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Die ausgesprochene, etwas einförmige Längsrichtung, wie sie im Scheffauer Kamme ausgeprägt ist, hört mit dem Beginne des Elmauer Kaisers plötzlich auf; das Gebirge baut sich nunmehr hauptsächlich in ungeheuren, zu einander parallel laufenden Querkämmen auf, welche nach Norden ausnahmslos in furchtbaren Steilwänden bis zur tiefliegenden Talsohle niederbrechen, an ihren südlichen Endpunkten dagegen durch wildzerzackte Felsmauern verbunden sind, die nicht minder steil, aber weniger hoch auf das südlich vorgelagerte Mittelgebirge abfallen. Dadurch entstehen zwischen den Querkämmen eine Reihe von nach Norden offenen Mulden, welche, zu eng und zu steil, um sie als Tal, zu groß, um sie als Schlucht, zu tief eingeschnitten und zu mächtig, um sie als Kar zu bezeichnen, zu den großartigsten Schaustücken des Wilden Kaisers gehören und die natürliche Zugangsroute zu den meisten Spitzen bilden. Der Elmauer und der Goinger contrastieren daher beide ebenso sehr gegen den Scheffauer Kaiser, wie sie sich untereinander im Grundtypus ähnlich sind. Aber der ungeheure Doppelbogen des Elmauer Kaisers hat vor seinem östlichen Rivalen doch dreierlei voraus : er steht im eigentlichen Zentrum des ganzen Gebirges, er besitzt die größte allgemeine Erhebung, und er weist vor allem stärker individualisierte, durch tiefere Scharten geschiedene, mit einem Worte gewaltigere Felsgerüste auf als jener.

Der Elmauer Kaiser, dessen Zusammenhang mit dem Scheffauer Kaiser schon früher dargelegt wurde, besteht aus drei solchen großartigen Querkämmen, dem Zug Sonneck-Treffauer, dem Stocke der drei Halten und dem Karlspitzstock, welche zwischen sich Raum für die Scharlinger Böden und den Hohen Winkel lassen, während ihn der breite Einschnitt des Elmauer Tores vom Goinger Kaiser trennt.

Der Zug Sonneck-Treffauer. Der Grat dieses Querkammes verläuft von dem am weitesten nach Norden vorgeschobenen Gamskarköpfl, 2044 m, das in hoher Wandflucht gegen das Kaisertal absetzt, über eine seichte Einsattlung streng südlich zum Sonneck, 2258 m, um sodann südöstlich abzubiegen und diese Richtung bis zum viergipfligen Treffauer (scil. Kaiser), 2304 m, beizubehalten. Dieses letztere Kammstück ist in der Karte stark verzeichnet und die falsche Nomenklatur hat schon zu vielen Irrfahrten in dem verwickelten Terrain Anlass gegeben. Das Kleinkaiserl, ca. 2100 m, ein isolierter Felszacken zwischen Treffauer und Sonneck, ist viel zu nahe an ersteren hingerückt ; der Name Treffauer Lucke kommt nicht der namenlosen Scharte zwischen Sonneck und Kleinkaiserl, sondern der durch einen niedrigen Felsturm gedoppelten Scharte zwischen letzterem und dem Treffauer zu; unter Schneekar-Rinnl versteht man, wie schon der Name sagt, keine Scharte, sondern einfach die von der Treffauer Lucke nach Westen zum Schneekar ziehende Rinne.

Vom ersten Gipfel des Treffauers löst sich ein starker Sporn nach Westen los, welcher zwischen sich und dem Sonneck Raum für das Schneekar lässt, während vom vierten oder Hauptgipfel ein gewaltiger Grat in kühnem Schwunge über den Vorgipfel des Tuxecks sich ins Sölland niedersenkt und andererseits der wildzerrissene Hauptkamm in ostnordöstlicher Richtung zum Kaiserkopf, ca. 2100 m, und zur Rothen Rinnscharte zieht, wo er sich mit dem wieder nördlich streichenden Querkamm der drei. Halten verknüpft. Die östliche und nördliche Begrenzung des Zuges Sonneck-Treffauer bilden der untere und obere Scharlinger Boden.

