sind. Die einzelnen Gipfel werden weniger massig, die Scharten sind nicht mehr so tief eingeschnitten, aber durch eine ganz unglaubliche Zersplitterung und Zerzackung im Detail machen die Gipfel den Eindruck unbändiger Wildheit.

(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Der Querkamm der Goinger Halten. Parallel mit dem gegenüberliegenden Karlspitzstock laufend, bildet dieser Querkamm die westliche Begrenzung des Griesener Kares. Oberhalb des Elmauer Tores erheben sich die Vordere und die Hintere Goinger Halt, 2244 resp. 2194 m; nach Norden läuft von ihnen ein gewaltiger, unersteiglich scheinender Felsturm, der Predigtstuhl, ca. 2100 m, aus; von der Vorderen Goinger Halt zieht der Hauptgrat über den westlichen Teil der maßlos zerrissenen Törlspitz en in südsüdöstlich gerichtetem Bogen zur Scharte des Kleinen Törls, 2111 m, einem Übergang von Elmau in .das Griesener Kar, wo der Längszug der Ackerlspitze sich anschließt.

(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Die Hintere Goinger Halt gehört zu den wenigen, wirklich leicht zugänglichen Kaisergipfeln. Nichts desto weniger dauerte es bis zum 26. Juli 1879, bis sie von Touristen, und zwar von Babenstuber und G. Hofmann mit Mallhansl, betreten wurde. Dieselben nahmen ihren Weg vom Elmauer Thor über die Schrofen der Westseite. Zwei Jahre früher, am 6. Juli 1877, war schon ihre südliche und höhere, aber auch etwas schwierigere Namensschwester von G. Hofmann mit dem gleichen Führer erstiegen worden. (s. »Erschl. der Ostalpen«.) Jetzt zählen die beiden aussichtsreichen Gipfel zu den häufig besuchten. Einen noch weiter südlich vorgeschobenen Vorgipfel hat Herold am 22. Juli 1895 erklettert. Wesentlich schwieriger sind die Anstiege von Osten aus dem Griesener Kar. Es ist uns überliefert, dass der Gemsjäger Georg Lackner im Jahre 1836 aus dem unteren Ende des Griesener Kares direkt auf die Hintere Goinger Halt stieg. Einen ähnlichen Weg scheinen Philipp Scheiner und Führer Tavernaro am 14. Juli 1895 gewählt zu haben, als sie von der Einsattlung zwischen den beiden Goinger Halten in das Griesener Kar gelangten.1) Schon früher war Georg Winkler (am 28. Mai 1886) von der vorderen Spitze aus in den obersten Teil des Griesener Kares gestiegen, welche Tour unter Auffindung günstiger Varianten von A. von Krafft (am 25. Mai 1890), von P. Naumann und W. Grahl (im Sommer 1894), und von L. Distel, Hans Pfann, W. Wunder und dem Verfasser (am 23. Juni 1895) wiederholt wurde.

Der in neuerer Zeit wegen seiner Schwierigkeit zu einer gewissen Berühmtheit gelangte Predigtstuhl fand seine Eroberer am 30. Juni 1895 in Ph. Scheiner und Führer Tavernaro, von der Scharte zwischen Predigtstuhl und den Goinger Halten.’) Und zwar betraten sie sowohl den südlichen Haupt- als auch den etwas vorgeschobenen Nordgipfel. Diesen letzteren erreichte als Zweiter Anfang Juli 1895 Karl Botzong allein auf neuem Wege direkt von der Steinernen Rinne durch den außerordentlich schwierigen Riesenkamin, welcher von der ersten kleinen Scharte nördlich des Hauptgipfels durch die Westwand herabzieht. Die Verbindung beider Routen und damit die Überschreitung des kühnen Felsturmes haben zum ersten Male Dr. Richard Schmidt, Frau Else Schmidt und der Verfasser am 29. Juni 1896 durchgeführt. Der Verfasser wird später auf diesen interessanten Felsgipfel zurückkommen.