Über die ersten touristischen Ersteigungen des Sonnecks, das neben dem Scheffauer der leichtest zugängliche Gipfel im Wilden Kaiser ist, erzählt die »Erschließung der Ostalpen«, Band I, Seite 260. In Trautwein’s Monographie ist eine genaue Beschreibung der zwei gewöhnlich begangenen Routen von Bärenstatt über den Wiesberg und von Hinterbärenbad durch das Gamskarl gegeben. Eine bisher noch nicht wiederholte Leistung ersten Ranges ist die Erkletterung des aussichtsreichen Gipfels direkt vom unteren Scharlinger Boden über die ungeheure Steilwand der Ostseite durch Eduard Schmidt am 10. August 1891. Schon früher hatte der gleiche Alpinist das Sonneck auf einem gänzlich neuen Wege erreicht, indem er unter bedeutenden Schwierigkeiten den Grat vom Kleinkaiserl zum Sonneck verfolgte,  nachdem er am selben Tage die erste Ersteigung des ersteren aus dem oberen Scharlinger Boden durchgeführt hatte. Dieser schöne Übergang wurde von Albrecht von Krafft am 30. August 1893 wiederholt, wobei Krafft durch die Auffindung eines Gemspfades, der quer durch die Ostmauern des Sonnecks leitet, eine wesentlich kürzere und leichtere Verbindung fand. Hans Leberle und Max Übel haben im Sommer 1895 eine ähnliche Route gewählt und ihre Wanderung dann bis zum Scheffauer ausgedehnt. Das Kleinkaiserl erstiegen zuerst Dr. Alois Zott und die Brüder Zametzer, welche es im Jahre 1882, vom Treflauer kommend, von der Treffauer Lucke erreichten.

Der Treffauer kann auf nicht weniger als fünf Routen erreicht werden. Die am meisten begangene ist jene, welche Bonnet und Dietrich am 11. Juli 1880 eröffneten, indem sie vom Schneekar aus zu dem westlichen Felssporn des ersten Gipfels emporkletterten und über diesen zur Gipfelkrone gelangten. Der älteste Weg (jener Schlagintweit’s) ist derjenige durch die Mutter, ein nach Westen sich öffnendes Felskar zwischen dem Tuxeck und dem mehrfach erwähnten Felssporn, welches unten mit Steilwänden abbricht, die durchklettert werden müssen, um in die Mutter zu gelangen. Diese beiden Routen sind mäßig schwierig zu nennen; darin ihnen gleichstehend ist der Aufstieg über den Nordwestgrat von der Treffauer Lucke, welche ihrerseits leicht durch das Schneekar-Rinnl, schwieriger durch eine steile Rinne vom oberen Scharlinger Boden erreicht werden kann. Besucher des Treffauers, welche ihren Abstieg nach Hinterbärenbad nehmen wollen, werden namentlich darauf aufmerksam gemacht, dass die richtige Rinne jene ist, welche vom nördlichen Ende der durch einen Felsturm gedoppelten Lucke nach Osten hinabführt. Die ersten Begeher des Nordwestgrates waren Babenstuber und Georg Hoffmann mit Peter Schiesslinger am 15. September 1869; die erste Überschreitung der Treffauer Lucke erfolgte durch Max Oberwallner mit Führer Widauer im Jahre 1885.

Die schwierigsten und zuletzt aufgefundenen Routen auf den Treffauer sind diejenigen direkt vom oberen Scharlinger Boden durch die Nordwand und die über den wildzerrissenen Ostgrat. Es ist das Verdienst Widauer’s , die nahezu 500 m hohe Nordwand bezwungen zu haben. Mit Max Oberwallner und Christian Schöllhorn durchkletterte er sie am 3. Juni 1886 in sieben Stunden von Hinterbärenbad indem er den Anstieg in ziemlich gerader Linie zur Scharte zwischen dem dritten und Hauptgipfel nahm. In der unzugänglich aussehenden Wand befindet sich eine große Anzahl von flachen Rinnen, von denen aber die meisten die Möglichkeit eines Aufstieges gewähren, so dass jetzt drei bis vier Routen bekannt sind, welche, obwohl in der Nähe der Widauer’schen liegend , sich mit derselben nicht decken. Den langen Ostgrat , den mächtigsten von allen, welche das gewaltige Felshaupt des Treffauers stützen, begingen am 31. Mai 1893 A. v. Krafft und Friedrich Rosenpläuter.2) Wohl infolge des Winterschnees, der noch tief in den Schluchten lag, mit deren Hilfe die meisten Grattürme umgangen wurden, trafen sie nicht die erwarteten Schwierigkeiten; zur Sommerszeit dürfte die Tour harte Arbeit verursachen. Der Lösung harren am Treffauer noch zwei große »Probleme« : Die Ersteigung über den Südostgrat, und über die zum Grutten abstürzende Ostwand.

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Der Stock der drei Halten. Durch die schmalen Scharten des Kopftörls, ca. 2100 m, vom Karlspitzstock, und durch die Rothe Rinnscharte von dem Massive des Treffauers getrennt, schiebt sich der ungeheure Felsklotz der drei Halten zwischen die Scharlinger Böden und den Hohen Winkel. Nach allen Seiten mit Steilwänden niederbrechend, die insbesondere nach Norden, Osten und Westen wahrhaft riesige Dimensionen annehmen, stellt er sich als der imposanteste sämtlicher Querkämme des Wilden Kaisers dar. Am weitesten nach Süden vorgeschoben ist der Kulminationspunkt des ganzen Gebirges, die Elmauer Halt, 2344 m; es folgen die Gamshalt, 2293 m, sodann die Kleine Halt, 2113 m, deren ungeheurer Abbruch zum Kaisertal das Glanzstück von Hinterbärenbad ist, und als Vorsprung in der Nordwand der Kleinen Halt die orographisch unbedeutende, aber durch ihre Schwierigkeit bekannte Todtensesselspitze, ca. 1600 m.

Der einzige Punkt, von dem diese nahezu 2 km lange, mit dem Langkofel wetteifernde Mauer ohne wesentliche Hindernisse angegriffen werden kann, ist die Rothe Rinnscharte, welche, sei es von Hinterbärenbad durch die Scharlinger Böden, sei es von Elmau über den Grutten und durch die Rothe Rinne erreicht werden muss, um auf der gewöhnlichen Route zur Elmauer Halt zu gelangen. Die ersten Ersteigungen verzeichnet die »Erschließung der Ostalpen«. Der Berg gehört nunmehr, obwohl die Beschwerden nicht zu unterschätzen sind (Zugspitze, Mädelegabel und ähnliche sind hierin nicht mit ihm zu vergleichen), zu den viel frequentierten und sein Besuch wird sich noch steigern, wenn einst für die dringend notwendigen Wegverbesserungen in den Scharlinger Böden und am Gipfelbau gesorgt ist. Von den beiden weiteren, wesentlich schwierigeren Routen auf die Elmauer Halt wurde zuerst der Übergang von der Kleinen Halt, die ihrerseits aus dem oberen Scharlinger Boden über die »Haltplatten« erreicht wird, über die Gamshalt zur Elmauer Halt bewerkstelligt. Dieser Weg ist seit langem den Jägern bekannt, welche an der Gamshalt eine »Sulz« für Gemsen unterhalten. Als erster Tourist benützte ihn Bonnet mit Mallhansl am 14. Juli 188o und zwar im Abstieg, wobei zugleich auch die ersten touristischen Ersteigungen der Gamshalt und der Kleinen Halt ausgeführt wurden. Als Aufstieg wählten ihn zuerst Ernst Mennet und Joseph Mader mit Führer Caspar Pirkner am 3. Juni 1889; die nächsten waren A. von Krafft am 28. Mai 189o, Dr. P. Kiesewetter und W. Mauke mit C. Pirkner am 22. Juni 1890 (s. »Erschließung«), und Oscar Schuster mit Führer Punz (Preiss), Karl Neumann und der Verfasser am 4. Juni 1892. Heute ist die großartige und nicht allzu schwere Partie eine Lieblingstour aller das Kaisergebirge aufsuchenden Hochtouristen.