(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Aus dem westlichen Teile der Törlspitzen,  unter denen man, wie gesagt, bei ihrer nahezu gleichen Höhe und maßlosen Zersplitterung nicht recht eine Gipfelindividualität herausfinden kann, scheint nur eine einzige, durch Dr. Bröckelmann und Erhard von Krafft am 30. August 1891 betreten worden zu sein.

Der Ackerlspitzkamm. In leicht nach Süden gewölbtem Bogen verläuft der Hauptkamm vom Kleinen Törl über den östlichen Ast der Törlspitzen, in welchem sich nur zwei hervorstechende Gipfelbauten, die Jochofenspitze und die Höchste Törlspitze befinden, zur Hochgrubach- und Ackerlspitze, 2335 m, und weiter rein östlich zum östlichsten Gipfel im Wilden Kaiser, zur Maukspitze, 2227 m.

(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Die Ackerlspitze ist der erste Gipfel im Kaisergebirge, von dessen Besuch durch einen Fremden wir Kunde haben. Wie schon dargelegt wurde, war es Professor Turwieser, der auf den Ehrentitel des ersten touristischen Ersteigers dieses schlanken Felsturmes, der mächtig alle seine Vasallen im Griesener Kar überragt, Anspruch erheben konnte. Auch jetzt noch ist der von ihm eingeschlagene und genau (s. »Erschl. der Ostalpen«) beschriebene Weg über den Niedersessel zur Maukspitze und von da über die Ackerlschneide von Osten zur höchsten Erhebung der gebräuchlichste, der nur bei genügender Schneelage durch direktes Ansteigen über den Hochsessel zur Ackerlschneide abgekürzt wird. Die Schwierigkeiten sind ungefähr dieselben wie bei der Elmauer Halt. (nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Außerdem führen noch zwei “Wege, der eine von der Hochgrubachspitze her über den Westgrat, der andere von Norden aus dem Griesener Kar auf die Ackerlspitze. Den Westgrat hat zuerst Karl Hofmann mit Mallhansl im Abstieg begangen; sie umgingen dann die Hochgrubachspitze auf ihrer Nordseite, berührten am Schönwetterfensterl, einem durch einen gewaltigen Felsblock überbrückten Kammeinschnitt zwischen der Hochgrubach- und höchsten Törlspitze, wieder den Hauptgrat und stiegen dann jenseits nach Süden durch eine steile Schneeschlucht ab. Die Griesenerkar-Route dagegen wurde zuerst von G. Hofmann und Anton Hild am 6. Juli 1884 eingeschlagen (siehe »Erschl. der Ostalpen«). Wenige Minuten westlich vom Gipfel stiegen die Genannten direkt über mit Grasbändern durchsetzte Schrofenhänge zum Griesener Kar ab, das zwei Stunden nach Verlassen des Gipfels betreten wurde. Die Schwierigkeiten übertreffen diejenigen des üblichen Aufstieges kaum ; von Hinterbärenbad oder der Griesener Alm Kommende wählen jetzt mit Vorliebe diesen Weg, der es erlaubt, die ganze Felsumrahmung des Griesener Kares kennen zu lernen.

Die Kammstrecke Ackerlspitze-Törlspitzen  wird leider nur höchst selten betreten und der Verfasser ist daher nicht in der Lage, zu den spärlichen Notizen, welche die »Erschließung« auf Seite 243/44 bringt, bedeutende Nachträge zu bringen.

Im Juni 1893 erstieg Oscar Schuster mit Führer Preiss eine der kleineren Törlspitzen westlich der höchsten, welche durch ihre turmartige, trapezförmige Gestalt ins Auge fällt, unter bedeutenden Schwierigkeiten. Eine genaue Beschreibung des Überganges von der Ackerlspitze bis zur höchsten Törlspitze lieferte Heinrich Hess in der Ö. A.-Z. 1888, S. 297; eine solche des Aufstieges auf letztere von Norden aus dem Griesener Kar und eines direkten Abstieges von der Hochgrubachspitze in das Griesener Kar Albr. von Krafft in der Ö. A.-Z. 1893, S. 143.