Über die komplizierte und hohe Wand, welche die Elmauer Halt nach Nordosten zum Hohen Winkel absetzt, erklommen die stolze Zinne am 28. Juli 1884 Max Oberwallner und Widauer (s. »Erschließung«). Diese Route ist die schwierigste bis jetzt bekannte. Noch viermal wurde die pikante Kletterei unternommen: durch G. Winkler und A. Dietz am 8. August 1887, durch A. von Krafft und 0. Koch am 18. September 1888. Eine Kombination der Hochwinkelroute mit dem Wege über die Kleine Halt und die Haltplatten glückte am 2. August 1893 Wilhelm Teufel und dem Verfasser; Karl Botzong und Hans Leberle folgten hierin im Sommer 1895 unseren Spuren. Die Durchkletterung der Südwand der Elmauer Halt, sowie die Ersteigung direkt aus dem oberen Scharlinger Boden durch einen gewaltigen Riss, der in der kleinen Mulde zwischen Elmauer und Gamshalt endigt, stehen noch aus. Letztere ist von Führer Tavernaro vergeblich versucht worden.

Der Vorsprung des Totensessels wird hie und da von Jägern betreten; ob vor Winkler und Dr. A. Zott (am 3. Oktober 1886) der schroffe Gipfelzacken betreten wurde, ist sehr zweifelhaft. Dieselben nahmen ihren Aufstieg durch das außerordentlich wilde Couloir, welches von der Scharte zwischen Totensessel und Kleiner Halt nach Osten in den Hohen Winkel zieht, den Abstieg dagegen durch die zum Teil mit Latschen bewachsenen Abstürze der Westseite direkt nach Hinterbärenbad. A. von Krafft hielt sich (am 22. September 1888) nördlich vom Couloir in den Wänden selbst. Die dritte Ersteigung erfolgte durch 0. Schuster mit Führer Preiss Ende Mai 1892, die vierte durch dieselben, sowie Karl Neumann und den Verfasser am 5. Juni 1892. Seitdem ist der trotzige Zacken noch etwa zehn Mal, meist von Mitgliedern des Akademischen Alpenvereins München, betreten worden.

Die Lösung des vornehmsten »Problems« im Haltspitzstock, die Erkletterung der Klein en Halt über die ungeheuren Abbrüche in das Kaisertal war dem Verfasser und seinem Freunde Sigmund Frhr. von Reuss-Bleckendorf vorbehalten, indem sie am 29. Juni 1895 die Kleine Halt vom Totensessel aus über die Nordwestwand erstiegen. Nach wenigen Wochen schon folgten die zwei kühnen Felsldetterer Ludwig Distel ‚und Carl Botzong; dieselben dehnten sogar bei einer neuerlichen Wiederholung im Juli 1896 ihre Tour noch bis zur Elmauer Halt aus. Auch G. Herold aus Rosenheim und G. Peter aus München gelang die Erkletterung der Kleinen Halt, und zwar vom Totensessel ausgehend, im Sommer 1896.

Der Karlspitzenstock. Dieser Teil des Wilden Kaisers kommt an Wucht der Erscheinung den drei Halten nahe, übertrifft sie sogar an eindrucksvoller Wildheit der Felsenwelt und bildet daher das Lieblingsziel der Hochtouristen.

Der Hauptkamm, welcher vom Kopftörl, ca. 2100 m, nordöstlich zur Vorderen Karlspitze, 2291 m, ansteigt, erleidet hier, indem er zur Hinteren Karlspitze, 2284 m, umbiegt, eine Knickung nach Norden. Von letzterem Gipfel lösen sich nach Nordwesten und Nordosten Seitenkämme los, welche in sich zwei der kühnsten Felsbauten des Kaisers tragen : jenseits einer tiefen Scharte, der Winklerscharte, erhebt sich der grandiose Obelisk des Totenkirchels, 2193 m, dessen prächtige Gestalt jedem Besucher von Hinterbärenbad in Erinnerung bleibt, die andere Abzweigung schwingt sich zur Fleischbankspitze, 2095 m, empor. Beide lassen zwischen sich Raum für einen unsäglich wilden und einsamen, mit ewigem Schnee gefüllten Felskessel, das Schneeloch, gegen welches sowohl die erwähnten, flankierenden Gipfel, als auch die Hintere Karlspitze mit furchtbaren Steilwänden abbrechen. Mit Wänden setzt das Massiv der Karlspitze selbst auch zum Hohen Winkel und nach Osten zum breiten Sattel des Elmauer Tores, 1959 m, nieder, das die Verbindung zwischen Elmauer und Goinger Kaiser herstellt.

Drei Aufstiege auf die Karlspitzen waren von Jägern sicher schon vor den Touristen begangen: der vom Kopftörl, vom Elmauer Thor und der aus dem mittleren Teile des Hohen Winkels. Der vom Kopftörl, obwohl unter den genannten der schwierigste, wurde bei der ersten touristischen Ersteigung am 14. Juni 1895 von Babenstuber und G. Hofmann mit Mallhansl benützt, während der Abstieg zum Elmauer Thor angetreten wurde. In der »Erschl. der Ostalpen« ist eine Beschreibung enthalten. Die Kopftörlroute, obwohl lange fast ausschließlich im Gebrauch, ist gegenwärtig ganz aufgelassen, seitdem der schon lange von Jägern benützte Weg aus dem mittleren Teile des Hohen Winkels durch die Westwand auch den Touristen bekannt wurde. Das dauerte merkwürdigerweise bis zum Jahre 1894, in welchem Georg Fellner und Eduard Schmidt auf dieser Route die Spitzen erreichten. Verschiedene führerlose Partien, welche, von anderen Seiten kommend, den sehr komplizierten richtigen Abstieg zum Kopftörl oder Hohen Winkel nicht auffanden, haben die sehr schwierige Westwand auch an anderen Stellen durchklettert.

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Außer den genannten drei, vom hochtouristischen Standpunkte aus als mittelschwer zu bezeichnenden Aufstiegen, existieren noch vier Routen von sehr beträchtlicher Schwierigkeit. Im Jahre 1883 erkämpfte sich L. Purtscheller den Zugang zur Vorderen Karlspitze direkt über die wilden Zacken des Kopftörlgrates, eine Leistung ersten Ranges, für die sich noch kein Nachfolger gefunden hat.2) Von der Winklerscharte, zwischen Totenkirchel und Hinterer Karlspitze ausgehend, durchreißt das großartige, in Hinterbärenbad auffällig in die Augen springende Winklercouloir das Gewände und trennt das Massiv der beiden genannten Berge. Mit Benützung dieser Schlucht kann die Hintere Karlspitze auf zwei Wegen erstiegen werden. Am 26. April 1886, unter dem Donner der Lawinen und dem Fallen der Steine, erreichte G. Winkler allein durch das sehr schwere Couloir die später nach ihm benannte Scharte und kehrte auch wieder durch die Schlucht zurück. Spätere Versuche, das Couloir zu durchklettern, missglückten lange Zeit. Dr. P. Kiesewetter und A. v. Krafft erstiegen den Gipfel am 7. Oktober 189o, indem sie das Couloir bis zur Hälfte benützten, dann — durch Steinfall veranlasst — auf die rechtsseitige Begrenzungsrippe auswichen und zum Schlusse den Gipfelturm direkt von Westen erkletterten. Karl Neumann und der Verfasser wiederholten die Krafft’sche Tour mit dem kleinen Unterschiede, dass sie das Couloir noch früher verließen, am 31. Juli 1892. Zum ersten Male nach Winkler gelang wieder die vollständige Durchkletterung des Couloirs Frau Luise von Chelminski, k. bayer. Hauptmann L. Stritzl und dem Verfasser am 2. August 1894. Von der Winklerscharte aus stiegen wir nach links in die Nordwand der Karlspitze ein und erreichten über ihre schwierigen Felsen den Gipfel. Dieser letzte Teil unseres Aufstieges war bei den zwei bis zu jenem Zeitpunkt ausgeführten Überschreitungen des Totenkirchels schon begangen worden, worauf ich unten zurückkommen werde.