Die Maukspitze, welche früher nur vom Niedersessel über den Südgrat, die »Flohschneide«, und von Westen von der Ackerlschneide her betreten worden ist, wurde im Jahre 1896 auch über die Ostwand und den Nordostgrat von den Brüdern Radio-Radiis erklettert.

(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Der Querkamm Kleinkaiser (2025 m, Aner. Kiesewetter) — Mitterkaiser (2008 m, Aner. Kiesewetter). Diese beiden als Gipfelindividualitäten unbedeutenden Felsgipfel entragen als isolierte Zacken dem Griesener Kar, welches durch sie in zwei Teile, das Grosse oder Westliche und das Kleine oder Östliche Griesener Tor zerlegt wird. Entgegen allen anderen Querkämmen, welche an ihren südlichen Endpunkten oder noch früher sich mit dem Hauptkamme verknoten, sind sie durch einen auffälligen und tiefen Sattel von den Nordwänden des Ackerlspitzzuges getrennt. Vom oberen Boden des Griesener Kares, aus dem sie sich nur wenig erheben, sind beide leicht zugänglich; besonderen Eindruck macht der Mitterkaiser von Norden, da er mit einer grandiosen, dreieckigen Wand von nahezu 1000 m Höhe bis in die Talsohle des Kaiserbachtales niedersetzt. Die ersten touristischen Ersteigungen der beiden Spitzen, welche wegen ihrer geringen Bedeutung selten besucht werden, führten A. von Krafft und Dr. P. Kiesewetter am 8. August 1890 aus.

Der Querkamm Gamsfluchten-Lärcheckspitze. In diesem letzten Querkamm zeigt der Wilde Kaiser noch einmal seine ganze Majestät. Von der Ackerlschneide, ziemlich weit östlich des Gipfels, springt der Kamm nordöstlich vor und flankiert nunmehr in einer großartigen, ebenso sehr durch Längenausdehnung als durch Wildheit imponierenden Felsmauer das Östliche Griesener Tor. Über die Vordere Gamsflucht, ca. 2190 m, streicht der zackenreiche Grat zu der weit entfernten Hinteren Gamsflucht, ca. 2150 m, um von hier zu einer tiefen Scharte, dem Griesschartl, abzufallen und jenseits sich nochmals zu dem gewaltigen Felskoloss der Lärcheckspitze, 2120 1/2, emporzuschwingen, der dann mit plattengepanzerten Wänden als letzter Eckpfeiler des Wilden Kaisers das Kaiserbach- und Kohlntal beherrscht.

(nur registrierte User sehen den Link, login oder registriere dich)Die Gams fluchten galten sogar bei den Jägern des Kaisers als unersteiglich, bis auch sie im Jahre 1895 ihre Jungfräulichkeit einbüssten. Zuerst wurde die Hintere Gamsflucht durch S. Frhr. von Reuss und den Verfasser erstiegen, welche am 28. Juni, von der Griesener Alm ausgehend, die Westwand bis zur tiefen Scharte südlich der Spitze durchkletterten und von hier aus in sehr schwierigem Aufstieg den Gipfel erklommen. Zu jener Zeit hatte die Spitze den Ruhm, der schwierigste zugängliche Gipfel im Kaiser zu sein — aber nur 24 Stunden lang; denn schon am folgenden Tage erreichte Herold, von der Lärcheckspitze kommend, auf wesentlich leichterem Wege die stolze Zinne. Die höhere Vordere Gamsflucht fand eine Woche später ihre Bezwinger, indem Karl Botzong und W. Wunder sie anfangs Juli erkletterten.

Die Lärcheckspitze, deren touristische Ersteigungen sehr spärlich sind (siehe Erschl. der Ostalpen), wurde touristisch bisher stets mit Benützung der zum Griesschartel von Westen hinaufziehenden Geröllreisse und über die Westwand erklettert. Neuerdings ist es aber doch Ad. Mayerhofer und Leo Hilzensauer gelungen, denn von Jägern einige Male begangenen, später öfters vergeblich versuchten Weg von Osten zum Griesschartel und von hier direkt zur Spitze durchzuführen.

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