Die Fleischbankspitze eroberten am 11. Juli 1886 Christian Schöllhorn und Widauer, indem sie von der Karlspitze aus zur Scharte zwischen beiden Gipfeln (»Schöllhornscharte«) herabstiegen und durch einen Riss den schroffen Turm erkletterten. Auf derselben Route folgte ihnen am 29. August desselben Jahres Winkler. Eine völlig neue Route fanden am 1o. August 1890 A. von Krafft und Dr. P. Kiesewetter, indem sie von dem schwer zugänglichen Schneeloch aus die Fleischbank- und die Hintere Karlspitze erklommen. Diese Tour, eine Felskletterei ersten Ranges, ist mehrfach wiederholt worden: am 30. Juni 1895 durch C. Botzong, Ph. Reuter, W. Wunder, am 29. Juni 1896 durch H. Hahn und H. Pfann, welche sich in der das Schneeloch abschließenden Wand stark nach rechts hielten und so die Winklerscharte zum ersten Male direkt vom Schneeloch erreichten, und am 26. Juli 1896 durch E. Enzensperger, S. Frhr. von Reuss, Fr. Zimmermann und den Verfasser. Sehr bemerkenswert ist noch folgende Tour, welche Carl Botzong im Juli 1895 allein ausführte: Aufstieg durch das Couloir zur Winklerscharte, die Nordwand der Karlspitze querend zur Schöllhornscharte und auf die Fleischbankspitze, Abstieg durch das Schneeloch. Der 800 m hohe Nordgrat der Fleischbankspitze ist noch nicht betreten worden, obwohl seine Überkletterung möglich sein dürfte.

Das Totenkirchel gehört zu den berühmtesten Bergen der Ostalpen und berechtigt zu einer solchen Berühmtheit ebenso sehr durch den Adel seiner Erscheinung wie durch seine interessante Geschichte. Der ungeheure Obelisk, der als Grenzsäule zwischen Kaiser- und Kaiserbachtal steht, fällt nach den meisten Seiten nahezu senkrecht ab nur im östlichen Teile der Nordwand stützt ihn ein kräftiger Pfeiler. Ein einziger Grat, der zur Winklerscharte ziehende Südostgrat, ist scharf ausgeprägt, sonst sind nur in halber Höhe des Berges Ansätze zur Bildung eines Nordwestgrates vorhanden, um den sich drei Terrassen lagern, welche durch hohe Wandstufen getrennt sind. Über diese Terrassen führen die üblichen Wege.

Die erste Ersteigung gelang nach vielen vergeblichen Versuchen G. Merzbacher mit dem Führer Steinackerer am 16. Juni 1881 (s. »Erschl. der Ostalpen«). Sie erkletterten die die Terrassen trennenden Mauergürtel durchwegs auf der Westseite an ihrem südlichsten, über dem Hohen Winkel abbrechenden Ende. Die Beschreibung Merzbacher’s war abschreckend genug, aber dennoch folgte schon wenige Wochen später, am 13. Juli, auf einem großenteils neuen Wege, das große führerlose Münchener Alpinistentrio der damaligen Zeit, Dr. A: Zott und die Brüder Zametzer. Bis zur zweiten Terrasse hielten sie sich auf der Nordseite und vollendeten dann die Tour, zur Westflanke übergehend, auf dem Merzbacher’schen Wege. Diese Ersteigung gewinnt darum besondere Bedeutung, weil sie vielleicht die technisch schwierigste bis dorthin in den Ostalpen unternommene Klettertour war. Die folgenden Touren siehe »Erschließung der Ostalpen«, S. 252. Bis jetzt sind auf die erste Terrasse, Varianten ungerechnet, vier verschiedene, von der ersten zur zweiten Terrasse drei verschiedene Wege gefunden worden, gegenüber der Vermutung Merzbacher’s, er habe die allein mögliche Route getroffen, ein deutlicher Beweis für die Vervollkommnung der alpinen Technik.

Eine bis nahe an den Gipfel neue Route schlug am 6. Juni 1895 der tüchtige Rosenheimer Kletterer G. Herold ein, indem er über den nordöstlichen Strebepfeiler und die anschließende, von senkrechten Kaminen durchrissene Wand zur dritten Terrasse und von hier auf dem üblichen Wege zur nahen Spitze gelangte.

Eine Tour von außergewöhnlicher Schwierigkeit ist die Überschreitung des Totenkirchels, resp. der Abstieg über den Südostgrat zur Winklerscharte. H. Hofmann und R. H. Schmitt aus Wien waren es, die zuerst, am 7. Oktober 189o, dies verwegene Kletterstückchen unternahmen. In neuester Zeit hat dieser Abstieg trotz der außergewöhnlichen Anforderungen, die er stellt, eine gewisse Beliebtheit gewonnen; zurzeit haben nicht weniger als acht Partien ihn glücklich durchgeführt.

Die »Erschl. der Ostalpen« zählt Ende 1891 neun, richtig elf Ersteigungen auf; anno 1892 konnte der Verfasser die 16., anno 1895 noch die 38. durchführen, während Ende 1896 die Ziffer Zoo schon überschritten war. Das Totenkirchel ist eben einer der ersten Modeberge geworden. Dabei kann freilich nicht verhehlt werden, dass eine sehr große Anzahl Unberufener, namentlich unter den Führerlosen, sich heutzutage an den Berg wagt, der immer schwierig und bösartig bleiben wird, mögen auch viele schon verächtlich über die »unerwartete Leichtigkeit« die Nase rümpfen. Meistens ist ja das Glück dem Unklugen und Tollkühnen hold; aber wohin Unerfahrenheit führen kann, zeigen die zwei Opfer, die das Totenkirchel in den letzten Jahren gefordert hat. Der Verfasser kann sich der Befürchtung nicht erwehren, dass es nicht die letzten Opfer sind.

Der tiefe und breite Einschnitt des Elmauer Tores, 1959 m, bildet, wie schon erwähnt, die östliche Grenzmarke des Elmauer Kaisers. Von Süden durch das Kübelkar ganz leicht erreichbar, sendet es nach Norden einen merkwürdigen, zu beiden Seiten von den senkrechten Wänden der Fleischbank und des Predigtstuhles eingefassten, Zoo m hohen Plattenschuss, die Steinerne Rinne, zum Kaiserbachtal. Touristisch zum ersten Mal von Merzbacher mit Steinackerer am 17. Juni 1881 begangen und lange Zeit sehr berüchtigt, ist nunmehr die hochinteressante Schlucht ein sehr beliebter Zugang für die von Norden kommenden Besteiger der Karlspitzen, Goinger Halten und des Predigtstuhles.

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5 Comments
  1. Ganz herzlichen Dank für den tollen Beitrag! Bin sogar ein Technik-Fan, jedoch ist die Sache Technik nicht für Jedermann begreifbar. Ich versuche auf meinem Weblog http://www.der-technik.blog.de ein wenig davon zu erklären, guckt doch mal vorbei!

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